Signal - Sonderausgabe der " Berliner Illustrierten Zeitung " - Jahrgang 1943 Heft Nr. I 21 ( italienisch )
Signal war eine der bedeutendsten Propaganda-Illustrierten des nationalsozialistischen Deutschlands während des Zweiten Weltkriegs. Als Sonderausgabe der Berliner Illustrierten Zeitung konzipiert, erschien die Zeitschrift von April 1940 bis März 1945 und wurde in bis zu 30 verschiedenen Sprachen publiziert, darunter auch in italienischer Sprache für den wichtigsten Achsenpartner Deutschlands.
Die Zeitschrift wurde vom Deutschen Verlag in Berlin herausgegeben und stand unter der Kontrolle der Propagandakompanien der Wehrmacht. Mit einer Auflage, die zeitweise 2,5 Millionen Exemplare in allen Sprachversionen erreichte, war Signal eines der ambitioniertesten Propagandaprojekte des NS-Regimes. Das Heft richtete sich vornehmlich an ein ausländisches Publikum und sollte ein positives Bild des nationalsozialistischen Deutschlands und seiner militärischen Erfolge vermitteln.
Das Heft Nr. 21 des Jahrgangs 1943 erschien in einer kritischen Phase des Krieges. Im November 1943, als diese Ausgabe veröffentlicht wurde, hatte sich die militärische Lage der Achsenmächte bereits dramatisch verschlechtert. Die Schlacht von Stalingrad war im Februar 1943 mit einer verheerenden Niederlage geendet, die Wehrmacht befand sich in der Sowjetunion auf dem Rückzug, und die Alliierten hatten im September 1943 auf dem italienischen Festland Fuß gefasst. Gerade der italienische Markt war besonders sensibel, da Benito Mussolini im Juli 1943 gestürzt worden war und Italien im September 1943 einen Waffenstillstand mit den Alliierten geschlossen hatte.
Die italienische Ausgabe von Signal hatte eine besondere strategische Bedeutung. Italien war seit dem Stahlpakt von 1939 und dem Kriegseintritt im Juni 1940 der wichtigste europäische Verbündete des Deutschen Reiches. Die Propaganda-Zeitschrift sollte die deutsch-italienische Waffenbrüderschaft betonen und das Vertrauen in den Endsieg aufrechterhalten. Nach dem italienischen Waffenstillstand richtete sich die Publikation an die Bevölkerung in der von Deutschland besetzten Italienischen Sozialrepublik im Norden Italiens.
Ein charakteristisches Merkmal von Signal waren die hochwertigen Farbseiten, die in dieser Ausgabe komplett erhalten sind. In einer Zeit, als die meisten Zeitschriften aus Kostengründen auf Farbe verzichteten, setzte Signal bewusst auf hochwertige Farbfotografie und vierfarbigen Druck. Dies sollte die technische Überlegenheit und den Wohlstand des Deutschen Reiches demonstrieren. Die Fotografien stammten von professionellen Kriegsberichtern der Propagandakompanien, die an allen Fronten im Einsatz waren.
Die inhaltliche Gestaltung von Signal war geschickt konzipiert. Anders als die plakative Propaganda anderer NS-Publikationen, setzte Signal auf eine subtilere Herangehensweise. Die Zeitschrift präsentierte spektakuläre Kriegsbilder, technische Berichte über moderne Waffen, kulturelle Beiträge und Reportagen über das Leben in Deutschland. Die Propaganda war oft implizit: durch die Auswahl der Bilder, die Betonung vermeintlicher militärischer Erfolge und die Darstellung der Wehrmacht als moderne, unbesiegbare Streitmacht.
Das Layout und die grafische Gestaltung von Signal galten als außerordentlich modern und wurden teilweise von renommierten Fotografen und Grafikern gestaltet. Die Zeitschrift orientierte sich an amerikanischen Magazinen wie Life und versuchte, deren visuellen Standard zu erreichen oder zu übertreffen. Dieser professionelle Ansatz machte Signal zu einem begehrten Sammelobjekt, selbst unter Menschen, die der nationalsozialistischen Ideologie kritisch gegenüberstanden.
Der Erhaltungszustand 2 (in der Terminologie des Sammlermarkts) deutet auf ein gut erhaltenes Exemplar mit möglicherweise geringen Gebrauchsspuren hin. Angesichts des Alters von über 80 Jahren und der Tatsache, dass viele Ausgaben nach Kriegsende vernichtet wurden, sind vollständige Exemplare mit allen Farbseiten heute relativ selten und von historischem Wert.
Für die historische Forschung sind Ausgaben von Signal wichtige Quellen zur Untersuchung der NS-Propaganda und ihrer Methoden. Sie zeigen, wie das Regime versuchte, die öffentliche Meinung im Ausland zu beeinflussen und welches Bild es von sich selbst vermitteln wollte. Gleichzeitig dokumentieren sie ungewollt den Verlauf des Krieges: In den späteren Ausgaben von 1943 und 1944 lässt sich trotz aller propagandistischen Beschönigung der zunehmende Defensivcharakter der deutschen Kriegführung ablesen.
Die italienische Ausgabe von 1943 steht somit für einen Wendepunkt in der Geschichte des Zweiten Weltkriegs und dokumentiert die verzweifelten Versuche der deutschen Propaganda, die bröckelnde Achse aufrechtzuerhalten.