Kaiserliche Marine Kabinettfoto Offizier mit seiner Frau

Handschriftlich datiert auf 1906 in Wilhelmshaven. Maße 10.3 x 16.2 cm. Zustand 2.
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Kaiserliche Marine Kabinettfoto Offizier mit seiner Frau

Dieses Kabinettfoto aus dem Jahr 1906 zeigt einen Offizier der Kaiserlichen Marine zusammen mit seiner Ehefrau und dokumentiert einen bedeutenden Moment im gesellschaftlichen Leben der deutschen Marineoffiziere während der wilhelminischen Ära. Die Aufnahme entstand in Wilhelmshaven, einem der wichtigsten Marinestützpunkte des Deutschen Kaiserreichs an der Nordseeküste.

Das Kabinettformat, das hier in den Maßen 10,3 x 16,2 cm vorliegt, etablierte sich in den 1860er Jahren als beliebtes Portraitformat und blieb bis in die 1920er Jahre hinein populär. Diese standardisierte Größe war größer als die Visitenkarten-Formate und eignete sich besonders für die repräsentative Darstellung von Personen. Die Fotografien wurden üblicherweise auf festem Karton aufgezogen, was ihre Haltbarkeit und Präsentationsfähigkeit erhöhte.

Die Kaiserliche Marine entwickelte sich unter Kaiser Wilhelm II. zu einer der bedeutendsten Seestreitkräfte der Welt. Der Kaiser, der 1888 den Thron bestieg, verfolgte eine ambitionierte Flottenpolitik, die durch die Flottengesetze von 1898 und 1900 unter Staatsekretär Alfred von Tirpitz institutionalisiert wurde. Wilhelmshaven, 1869 als Marinestützpunkt gegründet, war neben Kiel der wichtigste Hafen der Hochseeflotte und beherbergte zahlreiche Marineeinrichtungen, Werften und Verwaltungsgebäude.

Das Jahr 1906 markiert eine Phase intensiver Flottenrüstung. Nach dem Stapellauf der britischen HMS Dreadnought im selben Jahr begann ein neues Wettrüsten zur See, das die deutsch-britischen Beziehungen zunehmend belastete. Die Kaiserliche Marine befand sich in einer Phase der Expansion und Modernisierung, was sich auch in der wachsenden Bedeutung ihrer Offiziersstände widerspiegelte.

Das Offizierskorps der Kaiserlichen Marine rekrutierte sich vorwiegend aus dem Bildungsbürgertum und dem niederen Adel. Die Ausbildung erfolgte an der Marineschule Mürwik in Flensburg oder begann mit der Kadettenausbildung auf Schulschiffen. Marineoffiziere genossen hohes gesellschaftliches Ansehen und waren Teil der militärischen Elite des Kaiserreichs. Ihre Uniformen, die auf solchen Fotografien festgehalten wurden, folgten strengen Bekleidungsvorschriften, die in der Anzugsordnung für die Kaiserliche Marine detailliert geregelt waren.

Die Darstellung eines Offiziers zusammen mit seiner Ehefrau auf einem offiziellen Portrait war ein Zeichen gesellschaftlicher Etablierung. Die Heirat eines Offiziers bedurfte der Genehmigung durch die Vorgesetzten, und es wurden bestimmte finanzielle und soziale Voraussetzungen geprüft. Die Ehefrau eines Marineoffiziers hatte eine definierte gesellschaftliche Rolle und war Teil der militärischen Sozialstruktur, ohne selbst einen militärischen Rang innezuhaben.

Fotografische Ateliers existierten in allen größeren Marinestädten. In Wilhelmshaven gab es mehrere etablierte Fotografen, die sich auf militärische Portraits spezialisiert hatten. Diese Studios verfügten über entsprechende Requisiten, Hintergründe und die technische Ausstattung für professionelle Aufnahmen. Die handschriftliche Datierung auf der Rückseite oder dem Karton war üblich und diente der persönlichen Dokumentation und Erinnerung.

Solche Kabinettfotos erfüllten mehrere Funktionen: Sie dienten als persönliche Erinnerungsstücke, wurden an Familienangehörige und Freunde verschenkt und dokumentierten wichtige Lebensstationen. In einer Zeit ohne digitale Medien waren Fotografien wertvolle und dauerhafte Zeugnisse. Viele Offiziersfamilien führten Fotoalben, in denen solche Aufnahmen aufbewahrt wurden.

Der Zustand 2 nach der üblichen Bewertungsskala für historische Fotografien deutet auf eine gut erhaltene Aufnahme hin, die möglicherweise leichte Gebrauchsspuren aufweist, aber insgesamt in sehr gutem Zustand ist. Dies ist bemerkenswert für ein über 115 Jahre altes Dokument und spricht für eine sorgfältige Aufbewahrung über mehrere Generationen hinweg.

Heute sind solche Kabinettfotos wichtige historische Quellen für die Erforschung der Sozialgeschichte des Kaiserreichs, der Uniformkunde und der fotografischen Praktiken der wilhelminischen Ära. Sie bieten Einblicke in die Selbstdarstellung des Militärs, in Mode und Gesellschaft der Zeit und in die individuelle Geschichte der abgebildeten Personen. Für Sammler und Historiker stellen sie wertvolle Dokumente einer vergangenen Epoche dar, die das Leben und die Kultur der Kaiserlichen Marine anschaulich machen.