Lineol - Heer 2 Waldhornbläser marschierend

7 cm, Zustand 2/2-.
311578
30,00

Lineol - Heer 2 Waldhornbläser marschierend

Die vorliegende Lineol-Figur zweier marschierender Waldhornbläser der Wehrmacht-Heer repräsentiert ein faszinierendes Beispiel deutscher Spielzeugproduktion aus der Zeit des Dritten Reiches. Mit einer Höhe von etwa 7 cm gehört diese Figur zur typischen Größenordnung der Lineol-Massefiguren, die zwischen den 1930er und 1940er Jahren hergestellt wurden.

Lineol wurde 1906 von Oskar Wiederholt in Brandenburg an der Havel gegründet und entwickelte sich zu einem der führenden deutschen Hersteller von Spielzeugsoldaten. Der Firmenname entstand aus dem Begriff “Linie” und dem Material “Elastolin”, einer speziellen Masse aus Kasein, Kreide, Glycerin, Leim und anderen Zusätzen. Diese Kompositionsmasse ermöglichte detaillierte Ausformungen und war robuster als Zinn, das traditionelle Material für Spielzeugsoldaten.

Die militärische Tradition der Waldhornbläser im deutschen Heer reicht weit zurück. Jagdhörner und später Waldhörner spielten eine wichtige Rolle in der militärischen Signalgebung und bei zeremoniellen Anlässen. In der Wehrmacht ab 1935 waren Musikkorps fester Bestandteil der Truppenorganisation. Die Heeresdienstvorschrift (HDv) und andere Regelwerke definierten die Zusammensetzung und Funktion dieser Musikeinheiten.

Märsche und militärische Zeremonien spielten eine zentrale Rolle in der Selbstdarstellung der Wehrmacht. Die Musikkorps, typischerweise aus 40 bis 50 Musikern bestehend, waren bei Paraden, Vereidigungen und anderen öffentlichen Veranstaltungen präsent. Die Waldhornbläser bildeten dabei einen wichtigen Teil der Blechbläsersektion und trugen zur klanglichen Fülle der Marschmusik bei.

Die Uniform, die an den Lineol-Figuren dargestellt ist, entspricht der typischen Felduniform des Heeres der 1930er und frühen 1940er Jahre. Die Figuren zeigen in der Regel die charakteristische feldgraue Uniform mit entsprechenden Abzeichen und Ausrüstungsgegenständen. Die detaillierte Darstellung der Instrumente und der Marschhaltung zeugt von der handwerklichen Qualität, für die Lineol bekannt war.

Die Produktion von militärischen Spielzeugfiguren hatte in Deutschland eine lange Tradition. Neben Lineol waren Firmen wie Elastolin (Hausser) die Hauptkonkurrenten auf diesem Markt. Diese Figuren dienten nicht nur als Spielzeug, sondern auch als Sammelobjekte und hatten zweifellos eine propagandistische Funktion in der Glorifizierung des Militärs während der NS-Zeit.

Die Herstellung dieser Figuren erforderte mehrere Arbeitsschritte: Zunächst wurden die Figuren in Messingformen gegossen, dann von Hand bemalt und mit Zubehör wie Waffen und Instrumenten versehen. Die Handbemalung erklärt die individuellen Variationen zwischen einzelnen Figuren derselben Serie.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Produktion von Militärspielzeug in Deutschland zunächst eingeschränkt. Lineol stellte die Produktion 1945 zunächst ein, wurde aber später in reduziertem Umfang wiederbelebt, bevor die Firma schließlich in den 1980er Jahren endgültig schloss.

Heute sind diese Lineol-Figuren begehrte Sammlerstücke. Der Erhaltungszustand wird nach einem standardisierten System bewertet, wobei Zustand 2/2- (wie bei diesem Objekt angegeben) auf eine sehr gute bis gute Erhaltung mit nur minimalen Gebrauchsspuren hinweist. Sammler schätzen diese Figuren sowohl wegen ihrer handwerklichen Qualität als auch als historische Dokumente einer bestimmten Epoche deutscher Spielzeugproduktion.

Die wissenschaftliche Beschäftigung mit solchen Objekten ermöglicht Einblicke in verschiedene Aspekte: die Geschichte der Spielzeugproduktion, militärische Uniformkunde, die Rolle des Militärs in der Gesellschaft und die propagandistische Nutzung von Spielzeug. Museen und private Sammlungen bewahren diese Zeugnisse als Teil des kulturellen Erbes, wobei stets der kritische historische Kontext beachtet werden muss.

r