Die Ehrenplakette des Tigerverbandes der Kriegsmarine stellt ein faszinierendes Beispiel für die Auszeichnungspraxis innerhalb kleinerer Marineverbände während des Zweiten Weltkriegs dar. Diese schildförmige Plakette aus Aluminiumguss mit einer Höhe von 60 mm zeigt einen Tigerkopf vor gekreuzten Schwertern und repräsentiert die Tradition der Verbandsabzeichen, die von einzelnen Einheitsführern gestiftet wurden, um die Kameradschaft und den Korpsgeist ihrer Männer zu stärken.
Die Auszeichnung wurde von Kapitänleutnant Hans Bartels gestiftet, dem Führer des Küstensicherungsverbandes der norwegischen Westküste. Bartels, geboren am 15. Februar 1911, war eine bemerkenswerte Persönlichkeit der Kriegsmarine und Kommandant des Minensuchbootes M1. Seine militärische Karriere zeichnete sich durch außergewöhnliche Leistungen in den gefährlichsten maritimen Operationen aus, insbesondere in der Minenräumung und Küstensicherung.
Bartels schuf das Tigerwappen für seinen Verband, das später vom gesamten von ihm geführten Küstensicherungsverband Norwegen übernommen wurde. Die Wahl des Tigers als Symbol war keineswegs zufällig – der Tiger verkörperte Kraft, Entschlossenheit und die Fähigkeit, in feindlichem Terrain zu operieren, Eigenschaften, die für die gefährliche Arbeit der Küstensicherungseinheiten unerlässlich waren.
Am 16. Mai 1940 wurde Bartels mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet, einer der höchsten militärischen Auszeichnungen des Dritten Reiches. Diese Ehrung erhielt er für seine hervorragenden Verdienste während des Polenfeldzuges und seine Einsätze in der vereisten Nordsee beziehungsweise der Deutschen Bucht. Diese Operationen in den eisigen Gewässern der Nordsee während der Wintermonate 1939/1940 waren besonders gefährlich und forderten von den Besatzungen äußerste Disziplin und seemännisches Können.
Der Küstensicherungsverband Norwegen spielte nach der Besetzung Norwegens im April 1940 eine wichtige Rolle bei der Sicherung der ausgedehnten norwegischen Küste. Die Aufgaben umfassten Minenräumung, Geleitschutz, U-Boot-Abwehr und die Überwachung der Küstengewässer gegen alliierte Eindringlinge. Die norwegische Küste mit ihren unzähligen Fjorden, Inseln und schwierigen Navigationsbedingungen stellte besondere Herausforderungen dar.
Verbandsabzeichen und Ehrenplaketten wie die des Tigerverbandes waren während des Zweiten Weltkriegs in der Wehrmacht und besonders in der Kriegsmarine weit verbreitet. Im Gegensatz zu offiziellen staatlichen Auszeichnungen wurden diese Ehrenzeichen oft auf Initiative einzelner Kommandeure gestiftet und innerhalb ihrer Verbände verliehen. Sie dienten dazu, den Zusammenhalt zu stärken und besondere Leistungen anzuerkennen, ohne den formellen Weg über die oberste Heeresleitung gehen zu müssen.
Die Herstellung aus Aluminiumguss war typisch für Verbandsabzeichen dieser Zeit, da Aluminium leicht verfügbar war und sich gut für detaillierte Darstellungen eignete. Die schildförmige Gestaltung folgte der heraldischen Tradition und verlieh dem Abzeichen einen offiziellen, würdevollen Charakter. Die Darstellung des Tigerkopfes vor gekreuzten Schwertern kombinierte Symbolik aus dem Tierreich mit traditionellen militärischen Motiven.
Solche Ehrenplaketten wurden in der Regel in begrenzter Auflage hergestellt und an Angehörige des Verbandes für besondere Verdienste verliehen. Sie konnten auch als Erinnerungsstücke an die gemeinsame Dienstzeit dienen. Die Verleihungskriterien wurden vom jeweiligen Kommandeur festgelegt und konnten von Verband zu Verband variieren.
Die Geschichte des Tigerverbandes und seiner Ehrenplakette illustriert die Bedeutung, die der Korpsgeist und die Einheitsidentität in der Kriegsmarine hatten. In den isolierten und oft gefährlichen Einsatzgebieten wie der norwegischen Küste trugen solche Symbole wesentlich zur Moral und zum Zusammenhalt bei. Sie schufen eine besondere Verbindung zwischen den Männern, die unter extremen Bedingungen zusammen dienten.
Heute sind solche Verbandsabzeichen wichtige militärhistorische Objekte, die Einblick in die interne Organisation, die Auszeichnungspraxis und die symbolische Kultur der Kriegsmarine geben. Sie dokumentieren die Geschichte einzelner Verbände und ihrer Kommandeure und sind wertvolle Zeugnisse der Marinegeschichte des Zweiten Weltkriegs.