Lineol - Heer 2 Soldaten mit Handgranaten liegend
Lineol Militärfiguren: Deutsche Heersoldaten mit Handgranaten in liegender Position
Die vorliegende Figur repräsentiert ein charakteristisches Beispiel der Lineol-Spielzeugproduktion aus der Zeit des Deutschen Reiches. Die Lineol GmbH, gegründet 1906 in Brandenburg an der Havel durch Oskar Wiederholt, entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Hersteller von Massefiguren in Deutschland. Der Name “Lineol” leitet sich von “Linoleum” ab, was auf das ursprüngliche Geschäftsfeld der Firma hinweist, bevor sie sich auf die Produktion von Spielzeugfiguren spezialisierte.
Die Figuren zeigen zwei Heersoldaten in liegender Position mit Handgranaten, eine Darstellung, die typisch für die Kampftaktiken des Ersten und Zweiten Weltkriegs war. Mit einer Größe von 7 cm entsprechen diese Figuren dem üblichen Maßstab von Lineol-Produkten, die zwischen 1920 und 1945 hergestellt wurden. Die Figuren wurden aus einer Masse-Komposition gefertigt, einem Material aus Kasein, Kreide, Leim und anderen Bindemitteln, das sich durch detaillierte Formgebung und relativ geringe Produktionskosten auszeichnete.
Historischer Kontext der Handgranate im deutschen Heer
Die Handgranate war eine der wichtigsten Nahkampfwaffen beider Weltkriege. Die berühmte deutsche Stielhandgranate, umgangssprachlich “Kartoffelstampfer” genannt, wurde ab 1915 im Ersten Weltkrieg eingeführt und in verschiedenen Varianten bis 1945 verwendet. Die Modell 24 war die bekannteste Version, die während des Zweiten Weltkriegs zum Einsatz kam. Diese Waffe war besonders im Grabenkampf und bei Nahkampfsituationen von entscheidender Bedeutung.
Die liegende Position, in der die Soldaten dargestellt sind, entsprach der realen militärischen Praxis. Im Stellungskrieg und bei Angriffsoperationen nahmen Soldaten häufig diese Haltung ein, um Deckung zu suchen und gleichzeitig Handgranaten auf feindliche Stellungen zu werfen. Die Heeresdienstvorschrift 130 und andere militärische Ausbildungsvorschriften regelten detailliert den Einsatz von Handgranaten und die damit verbundenen Taktiken.
Lineol als Spielzeughersteller
Lineol produzierte ab den 1920er Jahren eine breite Palette von Militärfiguren, die alle Waffengattungen des deutschen Heeres darstellten. Die Firma belieferte sowohl den privaten Spielzeugmarkt als auch – in beschränktem Umfang – militärische Einrichtungen für Ausbildungs- und Demonstrationszwecke. Die Detailtreue der Uniformen, Ausrüstung und Waffen machte Lineol-Figuren bei Sammlern besonders beliebt.
Die Qualität und Authentizität der Lineol-Produkte war bemerkenswert. Die Uniformen entsprachen den tatsächlichen Heeresvorschriften, einschließlich der korrekten Darstellung von Rangabzeichen, Ausrüstungsgegenständen und Waffen. Die Bemalung erfolgte in Handarbeit, wobei die Farbgebung den militärischen Standards entsprach: feldgrau für die Uniformen, braun für Lederzeug und naturgetreue Hauttöne.
Produktion und Materialien
Die Massefiguren von Lineol waren hohle Kompositionsfiguren, die in Metallformen gegossen wurden. Im Gegensatz zu den Vollzinnfiguren anderer Hersteller waren sie leichter und kostengünstiger in der Produktion. Die Figuren hatten häufig bewegliche Arme, die durch Draht oder Gummibänder befestigt waren, was verschiedene Spielpositionen ermöglichte. Die vorliegenden Soldaten mit Handgranaten zeigen die typische Lineol-Konstruktion dieser Periode.
Sammlerwert und Zustandsbewertung
Der angegebene Zustand 2 entspricht in der Sammlerskala einem sehr guten Erhaltungszustand mit minimalen Gebrauchsspuren. Für Lineol-Figuren aus der Vorkriegs- und Kriegszeit ist dies bemerkenswert, da das Masse-Material empfindlich gegenüber Feuchtigkeit, Temperaturschwankungen und mechanischer Belastung war. Viele Figuren wiesen im Laufe der Jahrzehnte Risse, Abplatzungen der Farbe oder Verformungen auf.
Historische Bedeutung
Diese Figuren dokumentieren nicht nur die Geschichte des Spielzeugs, sondern auch die Militarisierung der Gesellschaft in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Militärspielzeug diente der Vorbereitung junger Menschen auf den Wehrdienst und vermittelte militärische Werte. Nach 1945 wurde die Produktion solcher Figuren in Deutschland zunehmend kritisch betrachtet.
Heute sind Lineol-Figuren bedeutende militärhistorische Sammlerobjekte, die Einblicke in die materielle Kultur, Uniformkunde und Bewaffnung des deutschen Heeres geben. Sie werden in Museen ausgestellt und von Sammlern weltweit geschätzt, wobei der historische und dokumentarische Wert im Vordergrund steht.