XI. Olympischen Spiele 1936 Berlin - Teilnehmerabzeichen am Sternflug Rhön im Jahre der Olympiade 1936

Abzeichen aus hellem Perlmutt mit aufgesetzten Segelflugzeug und dem Fliegerdenkmal auf der Wasserkuppe, rückseitig an Quernadel, im originalen Etui mit Seidenband im Deckel "Der Reichsluftsportführer", innen blaues Seidenfutter und Samteinlage, Zustand 2.
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XI. Olympischen Spiele 1936 Berlin - Teilnehmerabzeichen am Sternflug Rhön im Jahre der Olympiade 1936

Das Teilnehmerabzeichen am Sternflug Rhön im Jahre der Olympiade 1936 dokumentiert ein bemerkenswertes Kapitel der deutschen Luftsportgeschichte während des olympischen Jahres 1936. Dieses aus hellem Perlmutt gefertigte Abzeichen wurde vom Reichsluftsportführer, Oberst Mahncke, herausgegeben und markiert die Teilnahme an einem bedeutenden Segelflugwettbewerb, der vom 16. bis 30. August 1936 stattfand.

Die Wasserkuppe in der Rhön war der Geburtsort des deutschen Segelflugsports und hatte seit 1920 jährliche Wettbewerbe ausgerichtet. Der 1936 ausgetragene Wettbewerb war bereits der 17. Rhön-Segelflug-Wettbewerb und fand in einem Jahr statt, das von den Olympischen Spielen in Berlin und einer intensivierten Militarisierung des Luftsports unter dem NS-Regime geprägt war. Die Wasserkuppe hatte nicht nur sportliche Bedeutung, sondern auch symbolischen Wert: Auf ihrem Gipfel stand das 1923 errichtete Fliegerdenkmal, ein Ehrenmal für die Kampfpiloten des Ersten Weltkriegs mit einer Adlerskulptur von August Gaul auf einem Basaltmonument.

Das Abzeichen selbst zeigt als aufgesetzte Elemente ein Segelflugzeug und eben dieses Fliegerdenkmal auf der Wasserkuppe. Die Wahl dieser Motive war programmatisch: Sie verband den friedlichen Sport des Segelflugs mit der militärischen Erinnerungskultur der Zwischenkriegszeit und spiegelte die revanchistische und militaristische Ideologie jener Epoche wider. Die Rückseite des Abzeichens verfügt über eine Quernadel zur Befestigung.

Die Vergabe des Abzeichens erfolgte durch den Reichsluftsportführer in einem aufwendigen Etui, dessen Deckel ein Seidenband mit der Aufschrift “Der Reichsluftsportführer” trug. Das Futteral war mit blauem Seidenfutter und einer Samteinlage ausgestattet, was die offizielle Wertschätzung dieser Auszeichnung unterstreicht. Die Teilnehmer, die dieses Abzeichen erhielten, mussten gültige deutsche Segelflugzeugführer-Lizenzen und Sportlizenzen für 1936 besitzen sowie mindestens eine Flugstunde auf Leistungssegelflugzeugen nachweisen können. Es waren deutsche Segelflieger aus verschiedenen Luftsport-Landesgruppen des Deutschen Luftsport-Verbandes.

Das Jahr 1936 markierte einen Höhepunkt der Instrumentalisierung des Luftsports für nationalsozialistische Propagandazwecke. Oberst Mahncke als Reichsluftsportführer koordinierte verschiedene Luftfahrtveranstaltungen rund um die Berliner Olympischen Spiele, darunter den Internationalen Sternflug zum Flugplatz Rangsdorf für ausländische Motorflugzeuge am 29. und 30. Juli 1936 sowie Segelflugvorführungen am Flughafen Staaken am 4. August. Das hier beschriebene Abzeichen ist klar vom Bronzemedaille des Internationalen Sternflugs zu unterscheiden, die an ausländische Motorflugzeugpiloten verliehen wurde. Das Perlmutt-Abzeichen war spezifisch für die Teilnehmer des Rhön-Segelflugwettbewerbs im August 1936 bestimmt.

Die Entwicklung nahm im April 1937 eine entscheidende Wendung, als der Deutsche Luftsportverband aufgelöst und durch das Nationalsozialistische Fliegerkorps (NSFK) ersetzt wurde. Diese Maßnahme vollendete die vollständige Integration des zivilen Luftsports in die militärischen Strukturen des NS-Staates.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Luftsportabzeichen aus der NS-Zeit zu begehrten Sammlerstücken militärhistorischer Kollektionen. Dieser Typ eines Gedenkabzeichens aus Perlmutt mit originalem Etui gilt heute auf dem Sammlermarkt als selten. Die Wasserkuppe besteht weiterhin als Segelflugzentrum, und das Fliegerdenkmal steht nach wie vor als Landmarke, wobei seine Inschrift und Symbolik heute im historischen Kontext als Ausdruck der revanchistischen und militaristischen Ideologie der Zwischenkriegszeit betrachtet werden.