Wehrmacht Gymnastjorka eines Hauptmanns der Russische Befreiungsarmee (ROA)

Hemd aus den Beständen der Sowjetarmee, olivfarbener Stoff, die Knopfleiste mit 5 braunen Knöpfen, an den Ärmeln jeweils zwei Knöpfe. Auf den Schultern die Schulterstücke mit je zwei Sternen, Waffenfarbe karmesinrot. Auf der Brust 2 einzelne Bandspangen. Armlänge 55 cm, Brustumfang 84 cm, Rückenlänge 72 cm, stark getragen, Ärmelaufschläge und Kragen sind aufgeraut, Zustand 3.













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750,00

Wehrmacht Gymnastjorka eines Hauptmanns der Russische Befreiungsarmee (ROA)

Die Gymnastjorka (russisch: гимнастёрка) war das charakteristische Feldhemd der sowjetischen und zaristischen russischen Armee, das eine zentrale Rolle in der Uniformgeschichte des 20. Jahrhunderts spielte. Das hier beschriebene Exemplar stellt ein besonders seltenes und historisch bedeutsames Stück dar: eine Gymnastjorka eines Hauptmanns der Russischen Befreiungsarmee (ROA), die während des Zweiten Weltkriegs unter deutscher Schirmherrschaft operierte.

Die Russische Befreiungsarmee (Russkaja Oswoboditel'naja Armija, ROA) wurde 1944 offiziell unter dem Kommando von General Andrei Andrejewitsch Wlassow gegründet, einem ehemaligen Generalleutnant der Roten Armee, der 1942 in deutsche Gefangenschaft geriet. Die ROA bestand aus sowjetischen Kriegsgefangenen, Überläufern und Emigranten, die aus verschiedenen Motiven gegen das Stalin-Regime kämpften. Die Bewegung umfasste am Ende des Krieges etwa 50.000 Mann in zwei Divisionen sowie weitere Hilfseinheiten.

Das vorliegende Uniformstück zeigt die typische olivfarbene Färbung sowjetischer Militäruniformen der Kriegszeit. Die Gymnastjorka wurde seit den 1920er Jahren als Standardfeldhemd der Roten Armee verwendet und zeichnete sich durch ihre praktische Konstruktion aus: eine durchgehende Knopfleiste mit fünf Knöpfen vorne, Ärmelmanschetten mit je zwei Knöpfen zur Regulierung der Weite, und einem einfachen Stehkragen. Diese funktionale Gestaltung machte das Kleidungsstück robust und für den Feldeinsatz geeignet.

Besonders aufschlussreich sind die Schulterstücke mit karmesinroter Waffenfarbe. In der sowjetischen Armee bezeichnete diese Farbe traditionell die Artillerie und verwandte technische Truppen. Die beiden Sterne auf jedem Schulterstück kennzeichnen den Rang eines Hauptmanns (Kapitan). Das Rangabzeichensystem der ROA orientierte sich weitgehend an sowjetischen Vorbildern, wurde aber 1943/44 teilweise modifiziert, um die neue Organisationsstruktur zu reflektieren.

Die ROA-Einheiten verwendeten überwiegend erbeutete sowjetische Uniformen und Ausrüstung, die aus den enormen Beständen der Wehrmacht stammten. Millionen sowjetischer Soldaten waren in deutsche Gefangenschaft geraten, und ihre Uniformen wurden systematisch gesammelt und wiederverwendet. Die ROA-Soldaten trugen typischerweise sowjetische Basisuniformen, ergänzt durch spezifische Abzeichen zur Unterscheidung: Das bekannteste war das ROA-Ärmelschild mit dem Andreaskreuz in den Farben Weiß, Blau und Rot der russischen Trikolore sowie die Aufschrift “ROA” in kyrillischen Buchstaben.

Die zwei Bandspangen auf der Brust dieses Exemplars deuten auf Auszeichnungen hin, deren genaue Identität ohne weitere Informationen schwer zu bestimmen ist. Die ROA verlieh eigene Auszeichnungen, und einige Offiziere trugen auch sowjetische Orden aus ihrer früheren Dienstzeit oder deutsche Auszeichnungen.

Der stark getragene Zustand dieser Gymnastjorka mit aufgerauten Kragen- und Ärmelpartien zeugt von intensivem Gebrauch unter Feldbedingungen. Die angegebenen Maße (Armlänge 55 cm, Brustumfang 84 cm, Rückenlänge 72 cm) entsprechen einer mittleren Größe und zeigen die standardisierten Konfektionsgrößen sowjetischer Militärkleidung.

Die Geschichte der ROA endete tragisch im Mai 1945. Nach der deutschen Kapitulation versuchten viele ROA-Angehörige, sich den Westalliierten zu ergeben, wurden aber gemäß den Vereinbarungen von Jalta an die Sowjetunion ausgeliefert. General Wlassow und viele seiner Offiziere wurden 1946 in Moskau hingerichtet. Tausende einfache Soldaten wurden in Straflager deportiert oder exekutiert. Die sowjetische Geschichtsschreibung behandelte die ROA-Angehörigen als Verräter, während in der russischen Emigration und später in Teilen der postsowjetischen Gesellschaft unterschiedliche Bewertungen entstanden.

Uniformen der ROA sind heute äußerst seltene militärhistorische Objekte. Die meisten wurden nach dem Krieg von sowjetischen Behörden vernichtet oder von den Trägern aus Sicherheitsgründen beseitigt. Überlebende Exemplare befinden sich hauptsächlich in Museen und Spezialsammlungen. Sie dokumentieren ein komplexes und kontroverses Kapitel der Geschichte des Zweiten Weltkriegs, in dem ideologische Konflikte, persönliche Schicksale und politische Zwänge eine tragische Verbindung eingingen.

Diese Gymnastjorka repräsentiert somit nicht nur ein militärisches Kleidungsstück, sondern ein Zeugnis der innersowjetischen Spaltungen während des “Großen Vaterländischen Krieges”, wie der Zweite Weltkrieg in Russland genannt wird, und der verzweifelten Versuche von Menschen, zwischen den Fronten eines totalen Krieges zu navigieren.