Italien Verdienstmedaille Africa-Orientale
Die Verdienstmedaille für den Italienischen Ostafrikafeldzug (Medaglia commemorativa della campagna dell'Africa Orientale Italiana) stellt ein bedeutendes Zeugnis der italienischen Kolonialgeschichte dar. Diese bronzene Auszeichnung wurde zur Ehrung der Teilnehmer an den militärischen Operationen in Italienisch-Ostafrika gestiftet, die zur Eroberung Äthiopiens und zur Gründung des kurzlebigen italienischen Kolonialreichs in Ostafrika führten.
Die Medaille wurde durch Königliches Dekret vom 12. Mai 1936 von König Viktor Emanuel III. eingeführt, unmittelbar nach der Eroberung Addis Abebas und der Proklamation des italienischen Imperiums in Ostafrika am 9. Mai 1936. Der historische Kontext dieser Auszeichnung ist untrennbar mit dem Zweiten Italienisch-Äthiopischen Krieg (Oktober 1935 bis Mai 1936) verbunden, einem Angriffskrieg des faschistischen Italien unter Benito Mussolini gegen das Kaiserreich Äthiopien.
Die Medaille wurde an italienische Militärangehörige verliehen, die zwischen dem 3. Oktober 1935 und dem 31. Mai 1936 in Ostafrika Dienst leisteten. Berechtigt waren Angehörige des Heeres, der Marine und der Luftwaffe, sowie Mitglieder der faschistischen Miliz (MVSN - Milizia Volontaria per la Sicurezza Nazionale). Die Verleihungsbestimmungen wurden mehrfach erweitert, um auch Zivilpersonen einzubeziehen, die während des Feldzugs wichtige Dienste geleistet hatten.
Die Gestaltung der Medaille folgt der traditionellen italienischen Ordensheraldik. Die kreisrunde Bronzemedaille zeigt auf der Vorderseite typischerweise das gekrönte Wappen des Hauses Savoyen oder das Profil König Viktor Emanuels III. Die Rückseite trägt häufig Inschriften, die auf den Feldzug verweisen, sowie die Jahreszahlen der Kampagne. Die Medaille wird an einem Band in den italienischen Nationalfarben Grün-Weiß-Rot getragen, wobei spezifische Farbvarianten je nach Verleihungskriterien existieren konnten.
Der historische Hintergrund dieser Auszeichnung ist von großer Bedeutung für das Verständnis der europäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts. Der äthiopische Feldzug war Teil von Mussolinis imperialistischer Politik, die darauf abzielte, Italien als Großmacht zu etablieren und das römische Imperium symbolisch wiederzubeleben. Die Invasion Äthiopiens erfolgte ohne Kriegserklärung und wurde international scharf verurteilt. Der Völkerbund verhängte Sanktionen gegen Italien, die sich jedoch als weitgehend wirkungslos erwiesen.
Der Feldzug selbst war durch den massiven Einsatz moderner Waffentechnik gegen eine überwiegend traditionell bewaffnete äthiopische Armee gekennzeichnet. Italienische Truppen unter den Generälen Pietro Badoglio und Rodolfo Graziani setzten Panzer, Flugzeuge und notorischerweise auch Giftgas ein, was als Kriegsverbrechen gilt. Die äthiopische Bevölkerung leistete unter Kaiser Haile Selassie heftigen Widerstand, musste sich aber letztlich der technischen Überlegenheit beugen.
Die Medaille wurde in großer Stückzahl geprägt und verliehen, da schätzungsweise über 400.000 italienische Soldaten an der Kampagne teilnahmen. Dies macht sie zu einer relativ häufig anzutreffenden militärischen Auszeichnung auf dem Sammlermarkt. Die Originalmedaillen wurden aus Bronze gefertigt, wobei die Qualität der Prägung je nach Herstellungsjahr und Prägestätte variieren kann.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und dem Fall des faschistischen Regimes verlor die Medaille ihre offizielle Bedeutung. Italienisch-Ostafrika existierte nur bis 1941, als britische und Commonwealth-Truppen die italienischen Streitkräfte besiegten und Äthiopien seine Unabhängigkeit wiedererlangte. Kaiser Haile Selassie kehrte aus dem Exil zurück und bestieg erneut den Thron.
Aus heutiger Sicht wird diese Medaille als historisches Dokument einer problematischen Epoche betrachtet. Sie symbolisiert die imperialistischen Bestrebungen des faschistischen Italien und erinnert an einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg. Für Militärhistoriker und Sammler bietet sie dennoch wichtige Einblicke in die materielle Kultur und Ordenskunde der faschistischen Ära sowie in die italienische Kolonialgeschichte.
Die Erhaltung solcher Objekte in Museen und Sammlungen dient der historischen Bildung und der kritischen Auseinandersetzung mit diesem dunklen Kapitel europäischer Geschichte. Sie erinnert an die Opfer des Kolonialismus und die Bedeutung des Völkerrechts in den internationalen Beziehungen.