Preußen 1. Weltkrieg feldgraue Pickelhaube Modell 1915 für Mannschaften Infanterie
Die preußische Pickelhaube Modell 1915 für Mannschaften der Infanterie stellt ein faszinierendes Zeugnis der deutschen Militärgeschichte im Ersten Weltkrieg dar. Dieses charakteristische Helmmodell wurde in einer Zeit hergestellt, in der das Deutsche Reich unter erheblichen materiellen Engpässen litt und sich die Kriegsführung grundlegend veränderte.
Die Geschichte der Pickelhaube begann bereits am 23. Oktober 1842, als König Friedrich Wilhelm IV. durch eine königliche Kabinettsorder die Einführung dieses markanten Helms für die Mehrheit der preußischen Infanterie verfügte. Mit der Gründung des vereinten Deutschen Kaiserreichs im Jahr 1871 wurde die Pickelhaube zur Standardkopfbedeckung der gesamten deutschen Armee. Ursprünglich in schwarz lackiertem Leder mit glänzenden Messingbeschlägen gefertigt, sollte sie bis 1916 im Einsatz bleiben, ehe sie durch den Stahlhelm ersetzt wurde.
Das vorliegende Exemplar wurde 1916 von Julius Janser in Straßburg hergestellt und trägt die Größenangabe 57. Straßburg befand sich seit 1871 als Teil von Elsass-Lothringen unter deutscher Kontrolle, was die dortige Produktion ermöglichte. Dieses Stück repräsentiert das Modell 1915, eine vereinfachte Kriegsvariante, die als Reaktion auf die harten Realitäten des Stellungskrieges eingeführt wurde.
Die frühen Kriegsmonate des Ersten Weltkriegs offenbarten schnell die Unzulänglichkeiten der traditionellen Pickelhaube. Die Lederhelme boten nur minimalen Schutz gegen Granatsplitter und Schrapnelle, und der auffällige Spitzaufsatz machte seinen Träger zu einem leichten Ziel für feindliche Schützen. Diese Mängel führten im September 1915 zu der Anordnung, dass neue Helme an der Front ohne Spitzen getragen werden sollten. Das Modell 1915 reagierte auf diese Anforderung mit einer technischen Innovation: Die Spitze wurde durch die Einführung von Haltenasen an der Grundplatte und entsprechenden Bajonettverschlussschlitzen abnehmbar gestaltet, was die auffällige Höhe des Helms im Grabenkrieg reduzierte.
Ein weiteres charakteristisches Merkmal der 1915er Variante war der Übergang zu mattgrauen oder verzinkten Eisenbeschlägen. Diese ersetzten die glänzenden Messingversionen früherer Modelle, die auf dem Schlachtfeld zu sichtbar waren. Im Oktober 1916 wurde die Farbgebung offiziell auf feldgrau geändert, obwohl zu diesem Zeitpunkt der Stahlhelm bereits für die meisten Truppen zur Standardausrüstung geworden war. Gemäß den Vorschriften von 1915 verwendeten alle ausgegebenen Pickelhauben nunmehr grau oxidierte Stahlbeschläge für alle Regimenter, anstelle der zuvor verwendeten Messing-, Silber- oder Tombak-Beschläge des Modells 1895.
Das hier beschriebene Exemplar weist an der Vorderseite den preußischen Linienadler auf und verfügt über beide Kokarden: die Nationalfarben Schwarz-Weiß-Rot rechts und die preußischen Farben Schwarz-Weiß-Schwarz links. Der Helm ist aus schwarzem Leder mit einer glänzend-schwarzen Oberfläche aus gekochtem Leder gefertigt und besitzt graue Eisenbeschläge. Die Rückenspange des Helms weist eine kleine Schiebetür auf, die eine Belüftungsöffnung abdeckt, um bei wärmerem Wetter die Luftzirkulation zu verbessern – ein Merkmal, das erstmals beim Infanteriemodell 1895 auftauchte.
Mit fortschreitendem Krieg schwanden Deutschlands Ledervorräte dramatisch. Nach umfangreichen Importen aus Südamerika, insbesondere aus Argentinien, begann die deutsche Regierung mit der Produktion von Ersatz-Pickelhauben aus anderen Materialien. Ab 1915 wurden einige Pickelhauben aus dünnem Stahlblech konstruiert. Der Bedarf an noch größeren Stückzahlen führte sogar zur Verwendung von gepresstem Filz und Papier für die Helmherstellung. Die Filzhaube war der erste von vielen abgeleiteten Ersatzhelmen aus gepresstem Filz mit Metallbeschlägen. Die 1915er Pickelhaube war, abgesehen von der Vielzahl der Ersatzhelme, das letzte reguläre Modell, das universal ausgegeben wurde.
Ab 1916 wurde die Pickelhaube schrittweise durch den neuen deutschen Stahlhelm ersetzt, der besseren Kopfschutz vor Granatsplittern bieten sollte. Nach der Einführung des Stahlhelms wurde die Pickelhaube auf begrenzte zeremonielle Verwendung durch höhere Offiziere abseits der Kriegszonen reduziert. Mit dem Zusammenbruch des Deutschen Kaiserreichs 1918 hörte die Pickelhaube auf, Teil der Militäruniform zu sein. Während der frühen Kriegsmonate waren Pickelhauben beliebte Ziele für alliierte Souvenirjäger.