Luftwaffe Fallschirmjäger Trainings - Overall (Schleifanzug) 

olivgrüne Baumwolle, mit Reihe von 7 verdeckten Knöpfen (3 fehlen), Herstelleretikett " Ernst Rihm Berlin C 2 Gr.I", am Kragen mit 2 Lederriemen, beide sind beschädigt, seitlich mit zwei schrägen Taschen mit Reißverschlüssen (beide oxidiert und nicht funktionsfähig), Armlänge 63 cm, Brustumfang 166 cm, Länge 155 cm, stark verschmutzt, Zustand 2-3.

siehe Buch: Deutsche Fallschirmjäger 1936-1945, Karl Veltze, Band 1, Seite 336.    
380174
1.450,00

Luftwaffe Fallschirmjäger Trainings - Overall (Schleifanzug) 

Der Luftwaffe Fallschirmjäger Trainings-Overall, auch als Schleifanzug bezeichnet, stellt ein faszinierendes Zeugnis der technischen Entwicklung deutscher Luftlandetruppen während des Zweiten Weltkriegs dar. Dieses spezielle Ausrüstungsstück wurde ausschließlich für die Ausbildung von Fallschirmjägern entwickelt und spielte eine wesentliche Rolle in der Vorbereitung dieser Eliteeinheiten auf ihre gefährlichen Einsätze.

Die deutschen Fallschirmjäger wurden 1936 als Teil der Luftwaffe gegründet und entwickelten sich schnell zu einer der am meisten gefürchteten Kampfeinheiten der Wehrmacht. Unter der Führung von Generaloberst Kurt Student revolutionierten diese Truppen die Luftlandeoperationen und spielten bedeutende Rollen in verschiedenen Feldzügen, darunter der Überfall auf das belgische Fort Eben-Emael 1940 und die Schlacht um Kreta 1941.

Der Schleifanzug war ein unverzichtbares Element der Fallschirmjägerausbildung. Seine Hauptfunktion bestand darin, die reguläre Uniform und Ausrüstung während der intensiven Bodenübungen zu schützen. Die Bezeichnung “Schleifanzug” leitet sich vom deutschen Wort “schleifen” ab, was die harte, oft brutale Ausbildung der Fallschirmjäger widerspiegelt. Diese Trainingsoveralls wurden bei verschiedenen Übungen getragen, insbesondere beim Üben von Abrollbewegungen, Landetechniken und anderen körperlich anspruchsvollen Trainingseinheiten.

Die Konstruktion des Anzugs war funktional und robust gestaltet. Die Verwendung von olivgrüner Baumwolle war charakteristisch für deutsche Militärausrüstung dieser Periode. Der Overall verfügte über eine verdeckte Knopfleiste, typischerweise mit sieben Knöpfen, die ein versehentliches Öffnen während der Übungen verhindern sollte. Die beiden schrägen Taschen mit Reißverschlüssen an den Seiten ermöglichten das sichere Verstauen persönlicher Gegenstände während des Trainings.

Besonders bemerkenswert sind die zwei Lederriemen am Kragen. Diese dienten vermutlich dazu, den Anzug beim An- und Ausziehen zu handhaben oder möglicherweise zur Befestigung zusätzlicher Ausrüstung. Die Lederapplikationen waren typisch für deutsche Militärbekleidung der 1930er und 1940er Jahre und zeugten von der Detailversessenheit bei der Ausrüstungsherstellung.

Das Herstelleretikett “Ernst Rihm Berlin C 2” verweist auf einen der zahlreichen Bekleidungshersteller, die für die Wehrmacht produzierten. Berlin war während des Krieges ein bedeutendes Zentrum der Militärbekleidungsproduktion. Die Größenbezeichnung “Gr.I” folgte dem standardisierten deutschen Größensystem für Militärbekleidung, das eine effiziente Massenproduktion und -verteilung ermöglichte.

Die Ausbildung der Fallschirmjäger war bekanntermaßen extrem hart und verlustreich. Die Rekruten mussten einen mehrstufigen Ausbildungsprozess durchlaufen, der in den Fallschirmschulen in Stendal, Braunschweig und später Wittstock stattfand. Der Schleifanzug wurde während der ersten Ausbildungsphasen getragen, wenn die Soldaten Landetechniken, Falltechniken und andere grundlegende Fähigkeiten erlernten, noch bevor sie tatsächliche Sprünge aus Flugzeugen durchführten.

Die körperliche Ertüchtigung der Fallschirmjäger beinhaltete intensive Bodenübungen, bei denen die Soldaten wiederholt Abrollbewegungen praktizierten, um die Aufprallenergie bei der Landung zu verteilen. Diese Übungen fanden oft auf harten Oberflächen oder speziell präparierten Trainingsgeländen statt, was den robusten Schleifanzug unverzichtbar machte. Ohne diesen Schutzanzug wären die regulären Uniformen schnell verschlissen gewesen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden viele dieser Trainingsoveralls von Veteranen als Erinnerungsstücke aufbewahrt oder gelangten in verschiedene Sammlungen. Heute sind gut erhaltene Exemplare selten und bei Sammlern militärhistorischer Objekte sehr begehrt. Sie bieten wertvolle Einblicke in die Alltagsrealität und Ausbildungsmethoden einer der bekanntesten Militäreinheiten des Zweiten Weltkriegs.

Die Erhaltung solcher historischen Textilien ist herausfordernd. Baumwolle ist anfällig für Zerfall, Schimmel und Insektenfraß. Viele überlebende Exemplare zeigen Gebrauchsspuren, Verschmutzungen und Beschädigungen, die von ihrer intensiven Nutzung während der Ausbildung zeugen. Diese Gebrauchsspuren sind jedoch auch Teil ihrer historischen Authentizität und erzählen die Geschichte der jungen Männer, die diese Anzüge während ihrer harten Ausbildung trugen.