Elastolin - Heer Soldat mit Gewehr zuschlagend " Kolbenschläger "
Die Elastolin-Figur eines Heersoldaten mit zuschlagendem Gewehr, auch als "Kolbenschläger" bezeichnet, repräsentiert einen faszinierenden Aspekt der deutschen Spielzeug- und Militärgeschichte des 20. Jahrhunderts. Diese Figur mit einer Größe von 7,5 cm gehört zu den charakteristischen Produkten der Firma O. & M. Hausser aus Ludwigsburg, die von den 1920er Jahren bis in die Nachkriegszeit hinein militärische Spielfiguren herstellte.
Die Firma Hausser entwickelte das Material Elastolin in den 1920er Jahren als Alternative zu traditionellem Blei oder Zinn. Diese innovative Masse bestand aus Kasein, Leim, Kreide und anderen Bestandteilen, die auf einen Drahtgestell aufgetragen wurden. Das Material erwies sich als haltbar, relativ bruchsicher und kostengünstiger in der Herstellung als Metallfiguren. Die Elastolin-Figuren wurden in Deutschland und international sehr populär und etablierten Hausser als einen der führenden Hersteller von Spielzeugsoldaten.
Die dargestellte Kampfhandlung des Kolbenschlages war eine reale Nahkampftechnik, die in militärischen Ausbildungen gelehrt wurde. Im Ersten Weltkrieg, besonders im Grabenkampf, entwickelte sich der Nahkampf zu einer wichtigen Kampfform. Das Gewehr 98 und später das Karabiner 98k waren nicht nur Schusswaffen, sondern wurden auch als Nahkampfwaffen eingesetzt. Die militärische Ausbildung umfasste spezielle Techniken des Bajonettkampfes und des Einsatzes des Gewehrkolbens als Schlagwaffe.
In den deutschen Heeresdienstvorschriften war der Nahkampf detailliert geregelt. Die H.Dv. 130/2a (Heeresdienstvorschrift) behandelte die Nahkampfausbildung und beschrieb verschiedene Techniken, einschließlich des Kolbenschlags. Diese Kampftechnik war besonders in Situationen relevant, in denen keine Zeit zum Nachladen blieb oder der Gegner bereits zu nah war für den effektiven Einsatz der Schusswaffe.
Die Elastolin-Figuren der Wehrmacht und des Heeres wurden zwischen 1933 und 1945 in großen Stückzahlen produziert. Sie dienten nicht nur als Spielzeug, sondern erfüllten auch eine propagandistische Funktion zur Militarisierung der Jugend. Die Figuren wurden in verschiedenen Posen hergestellt: marschierend, schießend, im Angriff, verwundet und eben auch im Nahkampf wie bei diesem Kolbenschläger.
Die Bemalung der Figuren erfolgte von Hand und zeigte typischerweise die feldgraue Uniform der Wehrmacht mit charakteristischen Details wie dem Stahlhelm M35 oder M42, den Wickelgamaschen oder Stiefeln, der Patronentasche und anderen Ausrüstungsgegenständen. Die Qualität der Bemalung variierte je nach Produktionszeitpunkt, wobei frühere Figuren oft detaillierter bemalt wurden als spätere Kriegsproduktionen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Produktion von Hausser zunächst unter französischer Militärverwaltung kontrolliert. Ab den 1950er Jahren nahm das Unternehmen die Produktion wieder auf, stellte aber zunehmend auch zivile Figuren und später moderne Bundeswehr-Soldaten her. Die Wehrmacht-Figuren aus der Vorkriegs- und Kriegszeit wurden zu gesuchten Sammlerobjekten.
Der Zustand 2- bei dieser Figur deutet auf einen sehr guten Erhaltungszustand hin mit nur minimalen Gebrauchsspuren. Im Sammlerbereich wird der Zustand nach einer Skala von 1 (neuwertig) bis 6 (stark beschädigt) bewertet. Ein Zustand 2- bedeutet, dass die Figur nahezu vollständig erhalten ist mit intakter Bemalung und möglicherweise nur leichten Alterungsspuren.
Heute sind Elastolin-Figuren wichtige Zeugnisse der deutschen Spielzeug- und Kulturgeschichte. Sie dokumentieren nicht nur die handwerkliche Qualität deutscher Spielzeugherstellung, sondern auch die gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse ihrer Entstehungszeit. Für Sammler militärhistorischer Miniaturen und Experten der Spielzeuggeschichte stellen sie bedeutende Studienobjekte dar, die Aufschluss über Uniformierung, Bewaffnung und taktische Darstellungen geben.