III. Reich - DAF - Sportappell der Betriebe 1938 und 1939 - Konvolut von 7 Kunststoffabzeichen
Die vorliegende Sammlung von sieben Kunststoffabzeichen repräsentiert ein faszinierendes Kapitel der nationalsozialistischen Arbeitspolitik und Freizeitgestaltung während der späten 1930er Jahre. Diese Abzeichen wurden anlässlich des Sportappells der Betriebe in den Jahren 1938 und 1939 von der Deutschen Arbeitsfront (DAF) ausgegeben, einer der größten Massenorganisationen des Dritten Reiches.
Die Deutsche Arbeitsfront wurde am 10. Mai 1933 nach der Zerschlagung der freien Gewerkschaften gegründet und entwickelte sich unter der Leitung von Robert Ley zur bedeutendsten Arbeitsorganisation des NS-Regimes. Mit über 25 Millionen Mitgliedern bis 1939 umfasste die DAF nahezu alle arbeitenden Deutschen. Ihre Aufgabe bestand nicht nur in der Regulierung der Arbeitsbedingungen, sondern vor allem in der ideologischen Durchdringung und Kontrolle der Arbeiterschaft.
Der Sportappell der Betriebe war Teil des umfassenden Programms “Kraft durch Freude” (KdF), das 1933 als Unterorganisation der DAF ins Leben gerufen wurde. Die NS-Führung erkannte früh die Bedeutung der Freizeitgestaltung für die ideologische Formung und körperliche Ertüchtigung der Bevölkerung. Sport wurde dabei als Mittel zur Stärkung der “Volksgemeinschaft” und zur paramilitärischen Vorbereitung instrumentalisiert.
Die Sportappelle der Betriebe fanden in den Jahren 1938 und 1939 in einer Zeit statt, als das NS-Regime seine Rüstungsanstrengungen massiv intensivierte. Die körperliche Fitness der Arbeiterschaft wurde als kriegswichtig erachtet. Diese Veranstaltungen dienten mehreren Zwecken: Sie sollten den Gemeinschaftsgeist fördern, die körperliche Leistungsfähigkeit steigern und die ideologische Bindung an das Regime verstärken.
Die hier vorliegenden Abzeichen wurden von der Firma Richard Sieper & Söhne aus Lüdenscheid hergestellt, einem bedeutenden Produzenten von NS-Abzeichen und Ehrenzeichen. Die Herstellermarkierung RZM M9/25 verweist auf die Reichszeugmeisterei (RZM), die zentrale Beschaffungs- und Prüfstelle der NSDAP. Die RZM wurde 1929 gegründet und kontrollierte die Herstellung und den Vertrieb sämtlicher Uniformen, Abzeichen und Ausrüstungsgegenstände der Partei und ihrer Gliederungen. Jeder zugelassene Hersteller erhielt eine eindeutige RZM-Nummer, was eine Qualitätskontrolle und Standardisierung gewährleisten sollte.
Die Verwendung von Kunststoff als Material für diese Abzeichen ist zeithistorisch bemerkenswert. In den späten 1930er Jahren entwickelte sich die deutsche Chemieindustrie zu einem Weltführer in der Kunststoffproduktion. Angesichts der autarkiepolitischen Bestrebungen des NS-Regimes und der zunehmenden Rohstoffknappheit wurden traditionelle Materialien wie Bronze oder Buntmetalle zunehmend durch Kunststoffe ersetzt. Dies galt besonders für Massenprodukte wie Sportabzeichen, bei denen Metalllegierungen für wichtigere militärische Zwecke eingespart werden sollten.
Die Jahre 1938 und 1939 markieren eine entscheidende Wendephase in der Geschichte des Dritten Reiches. Nach dem Anschluss Österreichs im März 1938, der Besetzung des Sudetenlandes im Herbst 1938 und der Zerschlagung der Rest-Tschechoslowakei im März 1939 trieb das Regime unaufhaltsam auf den Krieg zu. Der Überfall auf Polen am 1. September 1939 bedeutete den Beginn des Zweiten Weltkriegs. In diesem Kontext erhielten alle Maßnahmen zur körperlichen Ertüchtigung der Bevölkerung eine unmittelbar kriegsvorbereitende Dimension.
Die Nadelbefestigung dieser Abzeichen war die übliche Tragweise für solche Auszeichnungen. Sie wurden an der Zivilkleidung oder Arbeitskleidung getragen und dienten als sichtbares Zeichen der Teilnahme an den betrieblichen Sportveranstaltungen. Für die Träger bedeuteten diese Abzeichen nicht nur eine persönliche Auszeichnung, sondern auch ein Bekenntnis zur “Volksgemeinschaft” und zum NS-System.
Aus heutiger Sicht sind solche Objekte wichtige Zeugnisse der Alltagsgeschichte des Nationalsozialismus. Sie dokumentieren, wie das Regime versuchte, alle Lebensbereiche zu durchdringen und zu kontrollieren – selbst die Freizeitgestaltung und den Sport wurden für ideologische und militärische Zwecke instrumentalisiert. Die Massenproduktion solcher Abzeichen zeigt auch die Bedeutung von Symbolik und visuellen Erkennungszeichen in der NS-Herrschaft.
Das Konvolut von sieben Abzeichen deutet darauf hin, dass eine Person über zwei Jahre hinweg an verschiedenen Sportveranstaltungen teilgenommen hat oder dass es sich um eine Sammlung aus einem betrieblichen Kontext handelt. Der angegebene Zustand 2 entspricht in der numismatischen und militärischen Bewertungsskala einem sehr guten Erhaltungszustand mit minimalen Gebrauchsspuren.