Kriegsmarine Schnellbootwaffe: großer Orden- und Urkundennachlass aus dem Besitz des Ritterkreuzträgers Kapitänleutnant Karl-Ehrhardt Karcher, Kommandant von S 87 in der 4. Schnellboot-Flottille

Eisernes Kreuz 1939 2. Klasse, als Einzelschnalle, Zustand 2+, mit der Feldspange. Dazu die Verleihungsurkunde als Lt. z.See von der 1. Torpedobootsflottille, ausgestellt 15. Oktober 1940, mit Unterschrift "Lütjens Admiral und Flottenchef.".
Zerstörerkriegsabzeichen, Buntmetall, rückseitig mit Hersteller "Schwerin-Berlin 68", getragen, Zustand 2. Dazu die Verleihungsurkunde zum Zerstörerkriegsabzeichen, ausgestellt als Leutnant zur See vom Kommando 1. Torpedobootsflottille, ausgestellt 17. Januar 1941,  mit original Unterschrift "Bütow Kapitän zur See und Führer der Torpedoboote".
Eisernes Kreuz 1939 1. Klasse, ohne Hersteller, im Verleihungsetui, Zustand 2. Dazu ein weiteres Stück an Schraubscheibe, rückseitig mit Herstellerbezeichnung "L/50", im Verleihungsetui, Zustand 2. Dazu die Verleihungsurkunde als Oberleutnant z.S. vom Kommando 4. Schnellbootsflottille, ausgestellt 18. Sept. 1941, mit Unterschrift "Schniewind Admiral uz. Flottechef.". 
Schnellboot-Kriegsabzeichen 1. Modell Buntmetall, an Quernadel, rückseitig markiert "Schwerin-Berlin 68". Leicht getragen, Zustand 2. Schnellboot-Kriegsabzeichen 2. Modell.  Feinzink, unmarkierte Fertigung von B.H. Mayer Pforzheim, Zustand 2 . Das Schnellboot-Kriegsabzeichen 2. Modell wurde am 28. Januar 1943 eingeführt. Dazu die Verleihungsurkunde zum Schnellboot-Kriegsabzeichen, als Oberleutnant z.S. vom Kommando 4.Schnellbootsflottille, ausgestellt 10. Januar 1942, mit original Unterschrift "Bütow Kapitän zur See und Führer der Torpedoboote".
Fernschreiben des Oberbefehlshabers der Kriegsmarine an Oblt z S Karcher - Verdienste als Kdant eines S-Bootes verleihe ich Ihnen im Namen des Fuehrers und Obersten Befehlshabers der Wehrmacht das Deutsche Kreuz in Gold - Oberbefehlshaber ", datiert 27.XI. (1942). Dazu ein Gratulationsschreiben des Führers der Schnellboote Petersen vom 28. November 1942 zur Verleihung des Deutschen Kreuz in Gold. (Das Deutsche Kreuz in Gold und die Urkunde sind leider nicht mehr vorhanden.)
Ritterkreuz des Eisernen Kreuz 1939 . Fertigung der Fa. Steinhauer & Lück Lüdenscheid, A-Typ, geschwärzter Eisenkern mit Silberzarge, rückseitig markiert "800", der Bandring ebenfalls "800" markiert. Am kurzen getragenen Halsbandabschnitt. Im passenden Verleihungsetui. Leicht getragen, unter der schwarzen Lackierung des Eisenkerns mit Korrosionsspuren, wahrscheinlich bedingt durch das Salzwasser, Zustand 2-. Dazu eine Foto-Expertise des bekannten Fachmanns Dietrich Maerz aus dem Jahr 2018. Vorläufiges Besitzzeugnis zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes als Oberleutnant zur See, am 13. August 1943 verliehen, ausgestellt Berlin, den 23. August 1943, mit original Unterschrift "Fregattenkapitän" beim Oberkommando der Kriegsmarine. Dazu ein Brief des "Admiralinspekteur der Kriegsmarine des Großdeutschen Reiches, datiert, Berlin 16. August 43: "Lieber Karcher ! Aus Anlass der am 13. August 1943 an Sie erfolgten Verleihung des Ritterkreuzes übersende ich Ihnen als Zeichen meines persönlichen Dankes ud meiner Anerkennung mein Bild. Mit kameradschaftlichem Gruss und Heil Hitler ! Ihr - Raeder". Weiterhin die Ehrentafel der Deutschen Kriegsmarine mit der Nennung "Mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes wurden ausgezeichnet: .. Oberleutnant zur See Karl Erhard Karcher Kommandant in einer Schnellbootsflottille". 
Verwundetenabzeichen 1939 in Silber - Wächtler & Lange Feinzink versilbert, rückseitig "100" markiert, Zustand 2. Besitzzeugnis zum Verwundetenabzeichen in Silber nach 1maliger Verwundung am 13. Juni 1944 als Kpt.Leutnant, Dienststelle Feldpostnummer U 10 252 (= 4. Schnellbootflottille), ausgestellt 29. Juni 1944. (Karcher hatte allerdings laut Soldbuch bereits am 18.9.41 das Verwundetenabzeichen in Schwarz erhalten, welches er auch auf den Portraitfotos trägt). 
Soldbuch der Kriegsmarine - Abschrift, ausgestellt am 8 Februar 1944 von der Dienststelle Torpedoschule I, eingetragene Beförderung zum Kapitänleutnant am 1.4.44, alle Auszeichnungen eingetragen, auf Seite 1 eingeklebter Einlagezettel "... kommandiert bei Kommando Hafenkapitän Mürwik Stichtag 191745.." sowie von der englischen Besatzungsmacht "Port-Intelligence Officer Flensburg.. Der Standortkommandant" vom 10. Juli 1945. Mit "Soldbuch" Schutzhülle. Karcher ist mit diesem Soldbuch als Soldat entlassen worden und hat auf Seite 21 handschriftlich die Kommandos seiner Schnellboote in der 4. S-Fl. eingetragen. 
Dunkelblaue Schirmmütze aus dem persönlichen Besitz von Kapitänleutnant Karcher, um 1942. Elegante Schirmmütze in der typischen Form der Kriegsmarine, komplett mit Metallfaden handgesticktem Hoheitsadler, Eichenlaubkranz mit Kokarde, der Mützenschirm in Metallfaden handgestickter Ausführung, schwarzer Lacklederriemen an Marineknöpfen, schwarzes Ripsband. Innen steingraues Schweißleder mit Trägerinitialen "K E K", marineblaues Seidenfutter mit Zelluloidtrapez. Leicht getragen, Zustand 2.
3 Paar Schulterstücke als Kapitänleutnant, 1 Paar mit Stegen, ein Paar mit Schlaufen und ein Paar für das weiße Dienstjackett. Dazu der vergoldete Brustadler für das weiße Jackett. 
Insgesamt 32 Fotos von Karcher, u.a.: großes Portraitfoto als Oberleutnant mit Deutschem Kreuz in Gold, Schnellboot-Kriegsabzeichen 1. Modell, 1 großes und ein kleineres Portraitfoto als Oberleutnant mit frisch verliehenem Ritterkreuz, Schnellboot-Kriegsabzeichen 2. Modell, das kleine Foto handsigniert "Karcher 15.9.44", 1 Pressefoto mit retuschiertem Ritterkreuz von Weltbild, datiert 22.9.44., 2 schöne Fotos von der Ritterkreuzverleihung auf der Pier vor seinem Schnellboot, 6 sehr schöne Fotos vom Schnellboot Stützpunkt, teils von Karcher rückseitig beschriftet "Klar zum Auslaufen, Kurz vor dem Ablegen! Das alte Kommandanten.. (= die Kommandanten der S-Boote seiner Flottille mit ihm), 14 große Foto mit Karcher an Land, Besuch einer Fabrik, mit anderen Kommandanten im Hafen, auf See , 5 kleine Fotos, an Bord des Schnellboots auf der Brücke, sein Schnellboot mit Schiffsbemalung "schwarzer Panter", als junger Leutnant und Offizier vom Wachdienst. 1 großes Foto seines S-Bootes auf See im Passepartout. 
Geschenk-Fotoalbum "Erinnerungsblätter an den Betriebsappell der Marinemotoren-Gefolgschaft der Daimler-Benz Aktiengesellschaft Stuttgart-Untertürkheim am 10. September 1943" mit insgesamt 32 Fotos, sehr schöne Aufnahmen von Karcher mit Ritterkreuz gemeinsam mit seinem Flottillenchef Petersen und weiteren Offizieren der Kriegsmarine beim Werksbesuch.
Ein Fotoalbum aus der Friedenszeit an Bord des Kreuzer "Emden" von 1937, Karcher noch als Kadett, große Auslandsfahrt nach Griechenland, Ceylon, Sumatra, Äquator-Taufe, Java, Eritrea, dazu eine Reihe loser Fotos aus der Friedenszeit, ein Brief eines Deutschen aus Batavia an Karcher von 1937, 2 gedruckte Bilder von Schnellboot Gemälden (gefaltet), 1 Foto und 1 Postkarte von Schnellbooten. Dazu noch 8 Reprofotos von seinen Schnellbooten .

Karl-Ehrhardt Karcher, Karl-Erhardt, geboren 03.01.1918 Remscheid, gestorben 12.03.1973 Freistett/Baden. Eintritt in die Kriegsmarine 03.04.1937 - 14.06.1937 Militärische Grundausbildung, II. Schiffsstammabteilung der Ostsee 15.06.1937 - 22.09.1937 Seemännische Grundausbildung, Segelschulschiff "Gorch Fock" 23.09.1937 - 28.04.1938 Bordausbildung (einschl. Weltreise (Mittelmeer, Indik, Indonesien)) Kreuzer "Emden" 29.04.1938 - 25.11.1938 Teilnehmer Offizierslehrgang Marineschule Mürwik 25.11.1938 - 02.04.1939 Erweiterte Fachausbildung: Waffenlehrgänge, Zugführerlehrgang, an SAS, TS, II.SStA 02.04.1939 Bordpraktikum Zerstörer Z 3 "Max Schultz" 00.09.1939 - 00.03.1940 Zugführer 7. Schiffsstammabteilung 00.03.1940 - 00.09.1940 Wachoffizier Torpedoboot T 3 00.09.1940 - 00.01.1941 Kommandantenschüler 2. S-Fltl 15.02.1941 - 09.04.1941 Kommandant S 12 16.05.1941 - 20.07.1941 Kommandant S 22 25.07.1941 - 17.01.1942 Kommandant S 50 15.04.1942 - 17.12.1942 Kommandant S 63 17.12.1942 - 10.02.1944 Kommandant S 87 15.07.1943 - 01.08.1943 Kommandant i.V. S 88 01.03.1944 - 14.06.1944 Kommandant S 188 00.09.1944 - 00.05.1945 Lehroffizier Torpedoschule Mürwik.

Laufbahn in der Kriegsmarine 03.04.1937 Matrose (Offizieranwärter) 21.09.1937 Seekadett 01.05.1938 Fähnrich zur See 01.07.1939 Oberfähnrich zur See 01.07.1939 Oberfähnrich zur See 01.08.1939 Leutnant zur See 01.09.1941 Oberleutnant zur See 01.04.1944 Kapitänleutnant.
Erfolge: 04.06.1941 Versenkung des britischen Tender C ex "Marmari" (7924 BRT) (zusammen mit S 19, S 20, S 24), 07.09.1941 Versenkung de britischen Frachter "Duncarron" (478 BRT), 17.09.1941 Torpedierung des britischen Frachter "Tetela" (5389 BRT), 09.07.1942 Versenkung de britischen. Marinetrawler "Manor" (314 t), 12.12.1942 Versenkung des britischen Frachter "Lindisfarne" (999 BRT), 12.12.1942 Versenkung des norwegischen Frachter "Marianne" (1915 BRT).

Ein Presseartikel aus der Zeit beschrieb Karcher wie folgt: „Oberleutnant zur See Karcher, geboren am 03.01.1918 in Remscheid als Sohn eines Gymnasiallehrers, hat bei Einsätzen vor der englischen Süd- und Südostküste insgesamt 10 feindliche Handelsschiffe mit 29500 BRT versenkt, alle stark eskortiert Konvois. Darüber hinaus beteiligte er sich an der Versenkung eines weiteren großen Schiffes mit 600 BRT und torpedierte auch einen Frachter mit 4000 BRT. Er führte zahlreiche erfolgreiche Minenlegeeinsätze durch und operierte wiederholt unter dem Feuer englischer Küstenbatterien. Ohne jemals den Überblick über die Gesamtsituation zu verlieren, meisterte er solche gefährlichen Momente mit Rücksichtslosigkeit und Ruhe. Karcher ist ein schneidiger S-Boot-Kapitän, der seine Aufgaben mit Zähigkeit und Entschlossenheit ausgeführt hat und sein Boot und seine Mannschaft mit nie nachlassender Kampfbereitschaft immer wieder zu neuen Siegen geführt hat. In den ersten Tagen der Invasion drang er in einen feindlichen Brückenkopf in der Seine-Bucht ein, versenkte ein Entladedock und wurde während eines Gefechts mit einem englischen Motorkanonenboot schwer verwundet.“

Ein beeindruckender, nahezu vollständiger Nachlass eines tapferen Ritterkreuzträgers der Kriegsmarine. Insgesamt gab es lediglich 23 Verleihungen des Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes an Angehörige der Schnellbootwaffe der Kriegsmarine von Mai 1940 bis Mai 1945. Davon erhielten 8 Angehörige der Schnellbootwaffe das Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes. In über 35 Geschäftsjahren ist dies der 1. Ritterkreuznachlass eines Schnellbootkommandanten, den wir anbieten können.
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Das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes 1939 – Der Nachlass eines Schnellboot-Kommandanten der Kriegsmarine

Dieser außergewöhnliche Nachlass aus dem Besitz von Kapitänleutnant Karl-Ehrhardt Karcher bietet einen nahezu vollständigen Einblick in die Laufbahn eines der lediglich 23 Ritterkreuzträger der Schnellbootwaffe der Kriegsmarine. Im Zentrum steht das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes 1939, eine der bedeutendsten militärischen Auszeichnungen des Zweiten Weltkriegs, die in diesem Fall von der Firma Steinhauer & Lück in Lüdenscheid gefertigt wurde – dem Hersteller, der die Mehrzahl aller Ritterkreuze während des Krieges produzierte.

Historischer Ursprung und Institutionalisierung

Das Eiserne Kreuz wurde ursprünglich 1813 von König Friedrich Wilhelm III. von Preußen während der Napoleonischen Kriege gestiftet und in den Jahren 1870 und 1914 erneuert. Am 1. September 1939, dem Tag des Kriegsbeginns, erneuerte Adolf Hitler das Eiserne Kreuz per Erlass (Reichsgesetzblatt I S. 1573) als Auszeichnung des Dritten Reiches. Das Ritterkreuz stellte dabei eine neue Zwischenstufe dar – zwischen dem Eisernen Kreuz 1. Klasse und dem Großkreuz, das während des gesamten Krieges nur einmal an Hermann Göring verliehen wurde. Im Gegensatz zum Kaiserreich, wo das Großkreuz hochrangigen Offizieren vorbehalten war, konnte das Ritterkreuz an Angehörige aller Dienstgrade verliehen werden – ein Prinzip, das der nationalsozialistischen Ideologie entsprach.

Physische Beschaffenheit und Herstellung

Das Ritterkreuz hat die Form eines Tatzenkreuzes (Kreuz mit zur Mitte hin schmaler werdenden und zum Rand hin breiter werdenden Armen) und besteht aus drei Teilen: einem geschwärzten Eisenkern zwischen zwei Silberrahmen, die von Hand verlötet wurden. Die Steinhauer & Lück-Fertigung zeichnet sich typischerweise durch einen geschwärzten Eisenkern mit mattiertem Silberrahmen und polierten Kanten aus. Die Breite beträgt etwa 48–49 mm, die Höhe mit Aufhängeöse circa 54–55 mm. Der Silberrahmen besteht aus 800er Silber (80% Silbergehalt), was durch die rückseitige Punzierung “800” auf Rahmen und Bandring bestätigt wird. Die Vorderseite zeigt ein erhabenes Hakenkreuz auf schwarzem Grund mit der Jahreszahl “1939” auf dem unteren Arm, während die Rückseite die Jahreszahl “1813” trägt. Das Kreuz wurde an einem schwarz-weiß-roten Dreifarbband um den Hals getragen und in einem Verleihungsetui mit schwarzem Kunstlederäußerem und weißem bzw. schwarzem Samtinneren überreicht.

Verleihungskriterien und -verfahren

Das Ritterkreuz wurde für äußerste Tapferkeit im Gefecht oder herausragende militärische Führungsleistungen an Angehörige aller Teilstreitkräfte der Wehrmacht (Heer, Kriegsmarine, Luftwaffe), der Waffen-SS und verbündeter Streitkräfte verliehen. Voraussetzung war in der Regel der vorherige Besitz des Eisernen Kreuzes 1. Klasse 1939. Nominierungen erfolgten ab Kompanieebene oder höher und mussten durch die Befehlskette bis zu Hitler persönlich genehmigt werden, der diese Befugnis bis zum 30. April 1945 behielt. Die Verleihung wurde im Soldbuch, Wehrpass und in den Personalunterlagen des Empfängers dokumentiert. Im Falle Karchers zeigt das vorliegende Soldbuch sämtliche eingetragenen Auszeichnungen.

Das Ritterkreuz in fünf Stufen

Das Ritterkreuz existierte in fünf hierarchischen Stufen: das Ritterkreuz (Grundstufe, gestiftet am 1. September 1939), das Ritterkreuz mit Eichenlaub (gestiftet am 3. Juni 1940), das Ritterkreuz mit Eichenlaub und Schwertern (gestiftet am 28. September 1941), das Ritterkreuz mit Eichenlaub, Schwertern und Brillanten (gestiftet am 28. September 1941) sowie das Ritterkreuz mit Goldenem Eichenlaub, Schwertern und Brillanten (gestiftet am 29. Dezember 1944, nur einmal verliehen an Hans-Ulrich Rudel). Im Falle Karchers handelt es sich um die Grundstufe des Ritterkreuzes.

Karl-Ehrhardt Karcher und die Schnellbootwaffe

Karl-Ehrhardt Karcher, geboren am 3. Januar 1918 und gestorben am 12. März 1973, diente als Oberleutnant zur See und Schnellboot-Kommandant in der 4. Schnellbootflottille. Seine Ritterkreuzverleihung erfolgte für sein Kommando über S 87. Von den insgesamt 318 Kriegsmarine-Empfängern des Ritterkreuzes (316 formell überreicht, 2 nach dem 11. Mai 1945 ohne Rechtsgrundlage) gehörte Karcher zu der äußerst kleinen Gruppe von nur 23 Schnellbootwaffe-Angehörigen, die diese Auszeichnung erhielten. Von diesen 23 erhielten 8 zusätzlich das Eichenlaub.

Propagandistische Bedeutung und Nachkriegsgeschichte

Ritterkreuzträger wurden zu Propagandahelden des Regimes – sie erschienen auf Postkarten, in Wochenschauen und bei öffentlichen Veranstaltungen, um die Bevölkerung und die Jugend zu inspirieren. Die vorliegenden Pressefotos und das Geschenk-Fotoalbum vom Werksbesuch bei Daimler-Benz in Stuttgart-Untertürkheim im September 1943 belegen diese Rolle eindrucksvoll.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Zurschaustellung nationalsozialistischer Symbole einschließlich des Hakenkreuzes in Deutschland und Österreich verboten. 1957 genehmigte die Bundesrepublik Deutschland entnazifizierte Ersatzversionen (Muster 1957), bei denen das Hakenkreuz durch Eichenlaub und die Jahreszahl “1939” ersetzt wurde. Diese durften von verifizierten Empfängern an Bundeswehr-Uniformen und in Zivilkleidung getragen werden. Die Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger (OdR) wurde 1955 in Köln gegründet, wurde jedoch zunehmend kontrovers; 1999 untersagte Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping der Bundeswehr Kontakte zu dieser Organisation.

Originale Ritterkreuze aus dem Zweiten Weltkrieg sind heute hochbegehrte Sammlerstücke. Die Korrosionsspuren unter der schwarzen Lackierung des Eisenkerns dieses Exemplars – vermutlich durch Salzwasserkontakt während des Schnellbootdienstes – verleihen diesem Stück eine besonders authentische Provenienz. Bei lediglich 23 Verleihungen an Schnellbootwaffe-Angehörige repräsentiert dieser Nachlass ein äußerst seltenes Zeugnis eines bedeutenden Kapitels der Seekriegsgeschichte.