WHW - Gau 1 : Baden - 2. WHW 1934/35 " Adventssammlung " 02.12.1934

Konvolut von 8 handgeschnitzten Holzabzeichen, Schrift waagerechte und senkrechte Schrift, dickes und dünnes Holz, mit und ohne Nadel, Zustand 2.
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35,00

WHW - Gau 1 : Baden - 2. WHW 1934/35 " Adventssammlung " 02.12.1934

Die vorliegenden handgeschnitzten Holzabzeichen gehören zu einem der bedeutendsten sozialpolitischen Programme des nationalsozialistischen Deutschlands: dem Winterhilfswerk des Deutschen Volkes (WHW). Diese spezielle Sammlung stammt aus dem Gau Baden und wurde anlässlich der Adventssammlung am 2. Dezember 1934 im Rahmen des zweiten WHW-Jahres 1934/35 ausgegeben.

Das Winterhilfswerk wurde offiziell am 13. September 1933 durch Reichspropagandaminister Joseph Goebbels ins Leben gerufen. Die Organisation sollte angeblich bedürftigen "Volksgenossen" während der Wintermonate mit Lebensmitteln, Kohle, Kleidung und anderen lebensnotwendigen Gütern helfen. In Wirklichkeit diente das WHW vor allem als Propagandainstrument zur Demonstration der vermeintlichen "Volksgemeinschaft" und zur Kontrolle der Bevölkerung. Die Teilnahme war offiziell freiwillig, doch faktisch bestand ein enormer sozialer Druck zur Beteiligung.

Die Spendenabzeichen spielten eine zentrale Rolle im WHW-System. Gegen eine Spende erhielten die Bürger kleine Anstecknadeln, Plaketten oder wie in diesem Fall handgeschnitzte Holzabzeichen, die öffentlich sichtbar am Revers getragen werden sollten. Wer kein Abzeichen trug, machte sich verdächtig, nicht zur "Volksgemeinschaft" zu gehören, und musste mit Sanktionen rechnen. Die Abzeichen wurden zu verschiedenen Anlässen und in thematischen Serien ausgegeben, wobei monatlich neue Motive erschienen.

Das Jahr 1934/35 markierte erst das zweite offizielle WHW-Jahr, in dem die Organisation ihre Strukturen noch aufbaute und verfeinerte. Die regionalen Gaue spielten dabei eine wichtige organisatorische Rolle. Gau Baden, mit seiner Hauptstadt Karlsruhe, war einer der 43 NSDAP-Gaue und umfasste im Wesentlichen das Gebiet des historischen Landes Baden. Gauleiter Robert Wagner leitete den Gau von 1925 bis 1945.

Die Adventssammlung war eine der zahlreichen Sondersammlungen, die zusätzlich zu den regulären Straßensammlungen durchgeführt wurden. Die Adventszeit bot sich besonders an, um an die christliche Tradition der Nächstenliebe und an das vorweihnachtliche Spendenverhalten der Bevölkerung anzuknüpfen. Die Nationalsozialisten instrumentalisierten geschickt traditionelle Feste und Bräuche für ihre Zwecke.

Die handgeschnitzten Holzabzeichen aus diesem Konvolut sind besonders bemerkenswert. Sie zeigen die Vielfalt der Herstellung in dieser frühen WHW-Phase: unterschiedliche Schriftausrichtungen (waagerecht und senkrecht), verschiedene Holzstärken (dick und dünn) sowie unterschiedliche Ausführungen (mit und ohne Befestigungsnadel). Diese Variationen deuten darauf hin, dass die Produktion noch nicht vollständig standardisiert war und möglicherweise von verschiedenen lokalen Handwerkern oder Werkstätten durchgeführt wurde.

Holz als Material war in den frühen WHW-Jahren besonders beliebt, da es kostengünstig war und gleichzeitig eine Verbindung zu traditionellem Handwerk und "deutscher Volkskunst" herstellte. Die handgeschnitzte Ausführung verlieh den Abzeichen einen individuellen, volksnahen Charakter, der die propagandistische Botschaft der "Volksgemeinschaft" unterstreichen sollte.

Im Laufe der Jahre entwickelte sich das WHW zu einer gigantischen Organisation. Zwischen 1933 und 1945 wurden Milliarden Reichsmark gesammelt. Die Abzeichen wurden zu begehrten Sammelobjekten, und es entstanden umfangreiche Serien mit Tausenden verschiedener Motive – von regionalen Trachten über historische Persönlichkeiten bis hin zu Märchenfiguren und Tierdarstellungen.

Aus heutiger geschichtswissenschaftlicher Perspektive sind WHW-Abzeichen wichtige Quellen für die Erforschung der nationalsozialistischen Propagandamethoden und der Alltagsgeschichte im Dritten Reich. Sie dokumentieren, wie das Regime versuchte, durch scheinbar harmlose Sammelaktionen die Bevölkerung zu mobilisieren, soziale Kontrolle auszuüben und gleichzeitig eine Fassade von Fürsorge und Gemeinschaft aufrechtzuerhalten.

Die vorliegenden Abzeichen aus der frühen Phase von 1934/35 sind historisch besonders wertvoll, da sie die Anfänge eines Systems dokumentieren, das sich zu einem der charakteristischsten Instrumente nationalsozialistischer Herrschaftspraxis entwickeln sollte.