III. Reich Reichsbund Deutsche Jägerschaft ( RDJ ) Hermann Göring - in Silber gefasste Bein-Schnupftabakdose

Ca. 80 x 40 mm. Vorder- und rückseitig zwei maßgefertigte Silberplatten mit dem aufgelegten Hirschgeweih über Bandeau "DJ" der Deutschen Jägerschaft, das separat aufgelegte Hakenkreuz zwischen den Geweihstangen aus Gold, bzw. aufgelegtem Eichenlaubdekor mit Silber vergoldetem, vakantem Monogrammmedaillon. Rückseitig gravierte Mutter aus Silber zum Abnehmen der Rückplatte und Befüllen des ausgehöhlten Inneren. Oberseitig verschraubte Silberöffnung, der silberne Verschlussstopfen mit reliefierten Hakenkreuzen. Unterseitig eine verschraubte, silberne Ziereichel. Ohne Punzen. Gesamthöhe 78 mm, Segmentstärke 20 mm. Hochwertige Arbeit, das vakante Monogrammmedaillon spricht für ein wohl nicht mehr verausgabtes Ehrengeschenk Hermann Görings in seiner Funktion als Reichsjägermeister. Zustand 2.
311779
4.500,00

III. Reich Reichsbund Deutsche Jägerschaft ( RDJ ) Hermann Göring - in Silber gefasste Bein-Schnupftabakdose

Diese silbergefasste Schnupftabakdose aus Bein repräsentiert ein außergewöhnliches Beispiel der aufwendigen Ehrengeschenke, die Hermann Göring in seiner Eigenschaft als Reichsjägermeister für verdiente Persönlichkeiten des Jagdwesens und der nationalsozialistischen Führungsriege in Auftrag gab. Das besondere historische Interesse dieses Objekts liegt in dem vakanten, also nie beschrifteten Monogrammmedaillon, das darauf hindeutet, dass dieses kostbare Präsent niemals seinem vorgesehenen Empfänger überreicht wurde.

Der Reichsbund Deutsche Jägerschaft (RDJ) wurde am 3. Juli 1934 durch das Reichsjagdgesetz als Körperschaft des öffentlichen Rechts gegründet. Mit dieser Gründung vollzog das nationalsozialistische Regime die vollständige Gleichschaltung des deutschen Jagdwesens. Sämtliche bestehenden Jagdvereine wurden aufgelöst, ihre Mitglieder in den RDJ überführt. Die Mitgliedschaft im RDJ war für alle Inhaber eines Jagdscheins im Deutschen Reich verpflichtend. Hermann Göring wurde 1934 zum Reichsjägermeister ernannt und übte dieses Amt bis 1945 aus. Als passionierter Jäger nutzte Göring diese Position, um das deutsche Jagdwesen unter zentraler nationalsozialistischer Kontrolle zu organisieren.

Die Organisation propagierte eine “ethische” Jagdkultur und Wildtierpflege nach nationalsozialistischer Ideologie. Gleichzeitig wurden Juden systematisch von der Mitgliedschaft ausgeschlossen. Die Deutsche Jägerschaft verwendete das traditionelle Symbol des Hirschgeweihs, das jedoch nach 1933 durch die Hinzufügung eines Hakenkreuzes zwischen den Geweihstangen und des Bandeaus mit der Aufschrift “DJ” darunter ideologisch vereinnahmt wurde. Diese nazifizierte Symbolik findet sich auch auf der vorliegenden Schnupftabakdose wieder, wobei das Hakenkreuz zwischen den Geweihstangen aus Gold separat aufgelegt wurde.

Göring ließ zahlreiche prachtvolle Ehrengeschenke durch bevorzugte Kunsthandwerker, insbesondere den Goldschmied Professor Herbert Zeitner, für seinen engeren Kreis, hohe Jagdfunktionäre und führende Nationalsozialisten anfertigen. Dokumentierte Empfänger ähnlicher Jagdgeschenke Görings waren unter anderem Franz Ritter von Epp, der bayerische Landesjägermeister, der 1938 einen Jagddolch erhielt, sowie Friedrich Karl Florian, Gauleiter von Düsseldorf, dem 1939 eine silberne Plakette überreicht wurde. Weitere Empfänger umfassten verschiedene Gau- und Kreisjägermeister sowie hochrangige NS-Funktionäre.

Die vorliegende Schnupftabakdose weist eine außerordentlich hochwertige handwerkliche Ausführung auf. Das ausgehöhlte Bein ist mit maßgefertigten Silberplatten auf Vorder- und Rückseite versehen. Die Rückseite zeigt einen aufgelegten Eichenlaubdekor mit einem silbervergoldeten Monogrammmedaillon, das für die Personalisierung vorgesehen, aber nie graviert wurde. Eine gravierte Mutter aus Silber auf der Rückseite ermöglicht das Abnehmen der Rückplatte und das Befüllen des ausgehöhlten Inneren. Der obere silberne Verschlussstopfen trägt reliefierte Hakenkreuze, während die Unterseite mit einer verschraubten silbernen Ziereichel abschließt. Bemerkenswert ist das Fehlen jeglicher Punzen oder Herstellermarken.

Das vakante Monogrammmedaillon ist von besonderer historischer Bedeutung. Üblicherweise trugen solche Präsente den Namen oder das Monogramm des Empfängers. Das Fehlen dieser Personalisierung legt nahe, dass entweder der vorgesehene Empfänger niemals bestimmt wurde oder dass sich die Umstände so änderten, dass eine Überreichung nicht mehr stattfand. Solche personalisierten Ehrengeschenke wurden nur in sehr begrenzter Stückzahl und jeweils individuell für spezifische Empfänger in Auftrag gegeben.

Nach der deutschen Kapitulation wurde der Reichsbund Deutsche Jägerschaft durch das Kontrollratsgesetz Nr. 2 am 12. Oktober 1945 aufgelöst. Sämtliche Vermögenswerte, Gelder und Archive wurden beschlagnahmt, wobei die meisten organisatorischen Unterlagen bereits während des Krieges vernichtet worden waren. Nach 1945 wurden solche Objekte zu gesuchten Sammlerstücken der Militaria. Das deutsche Jagdwesen wird heute durch den 1949 gegründeten Deutschen Jagdverband organisiert, wobei föderale Jagdgesetze das zentralisierte System der NS-Zeit ersetzt haben.

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