Wehrmacht/ Kriegsmarine Dienstglas 8 x 60 , Firma E. Leitz Wetzlar "beh" mit Porro II-Prismensystem
Das Wehrmacht Dienstglas 8x60 von Ernst Leitz Wetzlar repräsentiert einen der technisch fortschrittlichsten optischen Geräte, die während des Zweiten Weltkriegs von der deutschen Kriegsmarine eingesetzt wurden. Dieses spezielle Modell mit dem Herstellercode “beh” verkörpert die Präzision deutscher optischer Ingenieurskunst und spielte eine entscheidende Rolle in der maritimen Aufklärung und Zielerfassung.
Historischer Hintergrund und Entwicklung
Die Firma Ernst Leitz GmbH in Wetzlar war bereits im 19. Jahrhundert als führender Hersteller optischer Instrumente etabliert. Bekannt wurde Leitz vor allem durch die revolutionäre Leica-Kamera, doch das Unternehmen fertigte auch hochwertige militärische Optik. Mit Beginn der Aufrüstung der Wehrmacht in den 1930er Jahren wurde Leitz zu einem wichtigen Lieferanten für militärische Ferngläser und optische Zielgeräte.
Das System der dreistelligen Herstellercodes (beh für Leitz) wurde 1940 eingeführt, um bei einer möglichen Eroberung durch Feindmächte die Identifizierung von Produktionsstätten und Kapazitäten zu erschweren. Diese Codes wurden streng nach dem Heereswaffenamt-System vergeben und sind heute ein wichtiges Identifikationsmerkmal für Sammler und Historiker.
Technische Spezifikationen und Konstruktion
Die Spezifikation 8x60 bezeichnet eine achtfache Vergrößerung bei einem Objektivdurchmesser von 60 Millimetern. Diese Kombination bot einen optimalen Kompromiss zwischen Vergrößerung, Lichtstärke und Handhabbarkeit. Das große 60mm-Objektiv ermöglichte eine hervorragende Lichtsammlung, was besonders in den Dämmerungsstunden oder bei schlechten Wetterbedingungen auf See von entscheidender Bedeutung war.
Das Porro II-Prismensystem, benannt nach dem italienischen Optiker Ignazio Porro, stellte zu dieser Zeit die fortschrittlichste Prismentechnologie dar. Im Gegensatz zum einfacheren Porro I-System ermöglichte das Porro II-System eine kompaktere Bauweise bei gleichzeitig verbesserter Bildqualität. Die Prismen wurden aus hochwertigem optischen Glas gefertigt und mehrfach vergütet, um Lichtverluste zu minimieren.
Die schwarze Rauhlackierung diente mehreren Zwecken: Sie reduzierte Reflexionen, die die Position des Beobachters verraten könnten, schützte das Metallgehäuse vor Korrosion durch Salzwasser und bot zusätzlichen mechanischen Schutz. Der Gummischutz an den Gehäusekanten verstärkte die Stoßfestigkeit und verbesserte den Halt bei nassen oder kalten Bedingungen.
Einsatz bei der Kriegsmarine
Die Kriegsmarine stellte besondere Anforderungen an optische Geräte. Ferngläser mussten nicht nur präzise und lichtstark sein, sondern auch den extremen Bedingungen auf See standhalten: Salzwasser, hohe Luftfeuchtigkeit, Temperaturwechsel und mechanische Belastungen. Die eingeschraubten Trockenpatronen waren eine deutsche Innovation, die das Beschlagen der Optik durch Luftfeuchtigkeitswechsel verhinderte. Diese Patronen enthielten hygroskopisches Material, das Feuchtigkeit aus dem versiegelten Gehäuse absorbierte.
Das 8x60-Glas wurde typischerweise von Wachoffizieren, Navigatoren und Kommandanten auf U-Booten, Schnellbooten und Überwasserschiffen verwendet. Die fehlende Strichplatte (Retikel) bei diesem Modell identifiziert es als reines Beobachtungsglas, im Gegensatz zu spezialisierten Entfernungsmessern oder Artilleriebeobachtungsgläsern.
Produktion und Verbreitung
Die Seriennummer ermöglicht eine ungefähre zeitliche Einordnung der Produktion. Leitz produzierte während des gesamten Krieges kontinuierlich für die Wehrmacht, wobei die Qualitätsstandards auch unter Kriegsbedingungen weitgehend aufrechterhalten wurden. Die Jahresproduktion lag bei mehreren Tausend Einheiten, wobei verschiedene Varianten für unterschiedliche Waffengattungen gefertigt wurden.
Nachkriegszeit und Sammlerwert
Nach 1945 wurden viele dieser Ferngläser als Beutestücke von alliierten Soldaten mitgenommen oder von der deutschen Zivilbevölkerung für zivile Zwecke weiterverwendet. Die hervorragende optische Qualität machte sie auch Jahrzehnte später noch zu geschätzten Instrumenten für Jäger, Segler und Naturbeobachter.
Heute sind gut erhaltene Exemplare mit vollständiger originaler Ausstattung – Okularschutz, Augenmuscheln und Trageriemen – bei Sammlern militärischer Optik hochgeschätzt. Der Erhaltungszustand 2+ (leichte Gebrauchsspuren) ist für ein über 75 Jahre altes Instrument bemerkenswert und zeugt von der robusten Konstruktion sowie sorgfältiger Aufbewahrung.
Das Dienstglas 8x60 von Leitz bleibt ein eindrucksvolles Zeugnis deutscher Feinmechanik und Optiktechnologie der 1940er Jahre und dokumentiert die hohen technischen Standards, die selbst unter Kriegsbedingungen aufrechterhalten wurden.