Mecklenburg-Schwerin Schmuckteller "Chevauxleger Offizier, um 1830"

um 1900. Porzellanteller mit breitem vergoldetem Rand, das Zentrum per Hand bemalt, Darstellung: ein Offizier des Chevauxlegerregiments auf seinem Pferd. Auf der Unterseite des Tellers der Hersteller"Baensch Lettin". Durchmesser 28 cm. Die Bemalung mit kleinen Abplatzungen. Zustand 2.
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320,00

Mecklenburg-Schwerin Schmuckteller "Chevauxleger Offizier, um 1830"

Dieser dekorative Porzellanteller aus der Zeit um 1900 stellt einen Offizier des Mecklenburg-Schweriner Chevauxleger-Regiments in der Uniform um 1830 dar und gehört zur Tradition militärhistorischer Erinnerungsstücke, die im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert große Beliebtheit erlangten.

Das Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin unterhielt als souveräner Staat des Deutschen Bundes eigene Streitkräfte, die später in die Strukturen des Norddeutschen Bundes und schließlich des Deutschen Kaiserreichs integriert wurden. Die Chevauxlegers (wörtlich "leichte Reiter“) bildeten eine wichtige Waffengattung der leichten Kavallerie, die sich durch Beweglichkeit, Schnelligkeit und vielseitige Einsatzmöglichkeiten auszeichnete.

In der dargestellten Epoche um 1830 befand sich die europäische Militärmode in einer Übergangsphase. Die prächtigen Uniformen dieser Zeit zeigten noch deutliche Einflüsse der napoleonischen Ära, entwickelten aber zunehmend eigene nationale Charakteristika. Chevauxleger-Offiziere trugen typischerweise Kollets oder Attila-Jacken mit reichhaltiger Verschnürung, hohe Stiefel und charakteristische Kopfbedeckungen wie Tschapkas (polnische Lanzenkappen) oder Helme mit Rosshaarbüschen.

Die Fertigung solcher Schmuckteller erfolgte durch die Manufaktur Baensch in Lettin, einer Porzellanfabrik in der Nähe von Halle an der Saale. Diese Manufaktur war bekannt für die Herstellung militärhistorischer Darstellungen auf Porzellan, die sowohl als Sammlerstücke als auch als Erinnerungsobjekte dienten. Die Technik der Handmalerei auf Porzellan erforderte erhebliches künstlerisches Können, insbesondere bei der detailgetreuen Wiedergabe von Uniformen und militärischen Ausrüstungsgegenständen.

Der vergoldete Rand des Tellers unterstreicht den repräsentativen Charakter des Objekts. Solche Schmuckteller wurden nicht für den praktischen Gebrauch, sondern als Wandschmuck oder Vitrinenstücke gefertigt. Sie dienten der Pflege militärischer Traditionen und der Erinnerung an vergangene Epochen der Militärgeschichte.

Das späte 19. Jahrhundert war geprägt von einer intensiven Militärnostalgie und einem gesteigerten Interesse an der eigenen militärischen Vergangenheit. Nach der Reichsgründung 1871 erlebte Deutschland einen wirtschaftlichen Aufschwung, der auch die Nachfrage nach dekorativen Erinnerungsstücken befeuerte. Veteranenvereine, Offizierskasinos und private Sammler bildeten einen bedeutenden Markt für solche Objekte.

Die Darstellung von Kavallerieoffizieren auf Porzellantellern hatte mehrere Gründe: Zum einen galten Kavalleristen als die Elite der Armee, deren prachtvolle Uniformen sich hervorragend für künstlerische Darstellungen eigneten. Zum anderen verkörperten sie traditionelle militärische Tugenden wie Mut, Ehre und Standesbewusstsein. Die Chevauxlegers als leichte Kavallerie hatten sich in zahlreichen Gefechten der napoleonischen Kriege und der Befreiungskriege bewährt.

Die Uniformgeschichte der mecklenburgischen Truppen ist gut dokumentiert. Um 1830 trugen die Chevauxleger-Offiziere charakteristische dunkle Kollets mit hellen Aufschlägen und Kragenspiegel, oft in den Landesfarben. Die Epauletten als Rangabzeichen und die aufwendige Verschnürung (Brandenburgs) waren typische Elemente der Offiziersuniform dieser Zeit.

Solche Porzellanteller sind heute wichtige kulturhistorische Dokumente, die nicht nur über Uniformkunde Auskunft geben, sondern auch über die Erinnerungskultur und das Geschichtsbewusstsein ihrer Entstehungszeit. Sie zeigen, wie militärische Vergangenheit inszeniert und tradiert wurde. Die kleinen Abplatzungen der Bemalung zeugen vom Alter des Stücks und seiner Geschichte.

Die Porzellanmanufaktur Baensch gehörte zu mehreren Betrieben, die sich auf militärhistorische Darstellungen spezialisiert hatten. Neben Tellern fertigten sie auch Tassen, Krüge und andere Ziergegenstände mit militärischen Motiven. Die Qualität der Handmalerei variierte, wobei Offiziersdarstellungen zu den anspruchsvolleren Arbeiten zählten, da sie detaillierte Kenntnisse der Uniformkunde erforderten.

Heute sind solche Schmuckteller gesuchte Sammlerobjekte für Militaria-Liebhaber und Uniformkundeinteressierte. Sie bieten einen faszinierenden Einblick in die militärische Kultur des 19. Jahrhunderts und die Art und Weise, wie nachfolgende Generationen diese Epoche interpretierten und darstellten.

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