Reichskolonialbund ( RKB ) - Amtsträgerabzeichen in Silber
Das Amtsträgerabzeichen in Silber des Reichskolonialbundes repräsentiert ein spezifisches Kapitel der nationalsozialistischen Organisationsgeschichte und dokumentiert die Bestrebungen des Dritten Reiches, die koloniale Frage im öffentlichen Bewusstsein zu verankern. Dieses silberne Ehrenzeichen unterschied sich von der regulären Mitgliedsabzeichen durch das charakteristische Adlermotiv, das den Schild überragte, während die einfache Mitgliedsabzeichen ohne diesen Adler auskam.
Der Reichskolonialbund wurde am 13. Juni 1936 von Heinrich Schnee gegründet und unter die Leitung von Franz Ritter von Epp gestellt. Die Organisation entstand durch die Eingliederung aller deutschen Kolonialvereine in die Struktur der NSDAP und vereinte damit sämtliche koloniale Bestrebungen unter einem Dach. Zu den absorbierten Vorgängerorganisationen gehörten die Deutsche Kolonialgesellschaft sowie die 1925 gegründete Koloniale Reichsarbeitsgemeinschaft (KORAG). Der erklärte Zweck des RKB bestand darin, die deutschen Überseekolonien zurückzufordern, die das Deutsche Reich durch den Versailler Vertrag nach dem Ersten Weltkrieg verloren hatte.
Das vorliegende Abzeichen wurde von Ferdinand Hoffstätter, Bonn hergestellt, einem der offiziell autorisierten Produzenten von NS-Abzeichen und Auszeichnungen während der Zeit des Dritten Reiches. Die Rückseite trägt die Herstellermarkierung HFB GES.GESCH., wobei die Abkürzung für “Gesetzlich Geschützt” steht. Die Konstruktion besteht aus versilbertem Metall mit einer Nadelansteckvorrichtung auf der Rückseite.
Das Design basiert auf der Flagge der Deutschen Ostafrikanischen Gesellschaft und zeigt einen Schild mit dem RKB-Insignium, das ein Hakenkreuz in Kombination mit der Konstellation des Südlichen Kreuzes darstellt. Der das Schild krönende Adler kennzeichnete das Abzeichen eindeutig als Amtsträgerabzeichen, getragen von Funktionären der Organisation, im Gegensatz zu regulären Mitgliedern. Die ungefähren Abmessungen ähnlicher RKB-Mitgliedsabzeichen bewegen sich im Bereich von 20-21 mm Höhe und 13-15 mm Breite.
Das Amtsträgerabzeichen existierte in drei Varianten: Gold, Silber und Bronze. Diese unterschieden sich deutlich von der regulären Mitgliedsabzeichen, die dasselbe Schildmotiv ohne den Adler aufwies. Das Abzeichen konnte über die Bundesgeschäftsstelle der Organisation bestellt werden und existierte bereits vor der Schaffung der Ehrenplakette im Juni 1941. Die Abzeichen wurden als Anstecknadel an ziviler Kleidung oder Uniformen getragen.
Der Reichskolonialbund wuchs von etwa 50.000 Mitgliedern im Jahr 1936 auf ungefähr 1 bis 2 Millionen Mitglieder in den Jahren 1939 bis 1941. Die Organisation führte intensive Propagandaaktivitäten durch Zeitungen, Zeitschriften, koloniale Ausstellungen und Kundgebungen durch, um die sogenannte Kolonialfrage im deutschen öffentlichen Bewusstsein lebendig zu halten. Diese Bemühungen zielten darauf ab, eine breite Unterstützung für die Rückforderung der ehemaligen deutschen Kolonien zu mobilisieren.
Der Niedergang des RKB begann, als das NS-Regime seinen Fokus vom überseeischen Kolonialismus auf die Eroberung von Lebensraum im Osten Europas verlagerte. Die kolonialen Ambitionen verloren zunehmend an Bedeutung für die Kriegsziele des Regimes. Im Jahr 1943 wurde der Reichskolonialbund schließlich aufgelöst, als der Zweite Weltkrieg fortschritt und die überseeischen Kolonialambitionen vollständig irrelevant geworden waren.
Nach der deutschen Niederlage 1945 wurde der RKB zusammen mit allen anderen NS-Organisationen endgültig aufgelöst. Heute sind RKB-Abzeichen einschließlich des Amtsträgerabzeichens Gegenstände historischer Forschung und militärhistorischer Sammlungen. Sie dokumentieren einen spezifischen Aspekt der nationalsozialistischen Kolonialideologie und bilden ein Zeugnis deutscher Geschichte, das die Verbindung zwischen dem kolonialen Erbe des Kaiserreichs und den propagandistischen Bestrebungen des Dritten Reiches veranschaulicht.