Deutsches Reich 1. Weltkrieg Zwei Stahlhelme M 1916 aus einem Nachlass, einer davon ein "Lebensretter"

Um 1917/18. Der erste Stahlhelm mit zu ca. 80% erhaltener olivgrüner Lackierung, die Glocke leicht flugrostig. Innen mit dem Blechring ab 1917, zwei Segmente des dreiteiligen Futters erhalten, die Kissen ohne Füllung, ein Segment mit dem Trägernamen «Schäfer», seitlich mit dem Hersteller «Si.66» (Eisenhütte Silesia, Paruschowitz Oberschlesien), in der Glocke gestempelt «Bi 329», mit dem originalen Kinnriemen. 
Der zweite Stahlhelm mit zu ca. 80% erhaltener olivgrüner Lackierung, die Glocke leicht flugrostig. Das Futter und ein Niet fehlen, seitlich mit dem Hersteller «Si.66» (Eisenhütte Silesia, Paruschowitz Oberschlesien), in der Glocke gestempelt «Bi 651». Auf der linken Seite mit ca. vier Einschusslöchern, auf der rechten Seite mit einem Austrittsloch. 

Ein Zeugnis der Schrecken des Krieges! Die Helme kamen zusammen aus dem Nachlass ein und desselben Weltkriegs-Veteranen. Der Helm mit den Einschuss-Löchern wurde als "Attrappe" auf den Grabenrand gelegt und erfüllte so seine Aufgabe als "Lebensretter".
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Deutsches Reich 1. Weltkrieg Zwei Stahlhelme M 1916 aus einem Nachlass, einer davon ein "Lebensretter"

Der Stahlhelm M 1916 revolutionierte den Kopfschutz im Ersten Weltkrieg und wurde zu einem der ikonischsten militärischen Ausrüstungsgegenstände des 20. Jahrhunderts. Diese beiden Exemplare aus dem Nachlass eines Weltkriegsveteranen erzählen eindrückliche Geschichten vom Leben und Überleben in den Schützengräben der Westfront.

Die Entwicklung des Stahlhelms war eine direkte Antwort auf die verheerenden Kopfverletzungen, die in den ersten Kriegsjahren zu verzeichnen waren. Bis 1915 trugen deutsche Soldaten lediglich Pickelhauben aus Leder, die gegen Granatsplitter und Schrapnelle keinerlei Schutz boten. Nach französischem und britischem Vorbild begann Deutschland 1915 mit der Entwicklung eines metallenen Kopfschutzes. Professor Friedrich Schwerd von der Technischen Hochschule Hannover entwickelte die charakteristische Form mit ihrem breiten Rand und den seitlichen Hörnern zum Schutz der Lüftungslöcher.

Die Produktion begann Ende 1915, und ab Januar 1916 wurden die ersten Helme an die Front ausgeliefert. Die hier vorliegenden Exemplare tragen die Herstellermarkierung “Si.66”, die für die Eisenhütte Silesia in Paruschowitz, Oberschlesien steht. Dies war einer von mehreren Zulieferern, die für die Massenproduktion benötigt wurden. Bis Kriegsende 1918 wurden etwa 8,5 Millionen Stahlhelme produziert.

Die Konstruktion bestand aus der Glocke (dem Helmkörper) aus Stahlblech mit einer Stärke von etwa 1,0 bis 1,15 mm. Die olivgrüne Lackierung diente der Tarnung und dem Rostschutz. Im Inneren befand sich ein dreiteiliges Lederfutter mit Polsterkissen, das auf einem Blechring montiert war. Wie bei dem ersten hier beschriebenen Helm üblich, wurde ab 1917 ein verbesserter Blechring eingeführt, der eine bessere Passform ermöglichte. Die Stempelung “Bi” mit Nummern bezieht sich auf die Chargennummer oder Größenangabe der Helme.

Besonders bemerkenswert ist der Name “Schäfer” auf einem Futtersegment des ersten Helms. Soldaten beschrifteten ihre Ausrüstung häufig, um sie bei Verlust identifizieren zu können oder einfach als persönliche Markierung. Dieser Name verbindet das anonyme Industrieprodukt mit einem individuellen Schicksal.

Der zweite Helm erzählt eine dramatischere Geschichte. Die vier Einschusslöcher auf der linken Seite und das Austrittsloch auf der rechten Seite sind stumme Zeugen einer lebensrettenden Täuschung. Die Praxis, Helme als “Attrappen” auf dem Grabenrand zu platzieren, war eine verbreitete Überlebensstrategie im Stellungskrieg. Scharfschützen beider Seiten lauerten ständig auf unvorsichtige Soldaten, die ihre Köpfe über die Brüstung hoben. Ein auf einen Stock oder ein Gewehr gesteckter Helm konnte feindliches Feuer auf sich ziehen und so die Position feindlicher Schützen verraten, ohne Menschenleben zu gefährden.

Die Durchschlagskraft der Geschosse zeigt deutlich die Grenzen des Stahlhelms. Während er wirksam gegen Schrapnelle, Granatsplitter und Querschläger schützte, konnte er einem direkten Treffer aus einem Gewehr nicht standhalten. Dennoch rettete der Stahlhelm M 1916 Tausenden von Soldaten das Leben. Studien während des Krieges zeigten, dass die Rate der tödlichen Kopfverletzungen nach Einführung des Stahlhelms signifikant zurückging.

Der Zustand beider Helme mit etwa 80% erhaltener Originallackierung und leichtem Flugrost ist typisch für gut konservierte Exemplare. Die Tatsache, dass beide Helme aus demselben Nachlass stammen, deutet darauf hin, dass der Veteran entweder beide Helme während seines Dienstes verwendete oder den beschossenen Helm als Erinnerungsstück aufbewahrte – ein greifbares Zeugnis seiner Überlebensstrategien im “Großen Krieg”.

Diese beiden Stahlhelme repräsentieren nicht nur militärtechnische Innovation, sondern auch die menschliche Dimension des industrialisierten Krieges. Sie erinnern an die Millionen junger Männer, die in den Schützengräben der Westfront kämpften, und an die oft einfallsreichen Methoden, mit denen sie versuchten zu überleben.