Das NSDAP-Kreistag Unterwestwald Abzeichen von 1939 repräsentiert ein faszinierendes Beispiel der nationalsozialistischen Gedenkprägungen und Veranstaltungsabzeichen, die während des Dritten Reiches in großer Zahl produziert wurden. Dieses spezielle Stück, gefertigt aus bemaltem Ton mit einem Durchmesser von 44 mm, dokumentiert einen Kreistag der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) in der Region Unterwestwald im Jahr 1939.
Die NSDAP organisierte ihre territoriale Verwaltung in einem hierarchischen System, das vom Reich über Gaue, Kreise bis hinunter zu Ortsgruppen reichte. Ein Kreistag war eine bedeutende Veranstaltung auf Kreisebene, bei der Parteifunktionäre, lokale Amtsträger und Mitglieder zusammenkamen, um politische Richtlinien zu diskutieren, Rechenschaft abzulegen und die nationalsozialistische Ideologie zu fördern. Das Jahr 1939 markierte einen besonders bedeutsamen Zeitpunkt in der Geschichte des NS-Regimes, unmittelbar vor und während des Beginns des Zweiten Weltkrieges mit dem Überfall auf Polen am 1. September 1939.
Die Verwendung von bemaltem Ton als Material für dieses Abzeichen ist bemerkenswert und unterscheidet es von den üblicheren Metallabzeichen der Epoche. Während viele NSDAP-Veranstaltungsabzeichen aus Metall wie Zink, Tombak oder versilbertem Messing gefertigt wurden, griff man gelegentlich auf Keramik oder Ton zurück. Dies konnte verschiedene Gründe haben: Einerseits die Betonung lokaler handwerklicher Traditionen, andererseits möglicherweise die zunehmende Metallknappheit, die mit der Kriegswirtschaft einherging. Keramikabzeichen hatten oft einen volkstümlicheren, weniger militärischen Charakter und sollten die Verbundenheit mit regionalen Traditionen demonstrieren.
Die Region Unterwestwald gehörte zum Regierungsbezirk Wiesbaden in der preußischen Provinz Hessen-Nassau. Der Westwald, auch als Taunus bekannt, war eine geografisch und kulturell distinkte Region, die ihre eigene Identität innerhalb der NS-Verwaltungsstruktur behielt. Die NSDAP legte großen Wert darauf, auch in ländlichen und kleineren Regionen präsent zu sein und regelmäßige Parteiveranstaltungen durchzuführen, um die ideologische Durchdringung der Gesellschaft zu gewährleisten.
Solche Veranstaltungsabzeichen erfüllten mehrere Funktionen: Sie dienten als Eintrittsbeweis, als Erinnerungsstück für Teilnehmer und als sichtbares Zeichen der Zugehörigkeit zur Parteigemeinschaft. Teilnehmer trugen diese Abzeichen oft mit Stolz, da sie ihre politische Loyalität und ihr Engagement für das NS-Regime demonstrierten. Die Abzeichen wurden typischerweise in begrenzter Auflage produziert, was ihnen einen gewissen Sammlerwert verlieh, sowohl damals als auch in der späteren philatelistischen und militärhistorischen Sammlerszene.
Die Gestaltung solcher Abzeichen folgte meist bestimmten ikonografischen Mustern: Häufig waren das Hakenkreuz, der Reichsadler, lokale Wappen oder symbolische Darstellungen regionaler Besonderheiten zu sehen. Die Bemalung des Tons ermöglichte eine farbige Gestaltung, die bei Metallabzeichen aufwendiger zu realisieren war. Die typischen Farben waren Rot, Weiß und Schwarz – die offiziellen Farben des NS-Regimes – kombiniert mit regionalen Farbgebungen.
Im Kontext des Jahres 1939 gewannen solche Parteiveranstaltungen eine besondere Bedeutung. Die NSDAP intensivierte ihre Mobilisierungsbemühungen, bereitete die Bevölkerung auf den bevorstehenden Krieg vor und versuchte, die nationale Einheit und den “Kampfgeist” zu stärken. Kreistage wurden genutzt, um Kriegswirtschaftsmaßnahmen zu erklären, Durchhalteparolen zu verbreiten und die lokale Bevölkerung auf die Erfordernisse der kommenden Jahre einzuschwören.
Aus heutiger museologischer und historischer Perspektive sind solche Objekte wichtige Zeugnisse der NS-Alltagskultur und der Mechanismen totalitärer Herrschaft. Sie dokumentieren, wie das Regime durch symbolische Praktiken, visuelle Kommunikation und die Organisation von Massenveranstaltungen versuchte, seine Ideologie zu verbreiten und die Gesellschaft zu durchdringen. Die Erhaltung und wissenschaftliche Dokumentation solcher Objekte ist wesentlich für das historische Verständnis dieser dunklen Epoche deutscher Geschichte.