Die Schellenbaumflagge des Musikzuges der Legion Condor repräsentiert ein bedeutendes Zeugnis der deutschen militärischen Intervention im Spanischen Bürgerkrieg. Diese aus gelber Seide gefertigte Fahne, beidseitig bestickt und mit goldenem Fransenbehang versehen, wurde vom Musikzug der Legion Condor verwendet, einer Einheit, die im April 1938 speziell für den Einsatz in Spanien formiert wurde.
Die Legion Condor war die Expeditionsstreitmacht Nazi-Deutschlands zur Unterstützung von General Francos nationalistischen Truppen während des Spanischen Bürgerkriegs von 1936 bis 1939. Die Legion wurde im November 1936 gegründet und bestand aus etwa 19.000 deutschen Soldaten, die rotierend durch Spanien geschleust wurden, darunter Luftwaffen-Lufteinheiten und Bodentruppen. Im Jahr 1938 wurde ein Blasorchester aus dem Stabsmusikkorps des Wachbataillons der Luftwaffe in Berlin unter strengster Geheimhaltung nach Spanien versetzt.
Im April 1938 wurden 30 Angehörige des Stabsmusikkorps des Wachbataillons der Luftwaffe zur Legion Condor kommandiert, um deren Musikzug zu bilden. Die Stationierung erfolgte in Benicarló, wohin das Hauptquartier der Legion Condor 1938 verlegt worden war. Von den nahe gelegenen Flugplätzen operierten einmotorige Flugzeuge. Der Musikzug hatte die Aufgabe, musikalische Unterstützung für deutsche Soldaten und spanische nationalistische Truppen unter General Franco zu leisten sowie durch militärische Zeremonien den NS-Staat symbolisch zu präsentieren und zu repräsentieren.
Der Schellenbaum, auch als “Baum der Schellen” bekannt, ist ein Perkussionsinstrument, das aus einer langen Stange mit Glocken und halbmondförmigen Querstücken besteht und traditionell von Militärkapellen verwendet wird. In der Zeit des Dritten Reiches nutzten Kapellen Fahnen, die am Schellenbaum befestigt wurden, um die Einheit oder Division zu identifizieren. Bei diesem Exemplar wurden oben und unten vernickelte Querstangen in die Seide eingenäht, und die Aufhängung besteht aus orange-gelber Kordel. Die Abmessungen betragen etwa 31 x 38 cm.
Die Vorderseite der Fahne zeigt das große faschistische spanische Staatswappen mit der Devise “Una Grande Libre”. Auf der Rückseite findet sich die Chiffre “LC” für Legion Condor vor einem diagonalen Kreuz mit der Aufschrift “Todo po la Patria” (Alles für das Vaterland). In den Ecken wechseln sich Hakenkreuz und Eisernes Kreuz ab. Diese Gestaltung verbindet deutsche und spanische nationalistische Symbolik in einem einzigartigen Zeugnis der militärischen Zusammenarbeit.
Der Schellenbaum wurde bei Paraden und Zeremonien an der Spitze der Marschkapelle getragen. Nach dem Ende des Spanischen Bürgerkriegs im April 1939 und der Auflösung der Legion Condor kehrte die Legion im Mai 1939 nach Deutschland zurück. Am 6. Juni 1939 marschierte sie bei einer Siegesparade in Berlin, bei der der Schellenbaum prominent zur Schau gestellt wurde. Stabsmusikmeister Karl Bögelsack (1889-unbekannt) komponierte 1939 den “Marsch der Legion Condor”. Die Legion Condor wurde nacheinander von Hugo Sperrle, Hellmuth Volkmann und Wolfram Freiherr von Richthofen kommandiert.
Nach der Auflösung wurde der Schellenbaum dem Wachbataillon der Luftwaffe übergeben und im Reichsluftfahrtministerium in Berlin aufbewahrt. Im Mai 1945 wurde das Stück zur Kriegsbeute eines amerikanischen Soldaten der 16th Constabulary Squadron, die von 1945 bis 1950 in Berlin stationiert war. Nach über 80 Jahren im Ausland kehrte das Objekt nach Deutschland zurück.
Die Schellenbaumflagge ist im Fachbuch “Legion Condor Uniforms, Organization and History” von Roger Bender auf Seite 304 abgebildet. Ab Seite 306 widmet sich ein eigenes Kapitel dem Schellenbaum mit mehreren Fotos der Siegesparade 1939, auf denen der Schellenbaum zu sehen ist. Das vorliegende Exemplar zeigt deutliche Trage- und Altersspuren, die Seide ist teilweise angegriffen und zerschlissen. Diese Gebrauchsspuren zeugen von der tatsächlichen Verwendung bei militärischen Anlässen während und nach dem Spanischen Bürgerkrieg und unterstreichen die historische Authentizität dieses seltenen Objekts.