Kriegsmarine Kokarde für die Tellermütze für Mannschaften

um 1943/44. Fertigung aus Glas (!), farbig lackiert, rückseitig mit 2 Befestigungssplinten. Ungetragen, Zustand 2. 
469479
20,00

Kriegsmarine Kokarde für die Tellermütze für Mannschaften

Die Kriegsmarine-Kokarde für die Tellermütze der Mannschaften stellt ein faszinierendes Beispiel der deutschen Marineuniformausstattung während des Zweiten Weltkriegs dar. Dieses spezielle Exemplar, gefertigt um 1943/44, dokumentiert die kriegsbedingten Materialengpässe und die daraus resultierenden Produktionsanpassungen in der deutschen Rüstungsindustrie.

Die Kriegsmarine, offiziell am 1. Juni 1935 gegründet, entwickelte eine distinkte Uniformtradition, die auf den Vorbildern der Kaiserlichen Marine aufbaute. Die Kokarde als Hoheitszeichen auf der Tellermütze war ein wesentliches Element der Marineuniformen und diente zur Kennzeichnung der Zugehörigkeit zur deutschen Kriegsmarine.

Besonders bemerkenswert an diesem Stück ist das verwendete Material: Glas. Während in der Vorkriegszeit und den frühen Kriegsjahren Kokarden üblicherweise aus Metall (Aluminium, Zink oder Tombak) gefertigt wurden, zwangen die zunehmenden Rohstoffknappheiten ab 1943 die deutsche Industrie zu Ersatzlösungen. Metalle wurden vorrangig für kriegswichtige Waffen und Ausrüstung benötigt, sodass für Uniformzubehör alternative Materialien verwendet werden mussten.

Die Fertigung aus Glas stellte eine innovative Lösung dar. Das Glas wurde farbig lackiert, um die charakteristischen Farben der Reichskriegsflagge darzustellen: Schwarz-Weiß-Rot mit dem zentralen Hakenkreuz. Die Rückseite dieser Kokarden war mit zwei Befestigungssplinten versehen, die es ermöglichten, das Abzeichen sicher an der Tellermütze zu befestigen.

Die Tellermütze (auch als "Schiffchen" bezeichnet) war die Standard-Kopfbedeckung für Mannschaftsdienstgrade der Kriegsmarine. Sie bestand aus dunkelblauem Tuch und trug auf der Vorderseite die Kokarde sowie das Mützenband mit der Aufschrift der jeweiligen Einheit oder des Schiffes.

Der ungetragene Zustand dieses Exemplars ist besonders bemerkenswert. Viele dieser Kokarden wurden nie ausgegeben oder getragen, da sie entweder in den letzten Kriegsmonaten produziert wurden, als die deutsche Kriegsmarine bereits erhebliche Verluste erlitten hatte, oder weil sie als Ersatzteile gelagert wurden. Die Produktion von Uniformteilen lief teilweise bis zum Kriegsende weiter, obwohl die praktische Notwendigkeit aufgrund der militärischen Lage stark zurückgegangen war.

Die Verwendung von Glas als Material hatte sowohl Vor- als auch Nachteile. Einerseits war Glas in ausreichenden Mengen verfügbar und ließ sich gut bearbeiten und lackieren. Andererseits war es natürlich zerbrechlicher als Metall, was bei militärischer Verwendung ein erheblicher Nachteil sein konnte. Dies erklärt möglicherweise, warum viele dieser Glaskokarden in ungetragenem Zustand überlebt haben – sie waren für den rauen Bordalltag weniger geeignet.

Die Zeitstellung 1943/44 markiert eine kritische Phase des Krieges. Die Kriegsmarine hatte bereits schwere Verluste erlitten, einschließlich zahlreicher U-Boote im Atlantik und größerer Überwasserschiffe. Die Materialknappheit war allgegenwärtig, und die deutsche Rüstungsindustrie musste zunehmend auf Ersatzmaterialien zurückgreifen.

Aus sammlerischer und historischer Perspektive sind diese Glaskokarden heute relativ selten und dokumentieren eindrucksvoll die Improvisation und Anpassungsfähigkeit der deutschen Militärproduktion unter Kriegsbedingungen. Sie sind Zeitzeugen einer Epoche, in der selbst kleinste Uniformteile von den Auswirkungen des totalen Krieges betroffen waren.

Die Kokarde als Symbol hatte in der deutschen Militärtradition eine lange Geschichte. Sie verwies auf die nationalen Farben und symbolisierte die Treue zum Staat. In der Kriegsmarine war sie Teil der visuellen Identität, die Marineangehörige von anderen Wehrmachtsteilen unterschied.

r