Preußen 1. Weltkrieg feldgrauer Helm Modell 1915 für Mannschaften der Regimenter Jäger zu Pferde

Kammerstück um 1915. Der Helm mit schwarz lackierter (!) Stahlglocke, komplett mit allen Beschlägen in Eisen feldgrau. Vorne der Dragoneradler. Ledersturmriemen an Knopf 91, beide Kokarden, unter der linken Kokarde gestempelt «5», die Spitze mit Bajonettverschluss abnehmbar. Innen mit gelaschtem Lederfutter, die Glocke und der Nackenschirm schwarz, der Vorderschirm grün lackiert, die Nackenschirmschiene mir der Größe «57», in der Glocke kleines Metallschild mit dem Hersteller «Herm. Weissenburger & Cie. Cannstatt.». Sehr schön erhalten!! Zustand 2++.
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2.400,00

Preußen 1. Weltkrieg feldgrauer Helm Modell 1915 für Mannschaften der Regimenter Jäger zu Pferde

Der preußische Helm Modell 1915 für Mannschaften der Jäger zu Pferde repräsentiert einen entscheidenden Wendepunkt in der deutschen Militärausrüstung während des Ersten Weltkriegs. Diese sogenannte "Lobsterschwanz"-Variante der Pickelhaube wurde am 21. September 1915 offiziell für die Jäger zu Pferde eingeführt und markierte den Übergang von traditioneller Parade-Kopfbedeckung zu kriegstauglicher Schutzausrüstung.

Die Entwicklung des Modells 1915 war eine direkte Reaktion auf die harten Realitäten des Grabenkriegs. In den ersten Kriegsmonaten zeigte sich schnell, dass die traditionelle Lederhelme unzureichenden Schutz gegen Granatsplitter und Schrapnell boten. Diese Mängel, kombiniert mit Materialknappheit, führten zur Einführung des vereinfachten Modells 1915 mit abnehmbarer Spitze. Die Seeblockade machte Leder schwer beschaffbar, und Messing wurde als wertvoller Rohstoff für Geschosshülsen benötigt. Spitzen erwiesen sich als unpraktisch für den Grabenkrieg, weshalb im September 1915 befohlen wurde, die neuen Helme ohne Spitzen an der Front zu tragen.

Der vorliegende Helm wurde von Herm. Weissenburger & Cie aus Cannstatt (Stuttgart-Cannstatt) hergestellt, einem von mehreren Auftragnehmern für die Produktion deutscher Stahlhelme und Pickelhauben im Ersten Weltkrieg. Der Helm besteht aus geschwärztem Stahlblech mit feldgrauen Beschlägen aus Stahl. Die charakteristische Konstruktion zeigt schwarzen Lack auf Helmglocke und Nackenschirm, während der Vorderschirm grün lackiert ist. Nach den Vorschriften von 1915 verwendeten alle ausgegebenen Pickelhauben nun grau oxidierte Stahlbeschläge für alle Regimenter, womit die früheren Materialien Messing, Silber oder Tombak nicht mehr zum Einsatz kamen.

Die abnehmbare Spitze war 8,5 Zentimeter hoch und verfügte über einen Bajonettverschluss, das markante "Kleeblatt"-förmige Befestigungssystem der Melderreiter. Im Manöver- oder Felddienst wurde die Spitze nicht getragen. Die vordere Wappenplatte zeigt den preußischen Dragonerstil-Adler mit Schwert und Zepter über dem Königsmotto MIT GOTT FÜR KOENIG UND VATERLAND. Das Innere weist ein Lederfutter auf, und die Helmgröße 57 ist auf dem Rand des Nackenschirms gestempelt.

Die Jäger zu Pferde waren eine relativ junge Waffengattung in der preußischen Armee. Erst 1901 wurde das erste Regiment (Königs-Jäger zu Pferde Nr. 1) aufgestellt, gefolgt 1905 von Nr. 2 und 3, 1906 Nr. 4, 1908 Nr. 5 und 1910 Nr. 6. Im Jahr 1913 wurden die Regimenter 7 bis 13 formiert. In Friedenszeiten vor 1914 unterhielt die kaiserliche deutsche Armee insgesamt 13 Jäger zu Pferde-Regimenter. Diese spezialisierten Einheiten führten Aufklärungs-, Patrouille-, Sicherungs- und Spähdienste durch und galten trotz ihrer Rolle als leichte Kavallerie als schwere Kavallerie. Sie waren mit Karabinern, Säbeln (Pallasch) und Lanzen bewaffnet.

Nach der Mobilmachung im Juli 1914 dienten die Regimenter zunächst bei Mulhouse im Elsass und bei Saint-Quentin. Bis November 1914 operierten sie um Arras und Ypern, bevor sie an die Ostfront verlegt wurden. Von Herbst 1914 bis Anfang 1916 kämpften sie an der Ostfront. Von Februar 1916 bis Februar 1919 versahen die Regimenter Polizei- und Sicherungsdienste in Russisch-Polen. Die Einheit behielt während des gesamten Krieges ihren Kavalleriecharakter.

Ab 1916 wurde die Pickelhaube schrittweise durch den neuen deutschen Stahlhelm ersetzt, der besseren Kopfschutz vor Granatsplittern bieten sollte. Das Modell 1915 war das letzte ausgegebene Pickelhaube-Modell. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die Jäger zu Pferde-Regimenter aufgelöst. Die Tradition des Regiments Nr. 3 wurde auf die Ausbildungsschwadron des 11. (Preußischen) Kavallerie-Regiments in Ohlau in der Reichswehr übertragen. Das Elsass mit Colmar wurde durch den Vertrag von Versailles an Frankreich zurückgegeben, weshalb das Regiment ab dem 22. Februar 1919 in Spangenberg aufgelöst wurde. Die Pickelhaube wurde zu einer beliebten Kriegstrophäe, die von alliierten Soldaten gesammelt wurde.