Sicherheitsdienst des Reichsführers SS ( SD ) - SS-Stammkarte für einen Kriminalbeamten der SD-Dienststelle Kriminalpolizeistelle Koblenz

des Jahrgangs 1903 aus Aachen, seit dem 20.4.1931 bei der Polizei, als Auszeichnung ist ein Deutsches Schutzwall-Ehrenzeichen eingetragen, eingetreten in die Partei am 1.1.1940; gelocht gebrauchter Zustand.
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Sicherheitsdienst des Reichsführers SS ( SD ) - SS-Stammkarte für einen Kriminalbeamten der SD-Dienststelle Kriminalpolizeistelle Koblenz

Die SS-Stammkarte des Sicherheitsdienstes des Reichsführers-SS (SD) stellt ein bedeutendes zeithistorisches Dokument dar, das die administrative und personelle Organisation einer der mächtigsten und berüchtigtsten Institutionen des nationalsozialistischen Regimes dokumentiert. Diese Personalkarte gehörte zu einem Kriminalbeamten, der bei der SD-Dienststelle Kriminalpolizeistelle Koblenz tätig war und veranschaulicht die enge Verflechtung zwischen regulären Polizeistrukturen und den Sicherheitsorganen der SS.

Der Sicherheitsdienst des Reichsführers-SS wurde 1931 von Reinhard Heydrich unter der Schirmherrschaft von Heinrich Himmler gegründet. Ursprünglich als Geheimdienst innerhalb der NSDAP konzipiert, entwickelte sich der SD rasch zu einem umfassenden Überwachungs- und Nachrichtenapparat. Nach der Machtergreifung 1933 expandierte der SD kontinuierlich und wurde 1939 mit der Bildung des Reichssicherheitshauptamtes (RSHA) zum zentralen Geheimdienst des NS-Staates.

Die vorliegende Stammkarte dokumentiert den Werdegang eines Beamten des Jahrgangs 1903, der seit dem 20. April 1931 im Polizeidienst stand. Dieses Datum ist von besonderer Bedeutung, da es zeigt, dass dieser Beamte noch während der Weimarer Republik in den Polizeidienst eintrat, also vor der nationalsozialistischen Machtergreifung. Der Eintritt in die NSDAP am 1. Januar 1940 erfolgte hingegen erst nach Beginn des Zweiten Weltkrieges, was für höhere Polizeibeamte zu diesem Zeitpunkt zunehmend zur Voraussetzung für den weiteren Karriereaufstieg wurde.

Die Kriminalpolizei, umgangssprachlich Kripo genannt, wurde 1936 unter dem Dach der Sicherheitspolizei (Sipo) mit der Gestapo zusammengefasst. Die Sipo wiederum wurde eng mit dem SD verzahnt, wobei die organisatorischen Grenzen zunehmend verschwammen. Ab 1939, mit der Gründung des RSHA, wurden alle diese Organisationen unter ein Dach gebracht, wobei die Kriminalpolizei das Amt V des RSHA bildete.

Das eingetragene Deutsche Schutzwall-Ehrenzeichen ist eine weitere wichtige biografische Information. Diese Auszeichnung wurde durch Erlass vom 2. August 1939 von Adolf Hitler gestiftet und an Personen verliehen, die am Bau der Westbefestigungen (auch bekannt als Westwall oder Siegfried-Linie) beteiligt waren. Die Verleihung erfolgte für Arbeiten, die zwischen Mai 1938 und April 1939 geleistet wurden. Dies deutet darauf hin, dass der Beamte in dieser Zeit beim Bau der Grenzverteidigungsanlagen eingesetzt wurde, was für Polizeikräfte nicht ungewöhnlich war, da sie oft zur Überwachung und Organisation der Bauarbeiten herangezogen wurden.

Die SD-Dienststelle Koblenz war Teil des regionalen Netzes von SD-Abschnitten und SD-Leit- sowie Außenstellen, die das gesamte Deutsche Reich überzogen. Koblenz als wichtige Stadt in der damaligen Rheinprovinz spielte eine strategisch bedeutende Rolle in der Überwachungsstruktur. Die Kriminalpolizeistelle war zuständig für die Verfolgung krimineller Delikte, wobei in der NS-Zeit die Grenzen zwischen politischer und krimineller Verfolgung zunehmend verschwammen.

Die Stammkarte als Dokument selbst war ein zentrales Element der akribischen Personaldokumentation der SS. Solche Karten enthielten üblicherweise umfassende biografische Angaben, Informationen über die SS- bzw. Polizeilaufbahn, Beförderungen, Versetzungen, Auszeichnungen und weitere dienstliche Vermerke. Die Lochung des Dokuments deutet darauf hin, dass die Karte aus dem aktiven Bestand ausgeschieden wurde, was üblicherweise bei Dienstende, Tod oder Versetzung geschah.

Der administrative Apparat der SS und ihrer Unterorganisationen zeichnete sich durch extreme Bürokratie und Dokumentationsdichte aus. Jeder Angehörige der SS und des SD wurde in mehrfachen Karteien erfasst, was der Führung eine umfassende Kontrolle über das Personal ermöglichte. Diese Dokumente sind heute wichtige Quellen für die historische Forschung, da sie die Strukturen, Personalstärke und individuelle Biografien der Täter des NS-Regimes nachvollziehbar machen.

Die Verbindung von regulärer Polizeiarbeit und SS-Strukturen war charakteristisch für den NS-Staat. Viele Kriminalbeamte der Weimarer Republik setzten ihre Karrieren nahtlos im nationalsozialistischen System fort, wobei sie zunehmend in die Verbrechen des Regimes eingebunden wurden. Die Kriminalpolizei war nicht nur für die Verfolgung gewöhnlicher Kriminalität zuständig, sondern spielte auch eine zentrale Rolle bei der Verfolgung von “Asozialen”, “Berufsverbrechern” und anderen vom Regime definierten “Volksschädlingen”.

Heute sind solche Dokumente wichtige Zeugnisse für die Aufarbeitung der NS-Geschichte und dienen der historischen Forschung zur Rekonstruktion von Täterbiografien und institutionellen Strukturen des NS-Repressionsapparates.