Sachsen tragbare Schießprämienmedaille II. Klasse S.M. König Albert, 1874-1877

Silber, Durchmesser 41 mm, Gewicht 35 Gramm, Zustand 2.

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200,00

Sachsen tragbare Schießprämienmedaille II. Klasse S.M. König Albert, 1874-1877

Die sächsische tragbare Schießprämienmedaille II. Klasse aus der Regierungszeit König Alberts von Sachsen (1873-1902) stellt ein bemerkenswertes Zeugnis der militärischen Ausbildungskultur im Deutschen Kaiserreich dar. Diese zwischen 1874 und 1877 verliehene Auszeichnung verkörpert die hohe Bedeutung, die das Königreich Sachsen der Schießfertigkeit seiner Soldaten beimaß.

Historischer Kontext und Entstehung

Nach der Reichsgründung 1871 und den Erfahrungen des Deutsch-Französischen Krieges erkannten die deutschen Militärbehörden die entscheidende Bedeutung gut ausgebildeter Schützen für moderne Kriegsführung. König Albert, der selbst als Armeeführer im Feldzug von 1870/71 gedient hatte, förderte aktiv die Schießausbildung in der sächsischen Armee. Die Einführung von Schießprämienmedaillen erfolgte im Rahmen umfassender Reformen zur Verbesserung der militärischen Leistungsfähigkeit.

Das Königreich Sachsen unterhielt als zweitgrößtes Kontingent im deutschen Heer nach Preußen eine bedeutende Streitmacht. Die sächsische Armee war für ihre gute Ausbildung und Disziplin bekannt. Die systematische Förderung des Schießwesens durch Auszeichnungen wie diese Medaille trug wesentlich zur Kampfkraft der Truppen bei.

Technische Merkmale und Gestaltung

Die vorliegende Medaille aus Silber mit einem Durchmesser von 41 mm und einem Gewicht von 35 Gramm entspricht den typischen Spezifikationen sächsischer Militärauszeichnungen dieser Periode. Die II. Klasse bezeichnete eine mittlere Leistungsstufe im gestaffelten Prämiensystem. Üblicherweise existierten drei bis vier Klassen, wobei die I. Klasse die höchste Auszeichnung darstellte.

Die Medaillen trugen auf der Vorderseite in der Regel das Bildnis König Alberts mit der entsprechenden Umschrift, während die Rückseite Insignien des Schießwesens wie gekreuzte Gewehre, Zielscheiben oder Lorbeerkränze zeigte. Die Ausführung in Silber für die II. Klasse entsprach der hierarchischen Abstufung der Auszeichnungen, wobei höhere Klassen oft vergoldete Exemplare erhielten.

Verleihungskriterien und Trageweise

Die Schießprämienmedaillen wurden jährlich bei Schießübungen und Wettkämpfen der sächsischen Regimenter vergeben. Soldaten mussten definierte Punktzahlen beim Scheibenschießen auf verschiedene Distanzen erreichen. Die Bewertungskriterien waren streng reglementiert und umfassten sowohl Treffsicherheit als auch Schnelligkeit beim Laden und Schießen.

Als tragbare Auszeichnung konnte die Medaille an der Uniform getragen werden, was sie von reinen Erinnerungsstücken unterschied. Sie wurde üblicherweise an einem Band in den sächsischen Landesfarben (Weiß-Grün) an der linken Brustseite der Uniform befestigt. Die Trageerlaubnis stellte eine öffentliche Anerkennung der schießsportlichen Leistung dar und förderte den Ehrgeiz unter den Soldaten.

Bedeutung im militärischen Ausbildungssystem

Das System der Schießprämienmedaillen war Teil eines umfassenden Motivationssystems in der kaiserlichen Armee. Neben der persönlichen Ehre waren oft auch finanzielle Prämien mit den Auszeichnungen verbunden. Dies förderte nicht nur die individuelle Leistungsbereitschaft, sondern auch den Korpsgeist und die Wettbewerbskultur innerhalb der Einheiten.

Die Jahre 1874-1877 markieren eine intensive Phase der Modernisierung der sächsischen Armee. In dieser Zeit wurde das Gewehr Modell 1871 (Mauser) eingeführt, ein Einzellader mit Hinterladevorrichtung, der erheblich höhere Feuergeschwindigkeiten ermöglichte als frühere Vorderlader. Die Schießausbildung musste entsprechend angepasst werden.

Sammlerwert und historische Einordnung

Heute sind sächsische Schießprämienmedaillen gesuchte Sammlerstücke, die Einblick in die militärische Alltagskultur des 19. Jahrhunderts bieten. Der Erhaltungszustand 2 (sehr gut) macht das vorliegende Exemplar besonders wertvoll. Die Medaillen dokumentieren nicht nur militärische Traditionen, sondern auch die handwerkliche Qualität der sächsischen Münzprägeanstalten.

Die zeitliche Begrenzung auf 1874-1877 macht diese Medaillen zu relativ seltenen Objekten, da sie nur während einer kurzen Periode der langen Regierungszeit König Alberts ausgegeben wurden. Spätere Jahre brachten modifizierte Designs oder veränderte Verleihungskriterien mit sich.

Fazit

Die sächsische Schießprämienmedaille II. Klasse König Alberts verkörpert die Professionalisierung der militärischen Ausbildung im Deutschen Kaiserreich. Sie steht exemplarisch für die Bedeutung, die der Schießfertigkeit als militärischer Grundfertigkeit beigemessen wurde, und für die systematische Förderung soldatischer Leistung durch ein ausgefeiltes Auszeichnungssystem. Als historisches Dokument bietet sie wertvolle Einblicke in die Militärkultur des Königreichs Sachsen im späten 19. Jahrhundert.