WHW - Gau 41 : Wien - Sondersammlung der NSV

" NSV-Spendenmünze ", Zinkmünze, 26 mm, geprägt Gau Wien / WHW, Zustand 2-.
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WHW - Gau 41 : Wien - Sondersammlung der NSV

WHW-Spendenmünze aus dem Gau Wien: Winterhilfswerk und NSV-Sondersammlung

Die vorliegende Zinkmünze mit einem Durchmesser von 26 mm repräsentiert ein charakteristisches Sammlerstück aus der Zeit des Nationalsozialismus in Österreich. Sie gehört zur Kategorie der Winterhilfswerk (WHW)-Abzeichen und wurde im Rahmen einer Sondersammlung der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV) im Gau 41 Wien ausgegeben.

Das Winterhilfswerk des Deutschen Volkes

Das Winterhilfswerk wurde im September 1933 im Deutschen Reich gegründet und stellte eine der größten Propagandaaktionen des NS-Regimes dar. Nach dem Anschluss Österreichs im März 1938 wurde das System auch in den neu eingegliedereten österreichischen Gebieten implementiert. Das WHW sollte offiziell bedürftigen Volksgenossen während der Wintermonate helfen, diente jedoch primär als Instrument zur Massenmobilisierung und sozialen Kontrolle.

Die Sammlungen fanden jährlich von Oktober bis März statt. Spender erhielten als Gegenleistung kleine Abzeichen, Plaketten oder Münzen wie das hier beschriebene Exemplar. Diese wurden bewusst in verschiedenen Serien und Ausführungen hergestellt, um Sammelleidenschaft zu wecken und wiederholte Spenden zu fördern.

Die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt (NSV)

Die NSV wurde 1932 gegründet und entwickelte sich zur größten Massenorganisation im NS-Staat nach der Deutschen Arbeitsfront. Sie war verantwortlich für die Durchführung der WHW-Sammlungen und kontrollierte weite Bereiche der Wohlfahrtspflege. Die NSV organisierte sogenannte Sondersammlungen, die zusätzlich zu den regulären Straßensammlungen stattfanden und oft spezifische Themen oder regionale Bezüge hatten.

Die Mitgliedschaft in der NSV war formal freiwillig, faktisch jedoch für viele Berufsgruppen nahezu obligatorisch. Ende der 1930er Jahre zählte die Organisation über 17 Millionen Mitglieder im gesamten Deutschen Reich.

Gau 41: Wien nach dem Anschluss

Nach der Eingliederung Österreichs in das Deutsche Reich wurde das österreichische Territorium in sieben Reichsgaue aufgeteilt. Wien erhielt den Status eines eigenständigen Reichsgaues und wurde als Gau 41 in das System des Großdeutschen Reiches integriert. Der erste Gauleiter war Odilo Globocnik (1938-1939), gefolgt von Baldur von Schirach (1940-1945), der zugleich Reichsstatthalter war.

Die Wiener WHW-Organisation führte eigene regionale Sammlungen durch, die oft Bezüge zur österreichischen Kultur und Geschichte herstellten, um die lokale Bevölkerung stärker einzubinden. Die Sondersammlungen waren dabei besonders aufwendig gestaltet und sollten die Integration Wiens in das Reich demonstrieren.

Materielle Aspekte und Herstellung

Die Verwendung von Zink als Material für diese Spendenmünze ist typisch für die späteren Kriegsjahre. Während frühe WHW-Abzeichen oft aus edleren Materialien oder aufwendiger gefertigt wurden, zwang die zunehmende Rohstoffknappheit ab 1939 zur Verwendung einfacherer und günstigerer Materialien. Zink war verfügbar und ließ sich gut prägen, weshalb es häufig für Massenproduktionen verwendet wurde.

Die Standardgröße von 26 mm entspricht den üblichen Dimensionen für WHW-Münzen und ermöglichte eine effiziente maschinelle Herstellung. Die Prägung erfolgte in spezialisierten Betrieben, die oft auch Orden und Ehrenzeichen produzierten.

Sammelpraxis und soziale Kontrolle

Die WHW-Sammlungen waren mit erheblichem sozialem Druck verbunden. Wer nicht spendete, musste mit Nachteilen rechnen. Sammler trugen Listen, Blockwarte kontrollierten die Beteiligung, und das Nichttragen eines aktuellen WHW-Abzeichens konnte öffentliche Bloßstellung nach sich ziehen. Die Spenden waren damit nur bedingt freiwillig.

Die Abzeichen wurden sichtbar an der Kleidung getragen und dienten als öffentlicher Beweis der Spendenbereitschaft und damit der Regimetreue. Das Sammeln der verschiedenen Serien wurde durch Propaganda gefördert und als patriotische Pflicht dargestellt.

Historische Einordnung

Heute sind WHW-Abzeichen Zeugnisse der NS-Propaganda und der Mobilisierung der Gesellschaft für die Ziele des Regimes. Sie dokumentieren die Durchdringung des Alltags mit nationalsozialistischer Ideologie und die Instrumentalisierung scheinbarer Wohltätigkeit für politische Zwecke. Die Wiener Sondersammlungen zeigen zudem die Bemühungen, die österreichische Bevölkerung nach dem Anschluss in das NS-System zu integrieren.

Für Sammler und Historiker sind diese Objekte wichtige Quellen zur Erforschung der Alltagsgeschichte des Nationalsozialismus, der Propagandamethoden und der regionalen Unterschiede innerhalb des NS-Staates.