Sachsen Königreich Friedrich August Medaille in Silber
Die Friedrich-August-Medaille in Silber repräsentiert ein wichtiges Kapitel der sächsischen Militärgeschichte und dokumentiert das ausgefeilte Ehrungssystem des Königreichs Sachsen in den letzten Jahren der Monarchie. Als eine der am häufigsten verliehenen Auszeichnungen des Königreichs war sie sowohl während des Friedens als auch im Ersten Weltkrieg ein bedeutendes Zeichen der Anerkennung für militärisches und ziviles Personal.
König Friedrich August III. von Sachsen stiftete die Medaille am 23. April 1905, im zweiten Jahr seiner Regentschaft, die von 1904 bis zur Revolution von 1918 dauerte. Die Auszeichnung fügte sich in das komplexe sächsische Ordenssystem ein und positionierte sich unterhalb der prestigeträchtigen Militär-St.-Heinrichs-Dekorationen als weitverbreitete Anerkennung für niedere Dienstgrade. Sachsen bewahrte als Gliedstaat des Deutschen Kaiserreichs sein eigenes Militärauszeichnungssystem, was die besondere Stellung des Königreichs innerhalb des Reichsverbandes unterstreicht.
Die Medaille wurde in zwei Klassen verliehen: Bronze für Mannschaftsdienstgrade bis zum Gefreiten und Silber ab dem Unteroffizier aufwärts. Das Verleihungskriterium war die “Anerkennung verdienstvoller Leistungen an Personal vom Feldwebel abwärts und an Zivilpersonen entsprechenden Ranges in Krieg und Frieden”. Höhere Dienstgrade erhielten stattdesen die Militär-St.-Heinrichs-Medaille oder den entsprechenden Orden. Eine bemerkenswerte Erweiterung erfolgte am 8. April 1910, als auch Frauen für die Auszeichnung zugelassen wurden.
Die physische Gestaltung der Medaille folgte klassischen heraldischen Prinzipien. Die runde Medaille mit erhabenem Rand und kugelförmiger Aufhängeöse misst etwa 28 mm im Durchmesser. Die Vorderseite zeigt das gekrönte und verschlungene Monogramm “F A R” (Friedrich August Rex), umgeben von einem offenen, unten gebundenen Lorbeerkranz. Die Rückseite trägt die zweizeilige Inschrift “FRIEDRICH AUGUST-MEDAILLE” mit dekorativen Ornamenten aus Rautenblättern des sächsischen Wappens darüber und darunter. Die Prägestempel entwarf Max Barduleck, Medailleur der Sächsischen Staatsmünze.
Die Produktion der Medaille durchlief verschiedene Phasen. Von 1905 bis 1907 fertigte G.A. Scharffenberg in Dresden die Auszeichnungen, ab 1908 übernahm die Königlich Sächsische Münzprägestätte in Muldenhütten die Herstellung. Reguläre Silbermedaillen wurden aus massivem Silber mit einem Gewicht von 12,5 g geprägt. Bis 1918 produzierte die Münzstätte in Muldenhütten 90.400 Silbermedaillen und 240.750 Bronzemedaillen. Die Materialknappheit des Krieges führte 1918 zur Produktion von 11.500 zusätzlichen Bronzemedaillen aus bronziertem Eisen. Neben den regulären Ausführungen existieren auch versilberte Bronzemedaillen als Varianten.
Die Trageweise unterschied zwischen Geschlechtern: Männer trugen die Medaille an einem Band auf der linken Brust, während Frauen sie an einer Schleife befestigten. Das Band selbst änderte sich mit dem historischen Kontext. Die Friedensbandversion (1905-1914) zeigte ein gelbes Band mit schwarzen Seitenstreifen und einem schmalen schwarzen Mittelstreifen. Die Kriegsbandversion (1914-1918) wies ein gelbes Band mit hellblauen Seitenstreifen auf.
Während des Ersten Weltkriegs wurde die Friedrich-August-Medaille extensiv an sächsische Truppen verliehen, die in der Kaiserlichen Deutschen Armee dienten. Am 22. Mai 1916 führte das Königreich spezielle Spangen für besondere Kriegsverdienste an der Heimatfront ein. Diese trugen die Inschriften “Weltkrieg 1914-16” oder “Weltkrieg 1914-18” und waren für Männer rechteckig, für Frauen in Eichenlaubform gestaltet. Insgesamt wurden 449 Silbermedaillen mit Spange an Frauen verliehen.
Nach dem Ende der Monarchie 1918 und der Abdankung Friedrich Augusts III. wurden keine neuen Friedrich-August-Medaillen mehr verliehen. Bestehende Auszeichnungen durften jedoch weitergetragen werden, was ihre Bedeutung als persönliche Ehrungen unterstrich. Während der Weimarer Republik und später des Dritten Reiches entwickelte sich ein Sammlermarkt für diese historischen Dekorationen. Heute sind sie gefragte Sammlerstücke, die wichtige Zeugnisse sächsischer und deutscher Geschichte darstellen.