Kriegsmarine Schiffchen (Bordmütze) – Offiziersausführung, Heinrich Balke, Bremen 1941
Unter den zahlreichen Uniformstücken der deutschen Kriegsmarine nimmt das sogenannte Schiffchen – offiziell als Bordmütze bezeichnet – eine besondere Stellung ein. Es war das alltägliche Kopfbedeckungsstück der Marineangehörigen und diente als praktische und bequeme Alternative zur formelleren Schirmmütze. Das vorliegende Exemplar, gefertigt von der Firma Heinrich Balke Mützenfabrik Bremen im Jahr 1941, ist ein charakteristisches Beispiel für die Offiziersversion dieser Kopfbedeckung und bietet dem Sammler einen faszinierenden Einblick in die Uniformgeschichte der deutschen Marine im Zweiten Weltkrieg.
Die Kriegsmarine – Entstehung und Kontext
Die Kriegsmarine wurde 1935 gegründet, als die bisherige Reichsmarine im Zuge der deutschen Wiederaufrüstung umbenannt wurde – ein Schritt, der gegen die Bestimmungen des Versailler Vertrages verstieß. Das Uniformwesen der Kriegsmarine basierte auf Traditionen, die bis zur Kaiserlichen Marine des 19. Jahrhunderts zurückreichten und über die Reichsmarine in die neue Teilstreitkraft übernommen wurden. Die Uniformgestaltung folgte dabei europäischen Marinetraditionen, die stark von der britischen Royal Navy beeinflusst waren, einschließlich der Offiziersröcke und der Ärmeltressen.
Das Schiffchen – Entwicklung und Bezeichnung
Der Schiffchen-Typ der Feldmütze wurde ursprünglich 1933 vom Deutschen Luftsportverband (DLV) entwickelt und nach 1935 in allen Teilstreitkräften der deutschen Wehrmacht übernommen. Der umgangssprachliche Name „Schiffchen“ – wörtlich „kleines Boot“ – leitet sich von der charakteristischen bootsartigen Form ab, die an ein umgedrehtes Ruderboot erinnert, wenn man die Mütze von oben betrachtet. In der Kriegsmarine trug diese Kopfbedeckung die offizielle Bezeichnung Bordmütze.
Das Grunddesign war über die Wehrmachtsteile hinweg ähnlich, unterschied sich jedoch durch die dienstspezifischen Farben: Dunkelblau für die Kriegsmarine, Feldgrau für das Heer und Blaugrau für die Luftwaffe. Innerhalb der Kriegsmarine existierten zudem mehrere Varianten: Mannschafts- und Unteroffiziersausführungen waren typischerweise mit maschinengewebten Bevo-Abzeichen versehen und trugen keine Tresse. Die Offiziersversionen hingegen zeichneten sich durch handgestickte Bullion-Abzeichen und goldene oder silberne Metallfaden-Biesen aus. Darüber hinaus gab es Ausführungen für die Küstenartillerie in Feldgrau statt Marineblau sowie tropische Versionen in hellen Braun- oder Olivtönen.
Die Offiziersausführung im Detail
Das vorliegende Stück ist aus dunkelblauem Wolltuch gefertigt und mit einem schwarzen Futter aus Kunstseide oder Seide versehen. An der Vorderseite befinden sich ein Bevo-gewebter Schiffchenadler (Hoheitsabzeichen) sowie eine in Metallfaden handgestickte Kokarde in den dreifarbigen Nationalfarben Rot, Weiß und Schwarz. Die umlaufende goldene Metallfaden-Tresse ist das wesentliche Unterscheidungsmerkmal zur Mannschaftsausführung und weist den Träger eindeutig als Offizier aus.
Die Mütze weist die charakteristische Schiffchenform auf, mit einem Aufschlag, der in der Mitte breiter ist als vorn und hinten. Im Inneren befindet sich der Kammerstempel mit der Aufschrift „Heinrich Balke Mützenfabrik Bremen 1941“ sowie die Größenangabe 58.
Verwendung und Tragepraxis
Das Schiffchen war die Standard-Kopfbedeckung für Kriegsmarine-Offiziere bei den meisten Gelegenheiten und im allgemeinen Dienst. Es wurde von Offizieren vom Leutnant zur See aufwärts bis zu höheren Offiziersrängen getragen. Sein Einsatzbereich war vielfältig: an Bord von Überwasserschiffen, auf U-Booten, auf S-Booten, in Küsteninstallationen und in landgestützten Einrichtungen der Kriegsmarine. Als leichtere und praktischere Kopfbedeckung ersetzte es im Alltag die steifere und formellere Schirmmütze. Offiziere waren dabei für den privaten Erwerb ihrer Kopfbedeckungen verantwortlich und konnten diese über militärische Verkaufsstellen oder bei zugelassenen Herstellern wie Heinrich Balke beziehen.
Der Hersteller – Heinrich Balke
Die Firma Heinrich Balke wurde 1888 in Bremen als Hut- und Mützenmanufaktur gegründet. Über Jahrzehnte hinweg etablierte sich das Unternehmen als zuverlässiger Lieferant für militärische Kopfbedeckungen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der Auflösung der Wehrmacht setzte Heinrich Balke die Produktion für zivile Märkte fort. Das Unternehmen überlebte mehr als ein Jahrhundert, bevor es im Jahr 2000 Insolvenz anmelden musste.
Historischer Kontext – 1941
Das Herstellungsjahr 1941 fällt in eine Phase, in der Deutschland vollständig in den Zweiten Weltkrieg verwickelt war, mit bedeutenden Marineoperationen im Atlantik, im Mittelmeer und in der Arktis. Die Kriegsmarine war zu dieser Zeit auf dem Höhepunkt ihrer Aktivitäten, und die Nachfrage nach Uniformstücken aller Art war entsprechend hoch.
Nachkriegsgeschichte und Sammlerwert
Nach der Kapitulation Deutschlands im Mai 1945 wurde die Kriegsmarine aufgelöst. Uniformen und Abzeichen der Wehrmacht waren im Nachkriegsdeutschland verboten. Originale Kriegsmarine-Schiffchen wie dieses Exemplar wurden in der Folge zu begehrten Sammlerstücken militärischer Memorabilia. Das vorliegende Stück mit seinem klar lesbaren Kammerstempel, der vollständigen Abzeichenausstattung und dem dokumentierten Herstellungsjahr stellt ein aussagekräftiges Zeugnis der deutschen Marinegeschichte dar.