Reichsverband Deutscher Getreidezuchtbetriebe - R.D.G.

an Nadel, Hersteller : Karl Träger Dresden
520575
€ 10,00

Reichsverband Deutscher Getreidezuchtbetriebe - R.D.G.

Das vorliegende Abzeichen trägt die Bezeichnung Reichsverband Deutscher Getreidezuchtbetriebe (R.D.G.), was als Reichsverband der Deutschen Getreidezuchtbetriebe übersetzt werden kann. Es handelt sich um ein Mitgliedsabzeichen, das zur Identifizierung der Mitgliedschaft in einem Berufsverband im Bereich der Getreidezucht diente. Die Nadel wurde vom Hersteller Karl Träger Dresden gefertigt, wie die Herstellermarkierung auf der Rückseite angibt.

Dieses Abzeichen muss im Kontext der umfassenden Reorganisation der deutschen Landwirtschaft während der nationalsozialistischen Herrschaft von 1933 bis 1945 verstanden werden. Im September 1933 wurde der Reichsnährstand unter Reichsminister R. Walther Darré gegründet. Diese zentrale Institution übernahm die Kontrolle über alle Aspekte der landwirtschaftlichen Produktion in Deutschland und absorbierte sämtliche bestehenden Bauernorganisationen. Der Reichsnährstand regulierte unter anderem die Saatgutqualität und das Pflanzenzüchtungswesen, Bereiche, die für die Getreidezucht von zentraler Bedeutung waren.

Falls der Reichsverband Deutscher Getreidezuchtbetriebe tatsächlich existierte, hätte er innerhalb dieses Systems der zentralisierten landwirtschaftlichen Kontrolle operiert. Alle landwirtschaftlichen Berufsverbände wurden in das umfassende Organisationssystem des Reichsnährstandes eingegliedert, das die gesamte landwirtschaftliche Produktion vom Erzeuger bis zum Verbraucher kontrollierte. Die Getreidezucht spielte in der nationalsozialistischen Agrarpolitik eine wichtige Rolle, da sie direkt mit den Zielen der Ernährungssicherheit und der angestrebten Autarkie verbunden war.

Als Mitgliedsabzeichen wurde dieses Objekt nicht als Auszeichnung verliehen, sondern an Mitglieder der Organisation ausgegeben. Es diente der sichtbaren Kennzeichnung der Zugehörigkeit zu diesem Fachverband und repräsentierte die berufliche Identität der Getreidezüchter innerhalb des organisierten Agrarsektors. Solche Abzeichen waren typisch für Berufs- und Fachverbände während der Zeit des Dritten Reiches und spiegelten die durchdringende Organisation aller Lebensbereiche wider.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 wurden alle landwirtschaftlichen Organisationen aus der NS-Zeit aufgelöst. Falls der Reichsverband Deutscher Getreidezuchtbetriebe existierte, wäre er zusammen mit anderen NS-Agrarorganisationen aufgelöst worden. Die Auflösung dieser Strukturen war Teil der umfassenden Entnazifizierung und des Wiederaufbaus demokratischer Institutionen in Deutschland.

Dieses Abzeichen steht als historisches Objekt für die systematische Organisation und Kontrolle der deutschen Landwirtschaft während der nationalsozialistischen Herrschaft. Es dokumentiert die Durchdringung selbst spezialisierter Fachbereiche wie der Getreidezucht durch die zentralisierte Verwaltungsstruktur des Reichsnährstandes und veranschaulicht, wie Berufsverbände in das totalitäre System eingebunden wurden.