Miniaturkette/Frackkettchen eines tapferen bayerischen Offiziers 1. Weltkrieg

Miniaturkettchen mit 4 Auszeichnungen: Eisernes Kreuz 1914 2. Klasse. Bayern Militär Verdienstorden 4.Klasse mit Schwertern und Krone. Sachsen Albrecht Orden Ritterkreuz 2. Klasse mit Schwertern. Bremen Hanseatenkreuz. Hessen allgemeine Verdienstmedaille "Für Tapferkeit". Zustand 2.
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Miniaturkette eines bayerischen Offiziers im Ersten Weltkrieg

Diese Miniaturkette, auch Frackkettchen genannt, ist ein bemerkenswertes Zeugnis des Ersten Weltkriegs und der militärischen Auszeichnungskultur des Deutschen Kaiserreichs. Sie vereint fünf Auszeichnungen auf einer kleinen Kette, die ausschließlich zur formellen Abendgarderobe – dem sogenannten Frack oder Gesellschaftsanzug – getragen wurde. Anders als die Ordensschnallen oder die Originale an Brust und Hals waren diese Miniaturketten für festliche Anlässe, Bankette und zeremonielle Veranstaltungen bestimmt. Ihre Zusammenstellung spiegelt die individuelle Auszeichnungsgeschichte eines Offiziers wider und macht jedes Stück zu einem Unikat.

Die fünf Auszeichnungen im Überblick

Die Kette beginnt mit dem Eisernen Kreuz 1914 2. Klasse, das am 5. August 1914 von Kaiser Wilhelm II. gestiftet wurde. Es wurde für individuelle Tapferkeit vor dem Feind oder für Verdienste verliehen, die über die normale Pflichterfüllung hinausgingen. Mit geschätzten 3,8 bis 5,2 Millionen Verleihungen während des Ersten Weltkriegs war es die am häufigsten vergebene deutsche Tapferkeitsauszeichnung und wurde an Angehörige aller Ränge des deutschen Militärs sowie an verbündete Streitkräfte und zivile uniformierte Organisationen vergeben.

Das zweite Stück ist der Bayerische Militär-Verdienstorden 4. Klasse mit Schwertern und Krone. Dieser Orden wurde am 19. Juli 1866 von König Ludwig II. von Bayern gestiftet. Die Schwerter als Zeichen für militärische Verdienste kamen am 12. März 1891 hinzu, die Kronenvariante wurde 1913 eingeführt. Die 4. Klasse mit Krone wurde typischerweise an Offiziere im Rang eines Majors, Hauptmanns oder an Leutnants verliehen, die bereits die 4. Klasse mit Schwertern besaßen. Die Verleihung der Krone signalisierte eine besondere Auszeichnung, die jedoch unterhalb der Schwelle des höchsten bayerischen Militärordens, des Max-Joseph-Ordens, lag. Zu den herausragenden Empfängern des Bayerischen Militär-Verdienstordens in höheren Klassen zählten Kronprinz Rupprecht von Bayern und Prinz Leopold von Bayern, die das Großkreuz mit Schwertern erhielten.

An dritter Stelle findet sich der Sächsische Albrechtsorden, Ritterkreuz 2. Klasse mit Schwertern. Dieser Orden wurde am 31. Dezember 1850 von König Friedrich August II. von Sachsen gestiftet und war ursprünglich ein allgemeiner Verdienstorden für Staatsdienst, Wissenschaft und Kunst. Die militärische Abteilung mit Schwertern kam 1860 hinzu, die Schwerter selbst wurden ab 1866 verliehen. Insgesamt wurden 5.571 Ritterkreuze 2. Klasse vergeben, wobei diese Zahl auch die Friedensverleihungen umfasst. Die spezifischen Zahlen der Kriegsverleihungen mit Schwertern im Ersten Weltkrieg wurden von Erhard Roth (1997) dokumentiert.

Die vierte Auszeichnung ist das Bremer Hanseatenkreuz. Es wurde 1915 gemeinsam von den drei Hansestädten Hamburg, Bremen und Lübeck gestiftet, wobei die Bremer Variante am 14. September 1915 ratifiziert wurde. Es wurde für Verdienste im Krieg 1914–1918 an Angehörige der hanseatischen Infanterieregimenter, der Marine sowie an Bremer Bürger verliehen, die in anderen Einheiten dienten. Rund 20.000 Bremer Kreuze wurden insgesamt vergeben. Bemerkenswert ist, dass der berühmte Jagdflieger Manfred von Richthofen alle drei Varianten des Hanseatenkreuzes – Hamburg, Bremen und Lübeck – erhielt.

Das fünfte und letzte Stück ist die Hessische Allgemeine Verdienstmedaille „Für Tapferkeit“. Ursprünglich am 25. September 1843 von Großherzog Ludwig II. gestiftet, wurde sie ab 1894 mit dem Porträt von Großherzog Ernst Ludwig versehen. Sie wurde für Tapferkeit, Verdienst und außerordentliche Leistungen verliehen.

Der Besitzer: Ein Offizier im Schnittpunkt deutscher Kontingente

Die Kombination dieser fünf Auszeichnungen lässt auf einen bayerischen Offizier mindestens im Rang eines Hauptmanns oder Majors schließen, der in verschiedenen Kampfzonen des Ersten Weltkriegs eingesetzt war. Die Verleihung sowohl bayerischer als auch sächsischer Auszeichnungen sowie von Ehrungen aus der Hansestadt Bremen und dem Großherzogtum Hessen deutet auf einen Dienst in kombinierten Operationen oder den Einsatz an mehreren Frontabschnitten hin, wo die Kontingente verschiedener deutscher Bundesstaaten zusammenwirkten.

Herstellung und Verwendung

Miniaturketten wurden von verschiedenen Juwelieren und Ordensmanufakturen in Deutschland gefertigt. Zu den bekannten Herstellern einzelner Miniaturen gehörten Weiss & Co. (München), J. Godet & Sohn (Berlin), Scharffenberg (Dresden), Alfred Roesner (Dresden), Gebr. Hemmerle (München) und Jacob Leser (Straubing). Die einzelnen Miniaturen maßen typischerweise etwa 16 mm im Durchmesser und waren aus Silber (mit Feingehaltsstempeln 900 oder 950), vergoldetem Silber oder Gold gefertigt, häufig mit Emaillearbeiten verziert. Die verbindende Kette bestand in der Regel aus Silber oder versilbertem Metall.

Nachwirkungen und Sammlerwert

Mit dem Ende des Deutschen Kaiserreichs und der Abdankung der Monarchien am 13. November 1918 wurden sämtliche kaiserlichen Orden und Auszeichnungen eingestellt. Veteranen trugen ihre Auszeichnungen, einschließlich der Miniaturketten, jedoch weiterhin bei Veteranentreffen und Gedenkveranstaltungen während der Weimarer Republik (1919–1933). Nach 1945 wurde das Tragen kaiserlich-deutscher Auszeichnungen als historische Gegenstände gestattet. Heute sind Miniaturketten begehrte Sammlerstücke, deren Wert sich aus ihrer handwerklichen Qualität, ihrer historischen Bedeutung und ihrer Verbindung zur individuellen Dienstgeschichte eines Offiziers ergibt. Die Authentizität wird anhand der Konstruktion, der Emaillearbeit, der Herstellermarken und der zeitgenössischen Materialien bestimmt.