Weimarer Republik/Preußen Schirmmütze für einen Offizier und Veteranen des 2. Westfälischen Husaren-Regiment Nr. 11
Die vorliegende Schirmmütze eines Offiziers des 2. Westfälischen Husaren-Regiments Nr. 11 repräsentiert ein faszinierendes Übergangszeugnis deutscher Militärgeschichte aus der frühen Weimarer Republik um 1920. Dieses Kopfbedeckungsstück vereint die stolze Tradition eines preußischen Kavallerie-Regiments mit den politischen und gesellschaftlichen Umbrüchen der Nachkriegszeit.
Das 2. Westfälische Husaren-Regiment Nr. 11 hatte seinen Friedensstandort in Krefeld und gehörte zur VII. Armee-Inspektion der preußischen Armee. Das Regiment wurde ursprünglich 1813 während der Befreiungskriege als Teil der Lützowschen Freikorps gegründet und durchlief eine bewegte Geschichte. Die charakteristischen Regimentsfarben – grünes Tuch mit rotem Bund und weißen Vorstößen – spiegeln die traditionelle Uniformierung der preußischen Husaren wider, bei denen jedes Regiment durch seine spezifische Farbkombination identifizierbar war.
Die Mütze zeigt die typische hohe, elegante Form einer Offiziers-Schirmmütze, wie sie in der kaiserlichen Armee getragen wurde. Die Beibehaltung dieses Stils nach 1918 ist bemerkenswert: Nach dem Ersten Weltkrieg und der Abdankung Kaiser Wilhelms II. im November 1918 befanden sich viele Offiziere in einer Identitätskrise. Die Weimarer Republik hatte die Reichswehr als neue Streitmacht geschaffen, doch viele Veteranen der kaiserlichen Armee pflegten weiterhin ihre alten Traditionen in Veteranenverbänden und Kriegervereinigungen.
Besonders aufschlussreich ist das Vorhandensein beider Kokarden. Die schwarz-weiß-rote Reichskokarde und die schwarz-weiße preußische Kokarde waren bis 1918 obligatorischer Bestandteil der Kopfbedeckung. Nach der Revolution wurde die Reichskokarde durch die schwarz-rot-goldenen Farben der Republik ersetzt, doch viele konservative Offiziere und Veteranen widersetzten sich dieser Änderung aus Loyalität zur monarchischen Tradition. Das Tragen der alten Kokarden bei Veteranentreffen und in zivilen Kontexten war weit verbreitet.
Die Herstellermarkierung “G. Keuthen” im braunen Wachstuchfutter deutet auf einen lokalen oder regionalen Zulieferer militärischer Ausstattung hin. Die Bezeichnung “PeküRo Mütze” bezieht sich möglicherweise auf eine spezifische Fertigungsmethode oder einen Handelsnamen. Die Größenangabe von 54 cm im Schweißband entspricht den standardisierten Kopfweitenmaßen, die in der preußischen Armee verwendet wurden.
Die Fertigung um 1920 ist von besonderer Bedeutung. Zu diesem Zeitpunkt war das Regiment als solches bereits aufgelöst. Der Versailler Vertrag vom 28. Juni 1919 begrenzte die deutsche Armee auf 100.000 Mann und verbot die Aufrechterhaltung vieler traditioneller Regimenter. Die Husaren-Regimenter, einst die Elite der preußischen Kavallerie, wurden größtenteils aufgelöst oder in die neue Reichswehr integriert, wo sie ihre alten Identitäten verloren.
Dennoch bestand ein starker Markt für solche Uniformteile. Offiziere und Veteranen bestellten weiterhin Mützen und Uniformen in den alten Regimentsfarben für verschiedene Anlässe: Regimentstreffen, Gedenkveranstaltungen, Beerdigungen gefallener Kameraden oder einfach als Ausdruck ihrer fortdauernden Identifikation mit ihrer militärischen Vergangenheit. Diese Praxis war in der Weimarer Republik weit verbreitet und wurde von der Regierung größtenteils toleriert, auch wenn sie die republikfeindliche Haltung vieler dieser Kreise widerspiegelte.
Das 2. Westfälische Husaren-Regiment Nr. 11 hatte im Ersten Weltkrieg an verschiedenen Fronten gekämpft, sowohl im Westen als auch im Osten. Viele seiner Angehörigen waren gefallen oder verwundet worden. Die Überlebenden trugen ihre Regimentszugehörigkeit mit Stolz und betrachteten die Auflösung ihres Verbandes als traumatischen Einschnitt. Die Veteranenvereinigungen dieser Regimenter wurden zu wichtigen sozialen Netzwerken und Orten der Erinnerungspflege.
Die grüne Grundfarbe der Mütze ist charakteristisch für Husaren-Regimenter, wobei verschiedene Regimenter durch unterschiedliche Kombinationen von Besatzfarben unterschieden wurden. Die handwerkliche Qualität der Mütze, erkennbar an der Verarbeitung und den verwendeten Materialien, entspricht dem Standard für Offiziersmützen, die in der Regel von spezialisierten Militäreffektenhändlern und Schneidern gefertigt wurden.
Zusammenfassend stellt diese Schirmmütze ein bedeutendes militärhistorisches Dokument dar, das die Kontinuität preußischer Militärtraditionen in die Weimarer Republik hinein illustriert. Sie verkörpert die Spannung zwischen der neuen republikanischen Ordnung und der Nostalgie für das untergegangene Kaiserreich, die die deutsche Gesellschaft der 1920er Jahre prägte und letztlich zur Instabilität der Weimarer Demokratie beitrug.