Die französische Médaille Coloniale mit der Gefechtsspange «Libye»
Die Médaille Coloniale gehört zu den traditionsreichsten militärischen Auszeichnungen der französischen Republik. Geschaffen durch Artikel 75 des Finanzgesetzes vom 26. Juli 1893, wurde sie zur Belohnung «militärischer Dienste in den Kolonien, die aus der Teilnahme an militärischen Operationen in einer Kolonie oder einem Protektorat resultieren», verliehen. Die Medaille steht damit in einer langen Tradition französischer Kolonialpolitik, deren erste berücksichtigte Operationen gemäß dem Dekret vom 6. März 1894 bis ins Jahr 1827 zurückreichen – an den Beginn der Eroberung Algeriens.
Herstellung und Gestaltung
Ab 1913 übernahm die Monnaie de Paris die vollständige Verantwortung für die Herstellung der Kolonialmedaille. Die Produktion erfolgte durch die Verwaltung der Pariser Münze, während ein privates Unternehmen mit der Fertigung der Aufhängung, der Ösenblätter und der Gefechtsspangen beauftragt wurde. Die Medaille selbst hat einen Durchmesser von 30 mm. Auf der Vorderseite zeigt sie eine behelmte Darstellung der Republik mit der Inschrift «République française». Die Rückseite wird von einer Weltkarte dominiert, die auf einem Anker über einem Waffenbündel ruht. Das Band weist vertikale weiße und blaue Streifen auf, mit einer Breite von 35 bis 37 mm. Der Entwurf wird dem Capitaine de frégate Marie-Nicolas Saulnier de La Pinelais zugeschrieben.
Die Gefechtsspange «Libye» und das Freie Frankreich
Besondere Bedeutung kommt der hier vorliegenden Variante mit der Gefechtsspange «Libye» zu. Diese wurde durch ein Dekret der Regierung des Freien Frankreichs geschaffen, um die Teilnahme an Operationen gegen italienische und deutsche Streitkräfte in Nordafrika in den Jahren 1940, 1941 und 1942 zu würdigen. Die Spange gehört zum sogenannten «orientalischen Modell», das sich durch orientalisch gestaltete Bordüren an den Enden des Rechtecks auszeichnet. Insgesamt existieren 13 Spangen dieses Modells, darunter unter anderem Bir Hakeim, Koufra, Fezzan, Érythrée und Éthiopie. Die offiziellen Originalspangen verfügen über sogenannte «clipover»-Befestigungen am Band.
Insgesamt wurden im Zeitraum zwischen 1942 und 1943 neun Gefechtsspangen offiziell durch Dekrete des Freien Frankreichs und anschließend des Kämpfenden Frankreichs geschaffen, und zwar durch Dekrete vom 26. März, 1. August, 1. Oktober und 6. November 1942 sowie vom 23. Februar und 27. Mai 1943. Durch die Ordonnanz vom 7. Januar 1944 wurden ausschließlich folgende Spangen als autorisiert erklärt: Éthiopie, Érythrée, Koufra, Libye, Bir Hakeim, Fezzan, Tripolitaine und Tunisie 1942-1943. Diese Ordonnanz erlaubte es zudem, die Medaille mit Spangen zu tragen, die die Teilnahme an Kriegsoperationen in Ländern außerhalb des französischen Kolonialreiches belohnten.
Die Freien Französischen Streitkräfte in Nordafrika
Die Gefechtsspange «Libye» steht in direktem Zusammenhang mit dem Einsatz der Forces Françaises Libres (FFL) in der Westlichen Wüste. Im April 1942 wurden die freien französischen Streitkräfte als French Forces in the Western Desert (FFWD) unter dem Kommando von General de Larminat in die britische 8. Armee eingegliedert. Zwischen Sommer 1940 und Sommer 1943 schlossen sich insgesamt etwa 73.300 Mann den FFL an – darunter rund 39.300 französische Staatsbürger, 30.000 Koloniale (hauptsächlich aus Schwarzafrika) sowie 3.800 Ausländer und Legionäre. Die FFL hörten am 1. August 1943 auf zu existieren, als sie mit der Armee Afrikas zur Französischen Befreiungsarmee verschmolzen wurden.
Bedeutende Träger
Unter den namhaften Empfängern der Kolonialmedaille mit der Spange «Libye» ragt Pierre Messmer hervor, der spätere französische Premierminister, der die Kolonialmedaille mit sechs Spangen erhielt: «AFL», «Érythrée», «Libye», «Bir-Hakeim», «Tunisie 42-43» und «Extrême-Orient». Weitere bedeutende Träger der Kolonialmedaille sind Pierre Garbay (mit den Spangen Marokko 1925, AFL, Eritrea, Libyen, Tunesien), Philippe Leclerc de Hauteclocque, Henri Gouraud und Charles Mangin.
Vom Kolonialen zum Überseeischen
Die Kolonialmedaille wurde im Laufe ihrer Geschichte an mehr als eine Million Träger verliehen. Durch ein Gesetz vom 27. März 1914 wurde die Möglichkeit geschaffen, die Medaille auch ohne Gefechtsspange zu verleihen – an Mannschaften und Unteroffiziere mit 10 Jahren effektiver Dienstzeit sowie an Offiziere mit 15 Jahren, die mindestens 6 Jahre mit Auszeichnung in bestimmten Gebieten gedient hatten. Von den insgesamt etwa 113 existierenden Gefechtsspangen sind nur 51 als offiziell anerkannt.
Am 6. Juni 1962 wurde durch das Dekret Nr. 62-660, ergänzt durch die Anordnung vom 11. September 1963, die Bezeichnung «colonial» durch «outre-mer» ersetzt. Die Médaille Coloniale wurde damit zur Médaille d’Outre-Mer (Überseemedaille). Die Medaille wird heute nicht mehr verliehen.
Das vorliegende Stück, bestehend aus der Medaille mit der Gefechtsspange «Libye» sowie einer Miniaturversion, stellt ein bedeutendes Sammlerstück dar, das direkt mit den Kampfhandlungen der Freien Französischen Streitkräfte in Nordafrika verbunden ist und damit einen wichtigen Abschnitt der Geschichte des Zweiten Weltkriegs dokumentiert.