Bayern Infanterie Offizierssäbel (IOS) 55 .

Leicht gekrümmte Klinge mit beidseitig geätztem Treue-Bandeau, auf der Fehlschärfe das Herstellerzeichen von "Clemen & Jung Solingen", Messinggefäß mit Resten von Vergoldung, schwarzer Kunststoffgriff mit inkompletter Drahtwicklung, schwarze Stahlscheide mit gut 90% des Originallackes, normale Alters- und Gebrauchsspuren, gute Erhaltung. Zustand 2-
501079
450,00

Bayern Infanterie Offizierssäbel (IOS) 55 .

Der bayerische Infanterie-Offiziersäbel Modell 1889 repräsentiert eine bedeutende Epoche der deutschen Militärgeschichte und verkörpert die militärische Tradition des Königreichs Bayern innerhalb des Deutschen Kaiserreichs. Dieser Säbeltyp wurde nach der Reichsgründung von 1871 eingeführt und blieb bis zum Ende der Monarchie 1918 im Gebrauch.

Die Entwicklung dieses Säbeltyps ist eng mit den militärischen Reformen des späten 19. Jahrhunderts verbunden. Nach der Gründung des Deutschen Kaiserreichs behielt Bayern, als zweitgrößter Bundesstaat, weitgehende militärische Autonomie. Die Bayerische Armee unterhielt eigene Uniformvorschriften und Ausrüstungsstandards, die sich in Details von denen der preußischen Armee unterschieden. Der Infanterie-Offiziersäbel war nicht nur eine Waffe, sondern vor allem ein Statussymbol und Rangabzeichen für Offiziere der bayerischen Infanterie.

Die charakteristische leicht gekrümmte Klinge folgt dem typischen Design der deutschen Offiziersäbel dieser Periode. Das beidseitig geätzte Treue-Bandeau ist ein besonders bedeutsames Element, das die Loyalität zum bayerischen Königshaus symbolisierte. Solche Ätzungen waren kunstvoll gestaltet und enthielten oft Mottoe, königliche Monogramme oder patriotische Symbole. Die Fehlschärfe, die ungeschliffene Rückseite der Klinge, bot idealen Raum für die Herstellerkennzeichnung.

Der Hersteller Clemen & Jung aus Solingen war eine renommierte Firma in der berühmten Klingenstadt. Solingen hatte seit dem Mittelalter eine herausragende Stellung in der europäischen Waffenproduktion und war im Kaiserreich das Zentrum der deutschen Blankwaffenherstellung. Die Firma Clemen & Jung gehörte zu den zahlreichen Qualitätsherstellern, die militärische Aufträge für verschiedene deutsche Staaten ausführten. Die Solinger Klingenschmiede waren für ihre hochwertige Stahlverarbeitung und kunstvolle Dekoration bekannt.

Das Messinggefäß mit Resten von Vergoldung entspricht den zeitgenössischen Vorschriften für Offiziersäbel. Die Vergoldung war ein Zeichen des Offiziersrangs und unterschied diese Waffen von den einfacheren Ausführungen für Unteroffiziere. Das Gefäß umfasste typischerweise einen Bügel, Parierstangen und oft einen Korb zum Schutz der Hand. Die Verwendung von Messing ermöglichte kunstvolle Verzierungen und war gleichzeitig praktisch in der Pflege.

Der schwarze Kunststoffgriff ist ein interessantes Detail, das auf eine Modernisierung oder Ersatz des ursprünglichen Materials hinweist. Frühe Modelle hatten oft Griffe aus Holz, Bein oder Horn, die mit Draht umwickelt wurden. Die Drahtwicklung diente nicht nur der Dekoration, sondern vor allem dem sicheren Halt der Waffe. Die schwarze Färbung entsprach den bayerischen Uniformvorschriften, die sich von den weißen oder silbernen Elementen der preußischen Armee unterschieden.

Die schwarze Stahlscheide mit gut erhaltener Originallackierung ist ein besonders wertvolles Merkmal. Scheiden wurden üblicherweise lackiert, um Korrosion zu verhindern. Der hohe Erhaltungsgrad des Lacks deutet auf sorgfältige Aufbewahrung hin. Die Scheide war mit Beschlägen versehen, die das Tragen am Wehrgehänge ermöglichten. Die schwarze Farbe war charakteristisch für bayerische Offiziersäbel und unterschied sie von den oft gebläuten oder vernickelten preußischen Ausführungen.

Im militärischen Kontext hatte der Offiziersäbel gegen Ende des 19. Jahrhunderts bereits seine Bedeutung als Kampfwaffe weitgehend verloren. Mit der Entwicklung moderner Feuerwaffen wurde der Säbel primär zum Parade- und Zeremoniengegenstand. Dennoch war er unverzichtbarer Bestandteil der Offiziersuniform und wurde bei Paraden, Wachaufzügen und offiziellen Anlässen getragen. Er symbolisierte die militärische Ehre und die Führungsverantwortung des Offiziers.

Die bayerische Militärtradition endete mit der Novemberrevolution 1918 und der Abdankung König Ludwigs III. Die Bayerische Armee wurde aufgelöst und in die Reichswehr integriert. Viele Offiziere behielten ihre Säbel als persönliche Erinnerungsstücke. Diese Waffen wurden zu wichtigen Zeugnissen einer untergegangenen Epoche und sind heute gesuchte Sammlerobjekte.

Für Sammler und Historiker bieten solche Säbel wertvolle Einblicke in die Militärgeschichte, Handwerkskunst und gesellschaftliche Strukturen des Kaiserreichs. Die Kombination aus Solinger Qualitätsarbeit und bayerischer Militärtradition macht diese Stücke zu bedeutenden Dokumenten deutscher Geschichte. Der Erhaltungszustand und die Vollständigkeit mit Originalscheide erhöhen den historischen und sammlerischen Wert erheblich.