Deutsches Reichspost Schirmmütze für Beamte

Dunkelblaue Schirmmütze mit orangen Vorstößen. Komplett mit allen Effekten und Ledersturmriemen. Innen braunes Schweißleder und Wachstuchfutter, Zelluloidtrapez mit Herstellermarke "Louis Lorz Darmstadt", Kammerstempel "DMST. 2.35" und Kopfgrößenangabe "55". Kleiner Mottenschaden auf dem Deckel, Zustand 2+.
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650,00

Deutsches Reichspost Schirmmütze für Beamte

Die vorliegende Schirmmütze der Deutschen Reichspost repräsentiert ein bedeutendes Kapitel deutscher Verwaltungs- und Uniformgeschichte der Weimarer Republik und des frühen Dritten Reiches. Diese dunkelblau gehaltene Kopfbedeckung mit ihren charakteristischen orangen Vorstößen war Teil der offiziellen Dienstkleidung für Beamte der Deutschen Reichspost und symbolisierte die Autorität und den Status einer der wichtigsten Institutionen des deutschen Staates.

Die Deutsche Reichspost entwickelte sich nach ihrer Gründung 1871 zu einem der größten Arbeitgeber des Deutschen Reiches. Mit mehreren hunderttausend Beschäftigten war sie nicht nur für die Post- und Telekommunikationsdienstleistungen zuständig, sondern spielte auch eine zentrale Rolle in der Infrastruktur und Modernisierung Deutschlands. Die Uniformierung ihrer Beamten folgte strengen Vorschriften und Regularien, die sowohl Hierarchien als auch Zugehörigkeiten eindeutig erkennbar machten.

Der Kammerstempel "DMST. 2.35" datiert dieses Exemplar auf Februar 1935, eine Zeit bedeutender politischer Umbrüche in Deutschland. Die Nationalsozialisten hatten bereits die Macht übernommen, die Reichspost durchlief Umstrukturierungen, behielt jedoch weitgehend ihre traditionellen Uniformvorschriften bei. Die dunkelblaue Grundfarbe und die orangen Vorstöße waren seit der Kaiserzeit charakteristisch für die Post-Uniformen und unterschieden Postbeamte deutlich von anderen staatlichen Dienststellen.

Das Herstellerlabel "Louis Lorz Darmstadt" verweist auf einen etablierten Uniformschneider und Effektenhersteller der Region. Darmstadt war im frühen 20. Jahrhundert ein wichtiges Zentrum für die Herstellung militärischer und ziviler Uniformen. Firmen wie Louis Lorz belieferten nicht nur lokale Behörden, sondern erhielten auch überregionale Aufträge für Reichsbehörden. Die Qualität ihrer Arbeit stand für Langlebigkeit und handwerkliche Präzision, wie sie von staatlichen Dienststellen gefordert wurde.

Die technische Konstruktion dieser Schirmmütze folgte den damals gültigen Standards: Ein stabiler Schirm aus Vulkanfiber oder Leder bot Schutz vor Witterungseinflüssen. Das braune Schweißleder im Inneren diente dem Tragekomfort und der Haltbarkeit, während das Wachstuchfutter zur Stabilität und Form der Mütze beitrug. Der Ledersturmriemen konnte bei Bedarf unter dem Kinn befestigt werden und verhinderte das Verlieren der Kopfbedeckung bei Wind oder bei der Ausübung körperlicher Tätigkeiten.

Die Effekten auf der Schirmmütze – Kokarde, Adler und möglicherweise Eichenlaub – waren streng reglementiert. Die Reichspostordnung schrieb genau vor, welche Abzeichen in welcher Größe und Position anzubringen waren. Diese Effekten dienten nicht nur dekorativen Zwecken, sondern waren wesentliche Erkennungsmerkmale, die den Träger als staatlichen Beamten auswiesen und ihm damit eine besondere Stellung in der Öffentlichkeit verliehen.

Die angegebene Kopfgröße 55 entspricht einem Umfang von 55 Zentimetern und war eine gängige Standardgröße. Die Produktion von Uniformmützen erfolgte in festgelegten Größenschritten, wobei die Größenangabe meist auf einem Zelluloidtrapez im Inneren vermerkt wurde. Diese Trapeze enthielten neben der Größe auch Herstellerangaben und oft Produktionsdaten oder Abnahmestempel.

Der Erhaltungszustand 2+ mit geringem Mottenschaden auf dem Deckel zeugt von der hohen Qualität der verwendeten Materialien. Dass die Mütze nach fast 90 Jahren noch vollständig mit allen Originaleffekten und Lederbestandteilen erhalten ist, spricht für die Sorgfalt bei Herstellung und Lagerung. Mottenbefall war und ist bei historischen Textilien aus Naturmaterialien ein häufiges Problem, wobei der hier beschriebene Schaden als minimal einzustufen ist.

Solche Uniformstücke der Reichspost sind heute wichtige zeitgeschichtliche Dokumente. Sie ermöglichen Einblicke in die Alltagskultur der Behörden, die Bedeutung von Hierarchien und Uniformierungen sowie in die handwerklichen Standards ihrer Zeit. Für Sammler und Historiker sind sie wertvolle Studienobjekte, die die Geschichte einer Institution repräsentieren, die trotz aller politischen Umbrüche kontinuierlich funktionieren musste.

Die Deutsche Reichspost existierte bis 1945 und wurde nach dem Zweiten Weltkrieg in den verschiedenen Besatzungszonen neu organisiert, bevor sie in der Bundesrepublik als Deutsche Bundespost und in der DDR als Deutsche Post fortgeführt wurde. Die Uniformtraditionen, wenn auch modifiziert, blieben teilweise bis zur Privatisierung in den 1990er Jahren erhalten.

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