Freikorps, Einwohnerwehren u.ä. - Soldaten-Siedlungs-Verband Kurland ( SSVK ) - Zivilabzeichen 1. Form

an langer Nadel, Zustand 2.
524175
€ 120,00

Freikorps, Einwohnerwehren u.ä. - Soldaten-Siedlungs-Verband Kurland ( SSVK ) - Zivilabzeichen 1. Form

Das Zivilabzeichen 1. Form des Soldaten-Siedlungs-Verbandes Kurland (SSVK) repräsentiert ein bemerkenswertes Kapitel der deutschen Nachkriegsgeschichte nach dem Ersten Weltkrieg. Dieses emaillierte Abzeichen, getragen an langer Nadel, diente als Kennzeichen für Mitglieder und Unterstützer einer Organisation, die aus den turbulenten Kämpfen im Baltikum 1919 hervorging.

Der Soldaten-Siedlungs-Verband Kurland wurde 1919 im Zusammenhang mit deutschen Freikorps-Operationen in Kurland gegründet, dem südlichen Teil des heutigen Lettland. Nach dem Ersten Weltkrieg marschierte die Rote Armee Ende 1918 in die baltische Region ein und eroberte am 3. Januar 1919 Riga. Deutsche Freikorps-Einheiten, darunter die Eiserne Division, wurden rekrutiert, um an der Seite der baltischen Landeswehr gegen bolschewistische Streitkräfte zu kämpfen. Am 22. Mai 1919 gelang die Rückeroberung Rigas.

Die treibende Kraft hinter der Siedlungsidee war Karl Freiherr von Manteuffel-Katzdangen (1872-1948), ein baltendeutscher Adliger und Gutsbesitzer von Gut Katzdangen in Kurland. Er warb für die Idee deutscher Soldatenansiedlung in der Region und wurde Vorsitzender des Verbandes. Das Abzeichen wurde in der zweiten Hälfte 1919 auf Anregung von Manteuffel-Katzdangen durch Pavel Michailowitsch Bermondt-Avalov (1877-1974), Führer der Freiwilligen Westrussischen Befreiungsarmee, gestiftet. Die Organisation diente sowohl als Veteranenvereinigung als auch als Instrument zur Förderung deutscher Kolonisation Kurlands, inspiriert durch das Versprechen von Siedlungsland im Baltikum für Freiwillige.

Die Bezeichnung 1. Form deutet auf die Existenz mindestens einer weiteren Variante hin. Der SSVK gab sowohl eine Medaille aus, die am Band getragen wurde, als auch Zivilabzeichen in Form von Anstecknadeln für die zivile Kleidung. Die Medaillenversion wurde von Professor Emil Doepler dem Jüngeren entworfen und von der Firma Oertel in Berlin hergestellt. Sie zeigte auf der Vorderseite einen berittenen Deutschritter und auf der Rückseite die SSVK-Initialen in Kreuzquadranten. Das Zivilabzeichen stellt ein separates Design dar, ähnlich den Mitgliedsabzeichen anderer Organisationen dieser Zeit.

Das emaillierte Abzeichen war für Mitglieder und Unterstützer des Soldaten-Siedlungs-Verbandes Kurland bestimmt und wurde an ziviler Kleidung getragen, um Mitgliedschaft oder Verbindung zur Organisation zu demonstrieren. Die verwandte Medaille konnte an alle verliehen werden, die an den Kämpfen in der baltischen Region teilnahmen oder sich um die Siedlungsarbeit verdient machten. Die Medaillenversion wurde bis 1923 verliehen.

Nach der militärischen Niederlage und dem Rückzug deutscher Streitkräfte aus dem Baltikum Ende 1919 bestand der Soldaten-Siedlungs-Verband Kurland als Veteranenorganisation für ehemalige Baltikumer fort. Der Siedlungstraum in Kurland verwirklichte sich nie, da Lettland seine Unabhängigkeit etablierte. Die Organisation war Teil eines breiteren Netzwerks von Arbeitsgemeinschaften, die Verbindungen unter ehemaligen Freikorps-Mitgliedern aufrechterhielten. Bis 1921 existierten über 600 solcher Arbeitsgemeinschaften, verbunden durch Publikationen wie Der Arbeitskamerad.

Karl Freiherr von Manteuffel-Katzdangen floh nach Deutschland und veröffentlichte 1941 seine Memoiren unter dem Titel Meine Siedlungsarbeit in Kurland. Das Abzeichen wurde unter der Nummer 4435a in Hüskens Referenzwerk Kleinabzeichen deutscher Organisationen (5. Auflage, 2010) katalogisiert, was seine Bedeutung als sammelbares Dokument dieser turbulenten Epoche unterstreicht.