Schweden Säbelbajonett für das Jägergewehr 1815-20 .

Rhombische Klinge, diese schon etwas narbig und aus der Form, ursprünglich von einem Pallasch von 1770, jetzt eingezogen in einem Messinggefäß mit geschlossenem Parierbügel, quartseitige Aufpflanzvorrichtung, belederter Holzgriff, auf dem Parierstück gestempelt, mit der seltenen Lederscheide, Alters- und Gebrauchsspuren. Zustand 2-3
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1.800,00

Schweden Säbelbajonett für das Jägergewehr 1815-20 .

Das schwedische Säbelbajonett für das Jägergewehr von 1815-20 repräsentiert eine faszinierende Übergangsperiode in der schwedischen Militärgeschichte, die unmittelbar auf die napoleonischen Kriege und den Verlust Finnlands an Russland im Jahr 1809 folgte. Diese Epoche war geprägt von militärischen Reformen und der Modernisierung der schwedischen Streitkräfte unter der neuen Bernadotte-Dynastie.

Die Jägertruppen (Jägare) nahmen in der schwedischen Armee eine besondere Stellung ein. Als leichte Infanterie waren sie für Aufklärung, Plänklergefechte und den Kampf in schwierigem Gelände ausgebildet. Die Bewaffnung dieser Elitetruppen erforderte spezialisierte Ausrüstung, die sowohl für den Fernkampf als auch für den Nahkampf geeignet war. Das Säbelbajonett erfüllte diese doppelte Funktion als Hieb- und Stichwaffe sowie als Werkzeug.

Besonders bemerkenswert an diesem Exemplar ist die Wiederverwendung einer rhombischen Klinge von einem älteren Pallasch aus den 1770er Jahren. Diese Praxis der Ressourcenschonung war in der schwedischen Armee nicht ungewöhnlich, besonders nach den kostspieligen napoleonischen Kriegen. Die schwedische Krone musste ihre begrenzten finanziellen Mittel sorgfältig einsetzen, und die Umarbeitung älterer Klingen in neue Waffensysteme war eine wirtschaftlich sinnvolle Lösung. Die rhombische Klingenform mit ihrem rautenförmigen Querschnitt bot exzellente Steifigkeit und Durchschlagskraft, Eigenschaften, die für ein Bajonett von großer Bedeutung waren.

Das Messinggefäß mit geschlossenem Parierbügel folgt dem funktionalen Design der Zeit. Der geschlossene Bügel bot der Hand des Soldaten zusätzlichen Schutz im Nahkampf, während die Messingkonstruktion Korrosionsbeständigkeit garantierte. Die quartseitige Aufpflanzvorrichtung (Vierkantdorn) war das Standardsystem zur Befestigung am Gewehrlauf und gewährleistete einen sicheren, wackelfreien Sitz auch unter den Belastungen des Gefechts.

Der belederte Holzgriff war typisch für Blankwaffen dieser Periode. Das Leder bot einen sicheren Griff auch bei Nässe oder Kälte, Bedingungen, denen schwedische Soldaten häufig ausgesetzt waren. Die Konstruktion war robust genug, um den harten Bedingungen des Militärdienstes standzuhalten, gleichzeitig aber einfach genug für die Massenproduktion.

Die Stempelung auf dem Parierstück verweist auf das schwedische System der Waffenabnahme und -kontrolle. Schwedische Militärwaffen wurden traditionell mit verschiedenen Marken versehen, die Informationen über Hersteller, Abnahmebeamte und manchmal auch über die zugewiesene Einheit enthielten. Diese Markierungen ermöglichen heute die Authentifizierung und Datierung solcher Stücke.

Besonders erwähnenswert ist die erhaltene Lederscheide, die als selten bezeichnet wird. Lederscheiden aus dieser Zeit haben oft die Jahrhunderte nicht überdauert, da das organische Material durch Feuchtigkeit, Schimmel und mechanische Beanspruchung zerstört wurde. Die Scheide diente nicht nur dem Schutz der Klinge und des Trägers, sondern war auch Teil des militärischen Erscheinungsbildes und der Ausrüstungsordnung.

Die Periode von 1815 bis 1820 war für Schweden eine Zeit der Neuorientierung. Nach dem Frieden von Kiel 1814, durch den Schweden Finnland endgültig verlor, aber Norwegen in einer Personalunion mit der schwedischen Krone vereint wurde, musste die Armee reorganisiert werden. Die Bewaffnung wurde standardisiert und modernisiert, wobei oft pragmatische Lösungen wie die Umarbeitung älterer Waffen bevorzugt wurden.

Die Jägergewehre dieser Zeit waren in der Regel gezogene Waffen mit höherer Präzision als die glatten Musketen der Linieninfanterie. Das dazugehörige Säbelbajonett musste entsprechend angepasst sein, um die Balance und Handhabung des Gewehrs nicht negativ zu beeinflussen. Die säbelartige Krümmung einiger Bajonetttypen erlaubte effektivere Hiebführung als gerade Bajonette, was im Nahkampf von Vorteil sein konnte.

Der beschriebene Zustand des Objekts – mit Narben und leichten Deformationen der Klinge – zeugt von tatsächlichem militärischen Einsatz. Diese Gebrauchsspuren sind historische Dokumente an sich und erhöhen paradoxerweise den historischen Wert des Stücks, da sie seine Authentizität und seinen Einsatz in der realen militärischen Praxis belegen.

Solche Säbelbajonette blieben bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts im Gebrauch, bevor sie durch modernere Sockelbajonnette ersetzt wurden. Sie repräsentieren eine wichtige Entwicklungsstufe in der Geschichte der Handfeuerwaffen und ihrer Nebenwaffen.