Wehrmacht Fahne eines Turkestanischen Feld-Bataillons der 162. Turkistanischen Infanterie-Division

um 1943. Farbig bedrucktes Flaggentuch mit der Darstellung Pfeil und Bogen auf rot/hellblauem Hintergrund, Maße 75 x 120 cm. Seitlich mit Einfassung zum befestigen an einem Fahnenstock. Leichte Gebrauchs- und Altersspuren, Zustand 2.

Am 15. November 1941 erließ Eduard Wagner, Generalquartiermeister im Oberkommando des Heeres einen Befehl "Über die Aufstellung einer militärischen Einheit aus Kriegsgefangenen aus Turkestan und kaukasischen Nationalitäten". Gemäß dieser Anordnung wurde innerhalb der deutschen 444. Sicherungs-Division ein turkestanisches Regiment unter dem Kommando des Oberleutnants Taube geschaffen. Im Mai 1942 stellte man die erste „Turkistanische Legion“ auf; sie bestand zunächst nur aus einem einzigen Bataillon. Bis Ende des Jahres 1943 entstanden insgesamt 16 Bataillone mit einer Gesamtstärke von etwa 16.000 Soldaten. Die Truppen wurden in die  162. Infanterie-Division integriert. Mitte Juni 1943 wurde Ernst-August Köstring zum Inspekteur der Turkistanischen Legion ernannt und am 1. Januar 1944 dann zum General der Ostlegionen im Oberkommando des Heeres befördert. Um eine mögliche Gefangennahme durch die „Rote Armee“ auszuschließen, verlegte man die Turkistanische Legion nach Frankreich bzw. nach Norditalien. 1945 wurde der größte Teil der Legion von der britischen Armee gefangen genommen. Gemäß der auf der Konferenz von Jalta geschlossenen Vereinbarung wurden die Mitglieder der Legion in die Sowjetunion zurückgeführt, wo sie das gleiche Schicksal erlitten wie die anderen so genannten „Ostvölker“, die die Seiten gewechselt hatten.
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Wehrmacht Fahne eines Turkestanischen Feld-Bataillons der 162. Turkistanischen Infanterie-Division

Die Turkestanische Legion gehörte zu den sogenannten Ostlegionen der Wehrmacht, die während des Zweiten Weltkriegs aus Kriegsgefangenen und Freiwilligen nicht-russischer Nationalitäten der Sowjetunion aufgestellt wurden. Diese Fahne eines turkestanischen Feld-Bataillons der 162. Turkistanischen Infanterie-Division repräsentiert ein bemerkenswertes, wenngleich historisch belastetes Kapitel der deutsch-sowjetischen Kriegsführung.

Am 15. November 1941 erließ Eduard Wagner, Generalquartiermeister im Oberkommando des Heeres, einen wegweisenden Befehl zur Aufstellung militärischer Einheiten aus Kriegsgefangenen turkestanischer und kaukasischer Herkunft. Diese Initiative war Teil einer umfassenderen deutschen Strategie, die ethnischen Spannungen innerhalb der Sowjetunion auszunutzen und nicht-russische Völker gegen die Stalin-Regierung zu mobilisieren. Die deutschen Militärbehörden hofften, durch die Integration dieser Truppen sowohl militärische Verstärkung zu erhalten als auch politische Propaganda gegen die sowjetische Herrschaft zu betreiben.

Zunächst wurde innerhalb der deutschen 444. Sicherungs-Division ein turkestanisches Regiment unter dem Kommando von Oberleutnant Taube geschaffen. Im Mai 1942 erfolgte die formelle Aufstellung der ersten Turkistanischen Legion, die anfangs nur aus einem einzigen Bataillon bestand. Die Expansion verlief schnell: Bis Ende 1943 waren insgesamt 16 Bataillone mit einer Gesamtstärke von etwa 16.000 Soldaten entstanden. Diese Truppen wurden in die 162. Infanterie-Division integriert, die sich zu einer der größten Ostlegionen der Wehrmacht entwickelte.

Die Fahne selbst, mit ihren charakteristischen Symbolen von Pfeil und Bogen auf rot-hellblauem Hintergrund, spiegelt die bewusste Betonung der turkestanischen nationalen Identität wider. Die deutsche Führung gestattete diesen Einheiten die Verwendung eigener nationaler Symbole und Flaggen als Teil ihrer Rekrutierungs- und Motivationsstrategie. Die Gestaltung sollte an traditionelle zentralasiatische Symbole und die historische Kriegerkultur der Region erinnern, um eine emotionale Bindung zu schaffen und die Kampfmoral zu stärken.

Mitte Juni 1943 wurde Ernst-August Köstring, ein erfahrener Offizier mit umfassender Russland-Erfahrung, zum Inspekteur der Turkistanischen Legion ernannt. Am 1. Januar 1944 erfolgte seine Beförderung zum General der Ostlegionen im Oberkommando des Heeres, was die wachsende organisatorische Bedeutung dieser Formationen unterstreicht. Köstring hatte zuvor als Militärattaché in Moskau gedient und verfügte über detaillierte Kenntnisse der sowjetischen Verhältnisse und der verschiedenen Nationalitäten.

Mit dem Vorrücken der Roten Armee ab 1943/44 erkannte die deutsche Führung das extreme Risiko, dem diese Einheiten im Falle einer Gefangennahme durch sowjetische Truppen ausgesetzt waren. Um dies zu vermeiden, verlegte man die Turkistanische Legion nach Frankreich und Norditalien. Dort wurden die Truppen hauptsächlich für Besatzungs- und Sicherungsaufgaben sowie zur Partisanenbekämpfung eingesetzt. Diese Verlegung bedeutete für die Soldaten zunächst eine gewisse Sicherheit vor sowjetischer Vergeltung, sollte sich jedoch als nur temporär erweisen.

Das Kriegsende 1945 besiegelte das tragische Schicksal der Legion. Der größte Teil wurde von der britischen Armee gefangen genommen. Gemäß den auf der Konferenz von Jalta im Februar 1945 geschlossenen Vereinbarungen zwischen den Alliierten wurden sowjetische Staatsbürger, die in deutschen Diensten gestanden hatten, in die Sowjetunion zurückgeführt. Diese Repatriierung erfolgte oft gegen den ausdrücklichen Willen der Betroffenen, die das ihnen drohende Schicksal kannten.

In der Sowjetunion erlitten die zurückgeführten Mitglieder der Turkistanischen Legion dasselbe harte Schicksal wie andere sogenannte “Ostvölker”, die die Seiten gewechselt hatten. Sie wurden als Verräter betrachtet und zu langen Haftstrafen in Arbeitslagern verurteilt oder hingerichtet. Stalin zeigte keinerlei Nachsicht gegenüber Sowjetbürgern, die mit den Deutschen kollaboriert hatten, ungeachtet der Umstände ihrer Rekrutierung.

Diese Fahne ist somit Zeugnis eines komplexen historischen Phänomens: der Instrumentalisierung ethnischer Minderheiten durch das nationalsozialistische Deutschland, der verzweifelten Hoffnung vieler Turkestaner auf nationale Selbstbestimmung, und der letztlich tragischen Konsequenzen dieser Kollaboration. Sie dokumentiert ein dunkles Kapitel sowohl der deutschen als auch der sowjetischen Geschichte und erinnert an das Schicksal tausender Männer, die zwischen den Fronten des totalen Krieges zerrieben wurden.

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