Deutsches Reich 1871-1918 Dienstrock für einen Beamten der Kaiserlichen Reichspost Oberpostdirektion Berlin

Kammerstück der Oberpostdirektion Berlin von 1913. Dunkelblauer Rock, die Ärmelaufschläge, die Brustklappe und der Stehkragen mit roten Vorstößen, am Kragen goldene Litze, rote Patten und je ein goldener Rangstern, die goldenen Knöpfe, mit dem Reichswappen. Innen mit weißem Leinenfutter, im Rückenbereich Kammerstempel «O.P.D. Bln. 10. 1913». Zustand 2.


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Deutsches Reich 1871-1918 Dienstrock für einen Beamten der Kaiserlichen Reichspost Oberpostdirektion Berlin

Der vorliegende Dienstrock repräsentiert ein bedeutendes Zeugnis der preußischen und deutschen Verwaltungsgeschichte während der späten Kaiserzeit. Als offizielles Kleidungsstück eines Beamten der Kaiserlichen Reichspost, speziell der Oberpostdirektion Berlin, verkörpert dieser Rock aus dem Jahr 1913 die strenge Hierarchie und das ausgeprägte Standesbewusstsein der deutschen Beamtenschaft im wilhelminischen Deutschland.

Die Kaiserliche Reichspost war eine der wichtigsten Institutionen des Deutschen Reiches zwischen 1871 und 1918. Nach der Reichsgründung 1871 wurde das Postwesen als Reichsangelegenheit organisiert und unterstand direkt dem Reichspostamt, das 1876 als eigenständige Behörde etabliert wurde. Die Post entwickelte sich zu einem der größten Arbeitgeber des Reiches und beschäftigte gegen Ende des Kaiserreichs über 400.000 Bedienstete. Die Oberpostdirektionen waren regionale Verwaltungseinheiten, die für die Koordination und Überwachung des Postbetriebs in ihrem jeweiligen Bezirk zuständig waren.

Die Uniformierung der Postbeamten folgte strengen Vorschriften, die im Reichspostdienstreglement festgelegt waren. Die charakteristische dunkelblaue Farbe der Dienstkleidung war seit den 1870er Jahren standardisiert und diente der sofortigen Erkennbarkeit der Postbeamten in der Öffentlichkeit. Die roten Vorstöße an Ärmeln, Brustklappe und Stehkragen waren typische Distinktionsmerkmale, die die Postuniformen von militärischen Uniformen unterschieden, obwohl die allgemeine Gestaltung militärischen Vorbildern folgte.

Besonders bemerkenswert an diesem Exemplar sind die goldenen Litzen am Kragen und der goldene Rangstern, die auf einen höheren Beamtenrang hinweisen. Die Rangabzeichen der Reichspost waren hierarchisch gestaffelt und ermöglichten eine präzise Einordnung des Trägers innerhalb der Verwaltungsstruktur. Goldene Sterne und Litzen waren höheren Beamten vorbehalten und signalisierten eine gehobene Position innerhalb der Oberpostdirektion. Die goldenen Knöpfe mit dem Reichswappen unterstrichen den offiziellen Charakter der Uniform und die Verbindung zur staatlichen Autorität des Kaiserreichs.

Der Kammerstempel “O.P.D. Bln. 10. 1913” im Rückenfutter dokumentiert die Ausgabe durch die Kleiderkammer der Oberpostdirektion Berlin im Oktober 1913, nur wenige Monate vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Diese Stempel dienten der Inventarisierung und Verwaltung der Dienstkleidung und sind heute wertvolle Datierungshilfen für Sammler und Historiker. Die Berliner Oberpostdirektion war eine der bedeutendsten im gesamten Reich, da sie die Reichshauptstadt mit ihrem enormen Post- und Telegrammaufkommen verwaltete.

Das weiße Leinenfutter war Standard bei höherwertigen Dienströcken und zeugt von der soliden Verarbeitung. Die Postbeamten des Kaiserreichs genossen einen respektablen gesellschaftlichen Status. Sie waren Reichsbeamte mit Pensionsanspruch und galten als Teil der stabilen Mittelschicht. Ihre Uniformen trugen sie mit Stolz, da diese ihre Position in der staatlichen Hierarchie sichtbar machten.

Die Jahre unmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg waren eine Blütezeit der Reichspost. Das Postnetz war vollständig ausgebaut, Telefonie und Telegrafie erlebten einen rasanten Aufschwung, und die Post war zu einem unverzichtbaren Bestandteil der modernen Kommunikationsinfrastruktur geworden. Die sorgfältige Uniformierung und Hierarchisierung des Personals spiegelte den Anspruch des Kaiserreichs wider, eine moderne, effiziente Verwaltung zu unterhalten.

Mit dem Zusammenbruch des Kaiserreichs 1918 endete auch die Ära der Kaiserlichen Reichspost. Die Weimarer Republik übernahm das Postwesen als Reichspost, und die Uniformen wurden entsprechend angepasst. Die kaiserlichen Embleme verschwanden, und neue republikanische Symbole traten an ihre Stelle. Dienstkleidungsstücke aus der Kaiserzeit wurden teilweise weiterverwendet, wobei die monarchischen Insignien entfernt wurden.

Heute sind solche original erhaltenen Dienströcke der Kaiserlichen Reichspost gesuchte Sammlerstücke und wichtige historische Dokumente. Sie ermöglichen Einblicke in die Verwaltungskultur, die Handwerkskunst der Uniformschneider und die gesellschaftlichen Strukturen des Kaiserreichs. Der vorliegende Rock aus dem Jahr 1913 repräsentiert damit nicht nur ein Kleidungsstück, sondern ein Stück deutscher Verwaltungs- und Sozialgeschichte an der Schwelle zum Untergang der monarchischen Ordnung.

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