Wehrmacht Heer (WH) Extraseitengewehr mit einseitiger Klingenätzung .

Ausführung mit langer Klinge von "Original Eickhorn Solingen", Kartusche mit Eichenlaub, Doppeladler und "Zur Erinnerung an meine Dienstzeit", Zinkgefäß mit nahezu 100% der Vernickelung, intakte Griffschalen aus gewaffeltem Kunststoff, rückseitig die Auswirkung der Hitze zusehen, Stahlnieten, Stahlscheide mit etwa 95% des Originallackes, leichte Trage- und Altersspuren. Zustand 2
482678
1.150,00

Wehrmacht Heer (WH) Extraseitengewehr mit einseitiger Klingenätzung .

Das Extraseitengewehr der Wehrmacht stellt eine besondere Kategorie innerhalb der deutschen Militärblankwaffen des Zweiten Weltkriegs dar. Im Gegensatz zu den standardmäßigen Dienstseitengewehren handelte es sich hierbei um privat beschaffte Exemplare, die von Soldaten auf eigene Kosten erworben wurden und häufig eine persönliche Widmung trugen.

Die Tradition personalisierter Seitengewehre reichte in der deutschen Militärgeschichte bis ins Kaiserreich zurück. Während der Weimarer Republik und insbesondere in der Zeit des Nationalsozialismus erfreuten sich diese Extraseitengewehre großer Beliebtheit bei Unteroffizieren und Mannschaften des Heeres. Die typische Gravur “Zur Erinnerung an meine Dienstzeit” verdeutlicht den persönlichen Erinnerungscharakter dieser Waffen.

Das vorliegende Exemplar wurde von der renommierten Solinger Firma Original Eickhorn gefertigt. Die Firma Carl Eickhorn gehörte zu den bedeutendsten deutschen Blankwaffenherstellern und belieferte seit dem 19. Jahrhundert deutsche Streitkräfte. In den 1930er und 1940er Jahren produzierte Eickhorn sowohl standardisierte Dienstwaffen als auch diese privat zu erwerbenden Extraseitengewehre.

Die charakteristische Kartuschenätzung mit Eichenlaub und Doppeladler folgte den ikonografischen Traditionen deutscher Militaria. Der Doppeladler, ein historisches Symbol deutscher Staatlichkeit, wurde häufig in Verbindung mit Eichenlaub dargestellt, das Stärke und Beständigkeit symbolisierte. Diese Verzierungen wurden mittels eines Ätzverfahrens in die Klinge eingebracht, wobei Säure die ungeschützten Bereiche des Stahls angriff und so das gewünschte Muster hinterließ.

Das Zinkgefäß mit Vernickelung war typisch für Seitengewehre dieser Periode. Zink bot eine kostengünstige Alternative zu Messing, während die Vernicklung sowohl Schutz vor Korrosion bot als auch die gewünschte silbrige Optik erzeugte. Die Verwendung von gewaffeltem Kunststoff für die Griffschalen entspricht den Materialstandards der späten 1930er und frühen 1940er Jahre, als traditionelle Materialien wie Hirschhorn zunehmend durch moderne Kunststoffe ersetzt wurden.

Besonders interessant sind die Spuren thermischer Einwirkung an der Rückseite der Griffschalen. Solche Hitzeeinwirkungen können auf verschiedene Kriegsumstände zurückzuführen sein: Brände, Explosionen oder extreme Lagerungsbedingungen während der Kampfhandlungen oder in der unmittelbaren Nachkriegszeit. Diese physischen Zeugnisse verleihen dem Objekt eine zusätzliche historische Dimension.

Die Stahlscheide mit ihrem hohen Erhaltungsgrad des Originallacks ist bemerkenswert, da viele dieser Scheiden im Laufe der Jahrzehnte durch Korrosion oder mechanische Beschädigungen gelitten haben. Der schwarze Lack diente nicht nur der Ästhetik, sondern vor allem dem Korrosionsschutz des Stahlblechs.

Nach den geltenden Bestimmungen der Wehrmacht war das Tragen von Extraseitengewehren grundsätzlich gestattet, sofern diese den allgemeinen Formvorschriften entsprachen. Die Entscheidung, ein solches privates Seitengewehr anzuschaffen, war oft auch Ausdruck von Korpsgeist und militärischer Tradition. Für viele Soldaten stellte dieses personalisierte Ausrüstungsstück eine wichtige Verbindung zu ihrer Dienstzeit dar.

Im größeren Kontext der Militärgeschichte dokumentieren solche Objekte nicht nur die materielle Kultur der Wehrmacht, sondern auch die individuellen Schicksale der Männer, die sie trugen. Als Studienobjekte bieten sie Einblicke in Herstellungstechniken, Materialverwendung und die symbolische Bedeutung militärischer Ausrüstung im Deutschland der 1930er und 1940er Jahre.

Heute sind gut erhaltene Extraseitengewehre geschätzte Sammlerobjekte, die sowohl wegen ihrer handwerklichen Qualität als auch ihrer historischen Bedeutung erforscht werden. Sie dokumentieren ein spezifisches Kapitel deutscher Militärgeschichte und stehen als materielle Zeugnisse einer vergangenen Epoche.