WHW - Gau 1 : Baden - 2. WHW 1934/35 " Weihnachtssammlung " 22./23.12.1934
( Engel schaut nach oben )
Das vorliegende Abzeichen stammt aus der Winterhilfswerk (WHW)-Sammlung des Gaues Baden und wurde speziell für die Weihnachtssammlung vom 22./23. Dezember 1934 hergestellt. Es handelt sich um ein rotbraunes Majolika-Abzeichen mit blauer Kerze, das den Herstellerstempel Karlsruhe trägt und einen Engel zeigt, der nach oben blickt.
Das Winterhilfswerk des Deutschen Volkes (WHW) wurde im September 1933 von der nationalsozialistischen Regierung als Wohlfahrtsorganisation gegründet. Offiziell sollte es bedürftigen Deutschen während der Wintermonate helfen, indem Lebensmittel, Kohle, Kleidung und andere lebensnotwendige Güter verteilt wurden. Die Organisation wurde schnell zu einem wichtigen Propagandainstrument des Regimes und diente der Demonstration der “Volksgemeinschaft”.
Die WHW-Sammlungen 1934/35 stellten die zweite große Kampagne dar. Sie begannen im Oktober 1934 und endeten im März 1935. Jeden Monat wurden verschiedene thematische Sammlungen durchgeführt, bei denen Spender kleine Abzeichen als Gegenleistung für ihre Beiträge erhielten. Diese Abzeichen dienten gleichzeitig als Nachweis der Spendenbereitschaft und übten sozialen Druck auf Nichtteilnehmer aus.
Der Gau Baden war einer der administrativen Bezirke der NSDAP und umfasste das Gebiet des ehemaligen Freistaates Baden. Jeder Gau produzierte oft eigene regionale Abzeichen, die lokale Besonderheiten, Traditionen oder Sehenswürdigkeiten darstellten. Dies schuf eine Verbindung zwischen der zentralen Propagandaaktion und regionaler Identität.
Die Weihnachtssammlung am 22. und 23. Dezember 1934 war eine der wichtigsten Sammlungen des Jahres. Sie nutzte die emotionale Bedeutung des Weihnachtsfestes und die christliche Tradition der Nächstenliebe für die Zwecke der nationalsozialistischen Wohlfahrtspropaganda. Die Gestaltung mit einem Engel und einer Kerze griff bewusst christliche Symbolik auf, obwohl das Regime gleichzeitig versuchte, das Weihnachtsfest zu säkularisieren und mit germanischen Traditionen zu verbinden.
Die Herstellung in Majolika ist besonders bemerkenswert. Die Majolika-Manufaktur Karlsruhe war eine renommierte Keramikmanufaktur, die 1901 gegründet wurde und für ihre qualitativ hochwertigen Keramikarbeiten bekannt war. Die Verwendung von Majolika für WHW-Abzeichen zeeugt von handwerklichem Können und machte diese Stücke wertvoller als die massenhaft produzierten Metall- oder Pappabzeichen. Der Herstellerstempel Karlsruhe authentifiziert die Produktion in dieser Manufaktur.
Die Farbgebung mit rotbraunem Grundton und blauer Kerze war typisch für die Weihnachtszeit und sollte eine festliche, würdevolle Atmosphäre vermitteln. Das Motiv des nach oben blickenden Engels könnte himmlische Hoffnung oder die Erwartung besserer Zeiten symbolisieren - eine Botschaft, die in der wirtschaftlich schwierigen Zeit der Weimarer Republik und der frühen NS-Zeit besondere Resonanz fand.
Die WHW-Sammlungen waren faktisch obligatorisch. Obwohl offiziell freiwillig, wurde erheblicher Druck auf die Bevölkerung ausgeübt. Blockwarte kontrollierten die Teilnahme, und das Nichttragen eines Abzeichens konnte negative Konsequenzen haben. Die Sammlungen generierten erhebliche Einnahmen - allein 1934/35 wurden etwa 358 Millionen Reichsmark gesammelt.
Aus historischer Perspektive sind diese Abzeichen heute wichtige Zeitdokumente. Sie illustrieren die Propagandamethoden des NS-Regimes, die Instrumentalisierung von Wohltätigkeit für politische Zwecke und die Massenproduktion von Sammelobjekten. Der Zustand 2 des vorliegenden Stücks (sehr gut erhalten) macht es zu einem wertvollen Beispiel für diese historische Epoche.
Die regionale Besonderheit der Gau-spezifischen Abzeichen macht Stücke wie dieses aus Baden besonders interessant für die Erforschung regionaler Unterschiede in der NS-Propaganda und für das Verständnis, wie das Regime versuchte, lokale Identitäten in seine zentralisierte Ideologie zu integrieren.