Preußen Kabinettfoto "Zur Erinnerung an meine Dienstzeit" für einen Soldaten in einem Garde-Regiment

Berlin, um 1900. 10.5 x 16.4 cm. Zustand 2.


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30,00

Preußen Kabinettfoto "Zur Erinnerung an meine Dienstzeit" für einen Soldaten in einem Garde-Regiment

Das vorliegende Kabinettfoto mit der Aufschrift "Zur Erinnerung an meine Dienstzeit" repräsentiert eine bedeutende Kategorie militärischer Erinnerungsstücke aus dem Deutschen Kaiserreich, speziell aus der Zeit um 1900. Solche Fotografien wurden von Soldaten der Preußischen Armee als persönliche Andenken an ihre Militärdienstzeit in Auftrag gegeben und waren besonders bei Angehörigen der prestigeträchtigen Garde-Regimenter verbreitet.

Die Garde-Regimenter bildeten die Elite der preußischen Streitkräfte und waren in Berlin und dessen unmittelbarer Umgebung stationiert. Sie unterstanden direkt dem Kaiser und galten als militärische Vorzeigeeinheiten des Reiches. Zu diesen Regimentern zählten unter anderem das 1. und 2. Garde-Regiment zu Fuß, das Kaiser Alexander Garde-Grenadier-Regiment, das Kaiser Franz Garde-Grenadier-Regiment sowie verschiedene Garde-Kavallerie-Regimenter. Der Dienst in einem solchen Regiment wurde als besondere Ehre betrachtet und war häufig mit strengeren Auswahlkriterien verbunden, die besondere körperliche Merkmale wie Mindestgrößen einschlossen.

Das Kabinettformat, das etwa zwischen 10 und 17 Zentimetern maß, etablierte sich ab den 1870er Jahren als Standardgröße für gehobene Portraitfotografie. Der Name leitet sich von der ursprünglichen Verwendung ab, solche Fotografien in Kabinetten oder Salons auszustellen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde dieses Format zum bevorzugten Medium für militärische Erinnerungsportraits, da es größer als die älteren Carte-de-Visite-Formate war und somit mehr Details und Ausdruckskraft ermöglichte.

Die Tradition, fotografische Andenken an die Dienstzeit anzufertigen, verbreitete sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zunehmend in allen deutschen Armeen. Mit der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht durch die preußischen Heeresreformen zu Beginn des 19. Jahrhunderts und ihrer Ausweitung nach der Reichsgründung 1871 durchlief nahezu jeder wehrfähige junge Mann eine mehrjährige Militärdienstzeit. Diese Dienstzeit, in der Regel zwei bis drei Jahre bei der Infanterie, stellte einen wichtigen Lebensabschnitt dar und prägte die Identität einer ganzen Generation junger Männer.

Fotografische Ateliers in Berlin und anderen Garnisonstädten spezialisierten sich auf militärische Portraitfotografie. Sie boten verschiedene Arrangements und Hintergründe an, die den militärischen Charakter der Aufnahmen betonten. Häufig wurden die Soldaten in voller Uniform mit ihren Waffen und Ausrüstungsgegenständen fotografiert. Manche Fotografien zeigten auch Gruppenaufnahmen von Kameraden oder wurden mit patriotischen Symbolen und Emblemen versehen. Die Aufschrift "Zur Erinnerung an meine Dienstzeit" war eine standardmäßige Formulierung, die auf vielen dieser Erinnerungsstücke zu finden war.

Die Zeit um 1900, in der dieses Foto entstand, war eine Phase relativen Friedens im Deutschen Reich, die zwischen dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 und dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 lag. Dennoch war die Gesellschaft stark militarisiert, und die Armee genoss hohes Ansehen. Der Reserveoffiziersrang oder selbst der einfache Militärdienst öffneten Türen in Gesellschaft und Berufsleben. Ein solches Foto diente nicht nur der persönlichen Erinnerung, sondern auch als Beweis der erfüllten vaterländischen Pflicht und konnte bei Bewerbungen oder gesellschaftlichen Anlässen vorgelegt werden.

Die fotografische Technik der Jahrhundertwende ermöglichte bereits relativ kurze Belichtungszeiten, was schärfere und detailreichere Aufnahmen als in früheren Jahrzehnten erlaubte. Die Fotografien wurden typischerweise auf Albuminpapier oder später auf Gelatinesilberpapier abgezogen und auf festem Karton montiert. Häufig enthielt die Rückseite den Stempel oder die Prägung des Fotostudios mit dessen Adresse und manchmal auch Auszeichnungen oder dem Hinweis auf eine Hoflieferantschaft.

Solche Erinnerungsfotografien wurden in der Regel an Familie und Freunde verschenkt oder im eigenen Haushalt aufbewahrt. Sie dokumentieren heute nicht nur die militärische Uniformgeschichte und die gesellschaftliche Bedeutung des Militärdienstes, sondern geben auch Einblick in die fotografische Praxis und die visuelle Kultur des wilhelminischen Deutschlands. Für die historische Forschung sind sie wertvolle Quellen zur Sozial-, Militär- und Alltagsgeschichte des Kaiserreichs.