Preußen Paar Schulterstücke für einen Oberleutnant im Infanterie-Regiment Prinz Friedrich der Niederlande (2. Westfälisches) Nr. 15

Standort Minden, um 1910. Blaue Tuchunterlage. Zustand 2.

Kann so auch in der Elsässischen Train-Abteilung Nr. 15, in Straßburg, getragen worden sein.
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120,00

Preußen Paar Schulterstücke für einen Oberleutnant im Infanterie-Regiment Prinz Friedrich der Niederlande (2. Westfälisches) Nr. 15

Die vorliegenden Schulterstücke repräsentieren ein wichtiges Element der preußischen Militäruniform aus der späten Kaiserzeit, etwa um 1910. Sie gehörten zu einem Oberleutnant des Infanterie-Regiments Prinz Friedrich der Niederlande (2. Westfälisches) Nr. 15 mit Standort in Minden oder möglicherweise zur Elsässischen Train-Abteilung Nr. 15 in Straßburg.

Das Infanterie-Regiment Nr. 15 war eine traditionsreiche Einheit der preußischen Armee, die ihre Wurzeln bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgen konnte. Im Jahr 1813 wurde das Regiment als 15. Infanterie-Regiment formiert und erhielt 1860 den Ehrennamen “Prinz Friedrich der Niederlande”, benannt nach dem niederländischen Prinzen Friedrich, der eine enge Verbindung zum preußischen Königshaus hatte. Die Bezeichnung “2. Westfälisches” verwies auf die regionale Rekrutierung und Stationierung der Einheit in der Provinz Westfalen.

Die blaue Tuchunterlage der Schulterstücke ist ein charakteristisches Merkmal der Infanterie in der preußischen Armee. Gemäß der Uniformordnung von 1899 und den nachfolgenden Anpassungen trugen verschiedene Waffengattungen unterschiedliche Waffenfarben: Die Infanterie war durch die Farbe Weiß gekennzeichnet, während die blaue Unterlage auf die Grundfarbe des Waffenrocks verwies. Die Schulterstücke selbst waren mit goldenen oder silbernen Tressen versehen, je nach Rangstufe des Trägers.

Ein Oberleutnant war ein Offiziersrang zwischen Leutnant und Hauptmann. Die Schulterstücke eines Oberleutnants unterschieden sich von denen niedrigerer Ränge durch spezifische Details in der Anzahl und Anordnung der Sterne sowie der Tressengestaltung. Nach der Adjustierungsvorschrift der kaiserlichen Armee trugen Oberleutnante auf ihren Schulterstücken charakteristische Rangabzeichen, die ihre Position in der militärischen Hierarchie deutlich machten.

Die Stationierung des Regiments in Minden, einer strategisch wichtigen Stadt an der Weser, hatte historische Bedeutung. Minden war seit Jahrhunderten Garnisonsstadt und spielte eine wichtige Rolle in der preußischen Militärorganisation. Das Regiment war Teil des VII. Armeekorps mit Hauptquartier in Münster und gehörte damit zur westlichen Verteidigungsstruktur des Deutschen Kaiserreichs.

Besonders interessant ist der Hinweis, dass identische Schulterstücke auch bei der Elsässischen Train-Abteilung Nr. 15 in Straßburg getragen werden konnten. Der Train war für Transport und Logistik zuständig und trug ebenfalls blaue Waffenfarbe. Nach der Annexion des Elsass 1871 wurden dort mehrere deutsche Militäreinheiten stationiert, darunter die Train-Abteilung Nr. 15. Dies zeigt die Standardisierung der preußischen Uniformvorschriften über verschiedene Waffengattungen hinweg.

Die Zeit um 1910 war eine Periode der Modernisierung und Reform in der deutschen Armee. Unter Kaiser Wilhelm II. wurde die Armee kontinuierlich ausgebaut und professionalisiert. Die Uniformen und Rangabzeichen wurden mehrfach angepasst, wobei man versuchte, Tradition und moderne militärische Anforderungen in Einklang zu bringen. Die Felddienstuniform wurde zunehmend praktischer gestaltet, während die Paradeuniform mit ihren aufwendigen Schulterstücken und Abzeichen weiterhin der Repräsentation diente.

Schulterstücke wie diese wurden in spezialisierten Militäreffektenfabriken hergestellt und mussten strengen Qualitätsstandards entsprechen. Die Offiziere waren oft selbst für die Beschaffung ihrer Uniformteile verantwortlich und bezogen diese von zugelassenen Hoflieferanten. Die Handwerkskunst und die Verwendung hochwertiger Materialien spiegeln den Status und die Würde des Offizierskorps wider.

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 änderte sich die Bedeutung solcher Paradeuniformteile dramatisch. Die praktischen Anforderungen des modernen Krieges führten zur Einführung feldgrauer Uniformen ohne aufwendige Verzierungen. Das Infanterie-Regiment Nr. 15 nahm an zahlreichen Schlachten des Ersten Weltkriegs teil und erlitt dabei erhebliche Verluste. Nach der deutschen Niederlage 1918 und der Auflösung der kaiserlichen Armee wurden diese Regimenter nicht mehr in der Reichswehr weitergeführt.

Heute sind solche Schulterstücke wichtige Zeugnisse der preußisch-deutschen Militärgeschichte und werden von Sammlern und Museen gleichermaßen geschätzt. Sie dokumentieren nicht nur die militärische Hierarchie und Organisation, sondern auch die handwerkliche Qualität und die ästhetischen Vorstellungen der Kaiserzeit. Der gute Erhaltungszustand solcher Stücke ermöglicht es Historikern und Interessierten, die materielle Kultur des deutschen Offizierskorps im frühen 20. Jahrhundert zu studieren.

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