DLV / DDAC / NSKK - nichttragbare Teilnehmerplakette - " Ballon-Begleitfahrt 28.4.1935 "
Die vorliegende Teilnehmerplakette zur Ballon-Begleitfahrt vom 28. April 1935 repräsentiert ein faszinierendes Kapitel der deutschen Luftfahrtgeschichte während der NS-Zeit. Diese nichttragbare Plakette, hergestellt von Adam Donner aus Elberfeld, dokumentiert die enge Verbindung zwischen drei bedeutenden Organisationen: dem Deutschen Luftsportverband (DLV), dem Deutschen Automobil-Club (DDAC) und dem Nationalsozialistischen Kraftfahrkorps (NSKK).
Der Deutsche Luftsportverband wurde im März 1933 gegründet und diente als zivile Tarnorganisation für die heimliche Ausbildung von Luftwaffenpersonal, da Deutschland nach dem Versailler Vertrag keine Militärluftwaffe unterhalten durfte. Der DLV organisierte Segelfliegen, Motorfliegen und auch Ballonfahrten, die sowohl sportlichen als auch paramilitärischen Zwecken dienten. Unter der Leitung von Hermann Göring entwickelte sich der DLV zu einer Massenorganisation mit über 800.000 Mitgliedern.
Das NSKK, gegründet 1931 und ab 1934 eigenständige Organisation, war für die kraftfahrtechnische Schulung und Mobilmachungsvorbereitung zuständig. Der DDAC, gleichgeschaltet 1933, fungierte als der offizielle Automobilclub des Dritten Reiches. Die Zusammenarbeit dieser drei Organisationen bei Ballonbegleitfahrten hatte sowohl propagandistische als auch praktische Bedeutung.
Ballonbegleitfahrten waren komplexe logistische Unternehmungen. Ein Freiballon, der keine Steuerungsmöglichkeit besaß und nur mit dem Wind trieb, musste von Kraftfahrzeugen am Boden verfolgt werden. Diese Begleitfahrzeuge transportierten Ausrüstung,Bergungsmaterial und Personal, um den Ballon nach der Landung zu bergen und zurückzutransportieren. Solche Veranstaltungen dienten der Ausbildung, der Öffentlichkeitsarbeit und der Demonstration technischer Fähigkeiten.
Die Plakette selbst ist aus versilbertem Buntmetall gefertigt und teilweise emailliert – eine Herstellungstechnik, die für hochwertige Abzeichen der Epoche typisch war. Mit Maßen von 56 x 86 mm handelt es sich um ein repräsentatives Erinnerungsstück, das nicht getragen, sondern zur Aufbewahrung und Präsentation bestimmt war. Der Hersteller Adam Donner aus Elberfeld (heute Teil von Wuppertal) war ein etablierter Produzent von Abzeichen und Orden.
Das Datum 28. April 1935 fällt in eine Phase intensiver Aufrüstung und Expansion der deutschen Luftfahrt. Nur wenige Wochen später, am 26. Mai 1935, wurde die Existenz der Luftwaffe offiziell bekannt gegeben, was das Ende der Geheimhaltung bedeutete. Der DLV hatte zu diesem Zeitpunkt seine Hauptaufgabe erfüllt und wurde später, 1937, in das Nationalsozialistische Fliegerkorps (NSFK) überführt.
Solche Teilnehmerplaketten waren wichtige Elemente der NS-Erinnerungskultur. Sie dienten der Motivation der Teilnehmer, dokumentierten die Zugehörigkeit zu bestimmten Veranstaltungen und verstärkten das Gemeinschaftsgefühl innerhalb der Organisationen. Die Kombination der drei Organisationsabzeichen auf einer Plakette unterstreicht die koordinierte Zusammenarbeit verschiedener NS-Gliederungen bei technischen und sportlichen Veranstaltungen.
Die Ballonfahrt als Sport hatte in Deutschland eine lange Tradition, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreichte. Die Nationalsozialisten nutzten diese Tradition geschickt für ihre Zwecke, indem sie technische Sportarten mit Wehrertüchtigung und ideologischer Schulung verbanden. Ballonbegleitfahrten trainierten dabei nicht nur die Ballonbesatzungen, sondern auch die Kraftfahrer in Navigation, Geländeorientierung und schneller Reaktion – alles Fähigkeiten, die im militärischen Kontext von Bedeutung waren.
Heute sind solche Plaketten wichtige zeitgeschichtliche Dokumente, die Einblick in die Organisationsstrukturen und Aktivitäten des Dritten Reiches geben. Sie dokumentieren die Durchdringung aller Lebensbereiche durch nationalsozialistische Organisationen und die Verbindung von Sport, Technik und politischer Ideologie. Für Sammler und Historiker bieten sie wertvolle Informationen über lokale Veranstaltungen und die praktische Arbeit dieser Organisationen jenseits der großen politischen Ereignisse.