Das Verwundetenabzeichen in Schwarz war eine deutsche militärische Auszeichnung, die während des Zweiten Weltkriegs an verwundete Soldaten verliehen wurde. Das vorliegende Besitzzeugnis dokumentiert die Verleihung dieser Auszeichnung an einen SS-Rottenführer der 30. Waffen-Grenadier-Division der SS (russische Nr. 2) für eine am 1. Dezember 1944 erlittene Verwundung. Das Zeugnis wurde am 11. Januar 1945 im Reservelazarett Gremsdorf in Oberfranken ausgestellt.
Das Verwundetenabzeichen wurde in drei Stufen verliehen: Schwarz für eine bis zwei Verwundungen, Silber für drei bis vier Verwundungen und Gold für fünf oder mehr Verwundungen. Die Verleihung erfolgte gemäß der Verordnung vom 1. September 1939, die an die Tradition des Ersten Weltkriegs anknüpfte. Das schwarze Abzeichen war die häufigste Variante und wurde an Millionen deutscher Soldaten verliehen.
Die 30. Waffen-Grenadier-Division der SS (russische Nr. 2) hatte eine bemerkenswerte und problematische Geschichte. Sie wurde am 1. August 1944 aus der Schutzmannschaft-Brigade Siegling der Ordnungspolizei gebildet. Diese Brigade bestand hauptsächlich aus russischen, ukrainischen und weißrussischen Freiwilligen, die zunächst in deutschen Polizeieinheiten im besetzten Osteuropa dienten. Die Einheit war nach ihrem Kommandeur, Oberst Adolf Siegling, benannt.
Die Schutzmannschaft-Verbände waren Teil der deutschen Besatzungspolitik in der Sowjetunion und wurden für Sicherungsaufgaben, Partisanenbekämpfung und andere Polizeiaufgaben eingesetzt. Viele dieser Einheiten waren an Kriegsverbrechen beteiligt. Im Sommer 1944, als die militärische Lage Deutschlands sich verschlechterte, wurde entschieden, diese Verbände in die Waffen-SS zu überführen und als Kampfdivision zu formieren.
Im August 1944 wurde die neu formierte Division aus dem Raum Warschau in den Raum Belfort im Elsass verlegt. Die Umgliederung und Ausbildung zur Kampfeinheit zog sich bis Oktober 1944 hin. Während dieser Zeit ereignete sich ein dramatischer Vorfall, der die Unzuverlässigkeit der Einheit demonstrierte: Mannschaften des II. Bataillons des Regiments 1 und des I. Bataillons des Regiments 2 meuterten, töteten ihre deutschen Offiziere und liefen zu den französischen Partisanen über. Dies war eine der größten Meutereien innerhalb der Waffen-SS.
Als Konsequenz dieser Meuterei wurden etwa 2.300 Mann als unbrauchbar und unzuverlässig ausgesondert. Die verbleibenden Mannschaften wurden mit deutschen und volksdeutschen Soldaten aufgefüllt, um die Division einsatzfähig zu machen. Trotz dieser Maßnahmen blieb die Kampfkraft der Division begrenzt.
Der im Besitzzeugnis genannte SS-Rottenführer hatte laut den begleitenden Dokumenten eine typische Karriere für Angehörige dieser Formation: Er diente ab 1942 als Ausbilder der Schutzmannschaft in Dnipropetrowsk (heute Dnipro in der Ukraine), einer wichtigen Stadt im besetzten Gebiet, bevor er in die 30. Division übernommen wurde. Seine Verwundung im Dezember 1944 fiel in die Zeit, als die Division in schwere Kämpfe im Elsass verwickelt war, während die Alliierten gegen die deutsche Westfront vorrückten.
Das Reservelazarett Gremsdorf, wo das Zeugnis ausgestellt wurde, war eines von vielen militärischen Lazaretten, die im Reichsgebiet zur Versorgung verwundeter Soldaten eingerichtet wurden. Die Tatsache, dass der Soldat zur Behandlung nach Oberfranken evakuiert wurde, zeigt die Organisation des deutschen Sanitätswesens, das Verwundete aus den Frontgebieten in rückwärtige Lazarette verlegte.
Die begleitenden Dokumente, einschließlich des Entlassungsscheins aus der Kriegsgefangenschaft, zeigen, dass der Soldat 1945 in amerikanische Gefangenschaft geriet. Dies war das Schicksal vieler Angehöriger der Division, die bei Kriegsende an der Westfront kämpften. Angehörige osteuropäischer Freiwilligeneinheiten der Waffen-SS befanden sich nach Kriegsende in einer besonders prekären Lage, da viele von ihnen bei Repatriierung in die Sowjetunion mit schweren Strafen rechnen mussten.
Solche Dokumentengruppen sind von erheblichem historischem Wert, da sie individuelle Schicksale dokumentieren und Einblicke in die Organisation, Verwaltung und das Alltagsleben in diesen umstrittenen Einheiten geben. Sie zeigen die bürokratische Sorgfalt, mit der selbst in den letzten Kriegsmonaten Verwundungen dokumentiert und Auszeichnungen verliehen wurden.