Verwundetenabzeichen 1939 1. Modell in Silber
Das 1. Modell des Verwundetenabzeichens wurde 1939 an die Veteranen der Legion Condor verliehen, aber auch später im Polenfeldzug und in Frankreich.
Das Verwundetenabzeichen in Silber des ersten Modells von 1939 stellt ein bedeutendes Zeugnis der frühen Kriegsauszeichnungen des Dritten Reiches dar. Diese Ausführung unterscheidet sich in wesentlichen Details von den späteren Modellen und besitzt daher besondere historische Bedeutung.
Am 1. September 1939, dem Tag des Überfalls auf Polen, stiftete Adolf Hitler das Verwundetenabzeichen durch eine Verordnung. Die Auszeichnung knüpfte an die Tradition des Verwundetenabzeichens des Ersten Weltkriegs an, das am 3. März 1918 durch Kaiser Wilhelm II. gestiftet worden war. Das neue Abzeichen sollte verwundete Soldaten ehren und ihre Opferbereitschaft würdigen.
Das erste Modell wurde zunächst rückwirkend an Veteranen der Legion Condor verliehen, jener deutschen Freiwilligenverbände, die von 1936 bis 1939 auf Seiten der Nationalisten im Spanischen Bürgerkrieg gekämpft hatten. Die Legion Condor diente dem nationalsozialistischen Deutschland als Testfeld für neue Waffen, Taktiken und Luftkriegsstrategien, die später im Zweiten Weltkrieg eingesetzt wurden. Viele der dort verwundeten Soldaten erhielten nachträglich das neue Verwundetenabzeichen.
Die silberne Ausführung wurde für drei oder vier Verwundungen verliehen. Das Abzeichen existierte in drei Stufen: Schwarz für eine oder zwei Verwundungen, Silber für drei oder vier Verwundungen und Gold für fünf oder mehr Verwundungen. Die Verleihungskriterien wurden im Laufe des Krieges mehrfach präzisiert und erweitert.
Das technische Merkmal dieses frühen Modells liegt in seiner Herstellungsweise: Es wurde aus Tombak (einer Kupfer-Zink-Legierung) gefertigt, hohl geprägt und anschließend versilbert. Diese Fertigungstechnik unterscheidet sich von späteren Modellen, die oft aus anderen Materialien und mit anderen Verfahren hergestellt wurden. Die hohle Prägung verlieh dem Abzeichen eine gewisse Dreidimensionalität und Plastizität.
Das Design zeigt einen Stahlhelm des Modells M35, umgeben von einem Lorbeerkranz, mit zwei gekreuzten Schwertern im unteren Bereich. In der Mitte befindet sich ein Hakenkreuz. Diese Symbolik vereinte militärische Tradition (Helm, Schwerter, Lorbeerkranz) mit nationalsozialistischer Ideologie. Der Stahlhelm symbolisierte den deutschen Soldaten schlechthin, während der Lorbeerkranz seit der Antike als Zeichen des Sieges und der Ehre galt.
Das erste Modell wurde hauptsächlich während des Polenfeldzugs (September 1939) und des Westfeldzugs gegen Frankreich (Mai-Juni 1940) verliehen. Ab 1940 wurde es durch ein überarbeitetes zweites Modell ersetzt, das kleinere gestalterische Änderungen aufwies und von anderen Herstellern gefertigt wurde. Diese Ablösung macht das erste Modell zu einer relativ seltenen Variante.
Die Verleihung des Verwundetenabzeichens erfolgte nicht automatisch, sondern musste beantragt werden. Die Verwundung musste durch feindliche Einwirkung entstanden sein und ärztlich dokumentiert werden. Auch Erfrierungen an der Front, Folgen von Gasangriffen oder andere kampfbedingte Gesundheitsschäden konnten zur Verleihung führen. Das Abzeichen wurde auf der linken Brustseite der Uniform getragen.
Aus heutiger Sicht sind diese Abzeichen wichtige historische Artefakte, die Zeugnis ablegen von den menschlichen Kosten des Krieges. Sie dokumentieren die Verwundungen und das Leid der Soldaten, unabhängig von der ideologischen Instrumentalisierung durch das NS-Regime. Für die militärhistorische Forschung bieten sie Einblicke in das Auszeichnungswesen, die Propaganda und die Materialkultur des Dritten Reiches.
Erhaltene Exemplare zeigen oft deutliche Gebrauchsspuren, was auf das tatsächliche Tragen durch Frontsoldaten hinweist. Solche authentischen Stücke mit Patina und Abnutzungserscheinungen sind für Sammler und Historiker von besonderem Interesse, da sie die reale Verwendung dokumentieren und nicht nur als Schubladenexemplare aufbewahrt wurden.