III. Reich - Prüfungskarte über die Lehrerausbildung auf dem Gebiete der körperlichen Erziehung

für einen Mädel des Jahrgangs 1920 aus Hamburg, zugelassen im September 1940, Foto ist angeheftet, " Persönlich ! Nur für den Dienstgebrauch ! Unter Verschluß zu halten ! "; leicht gebrauchter Zustand.
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III. Reich - Prüfungskarte über die Lehrerausbildung auf dem Gebiete der körperlichen Erziehung

Die vorliegende Prüfungskarte über die Lehrerausbildung auf dem Gebiete der körperlichen Erziehung aus dem Dritten Reich stellt ein bedeutsames Dokument der nationalsozialistischen Bildungs- und Erziehungspolitik dar. Dieses Exemplar gehörte einem jungen Mädchen des Jahrgangs 1920 aus Hamburg, das im September 1940 zur Ausbildung zugelassen wurde.

Die körperliche Erziehung nahm im nationalsozialistischen Erziehungssystem eine zentrale Stellung ein. Nach der Machtübernahme 1933 reformierte das Regime systematisch das gesamte Bildungswesen und stellte die körperliche Ertüchtigung gleichberechtigt neben die geistige Bildung. Dies manifestierte sich in Adolf Hitlers programmatischer Aussage, dass der völkische Staat seine gesamte Erziehungsarbeit in erster Linie nicht auf das Einpumpen bloßen Wissens einzustellen habe, sondern auf das Heranzüchten kerngesunder Körper.

Die Ausbildung von Lehrkräften für die körperliche Erziehung wurde ab Mitte der 1930er Jahre systematisch ausgebaut. Für weibliche Lehrkräfte existierten spezielle Hochschulen für Leibesübungen sowie Ausbildungsstätten, die dem Reichserziehungsministerium unterstanden. Die Ausbildung umfasste nicht nur sportliche und gymnastische Fertigkeiten, sondern auch ideologische Schulung im Sinne der nationalsozialistischen Weltanschauung.

Die Aufschrift "Persönlich! Nur für den Dienstgebrauch! Unter Verschluss zu halten!" auf diesem Dokument unterstreicht dessen offiziellen Charakter und die Geheimhaltungspflicht, die mit solchen Ausbildungsunterlagen verbunden war. Diese Klassifizierung war typisch für behördliche Dokumente des NS-Staates und sollte eine kontrollierte Informationsweitergabe gewährleisten.

Das Jahr 1940, in dem die Inhaberin zur Ausbildung zugelassen wurde, fiel in eine Zeit tiefgreifender Umbrüche. Deutschland befand sich im zweiten Kriegsjahr, hatte Polen besiegt und führte den Westfeldzug durch. Trotz der Kriegssituation wurde die Lehrerausbildung fortgesetzt, da qualifiziertes Personal für die Schulen und vor allem für die Organisationen der Hitler-Jugend und des Bundes Deutscher Mädel (BDM) benötigt wurde.

Für junge Frauen des Jahrgangs 1920 bedeutete die Zulassung zur Lehrerausbildung im Jahr 1940 den Beginn einer Karriere im Bildungswesen zu einem Zeitpunkt, als sie 19 oder 20 Jahre alt waren. Die Ausbildung dauerte in der Regel mehrere Semester und umfasste theoretische sowie praktische Komponenten. Die Studierenden mussten ihre eigene körperliche Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen und gleichzeitig pädagogische und didaktische Fähigkeiten erwerben.

Das beigefügte Foto auf der Prüfungskarte diente der Identifizierung und war bei offiziellen Dokumenten dieser Art Standard. Die Prüfungskarte selbst dokumentierte den Ausbildungsfortschritt, bestandene Prüfungen und erworbene Qualifikationen. Sie war somit ein wichtiges persönliches Dokument, das die Inhaberin während ihrer gesamten Ausbildungszeit mit sich führen musste.

Die körperliche Erziehung für Mädchen und junge Frauen im Dritten Reich unterschied sich konzeptionell von der männlichen Ausbildung. Während bei Jungen und Männern die wehrsportliche Ausbildung im Vordergrund stand, wurde bei Mädchen mehr Wert auf Gymnastik, rhythmische Erziehung und solche sportlichen Aktivitäten gelegt, die als "wesengemäß" galten. Dennoch sollte auch die weibliche Jugend körperlich gestählt werden, um der Rolle als "Mütter der Nation" gerecht zu werden.

Hamburg als Herkunftsort der Inhaberin war eine bedeutende Großstadt mit mehreren Ausbildungsstätten für Lehrkräfte. Die Stadt verfügte über entsprechende Infrastruktur und Einrichtungen für die sportliche Ausbildung. Viele dieser Institutionen wurden später im Krieg durch alliierte Bombenangriffe beschädigt oder zerstört.

Der leicht gebrauchte Zustand des Dokuments deutet darauf hin, dass es tatsächlich während der Ausbildung verwendet wurde. Solche Dokumente waren ständige Begleiter und mussten bei Prüfungen, Übungen und offiziellen Anlässen vorgelegt werden.

Nach Kriegsende 1945 wurden alle nationalsozialistischen Bildungseinrichtungen aufgelöst und die entsprechenden Qualifikationen zunächst nicht anerkannt. Viele Inhaber solcher Dokumente mussten sich in der Nachkriegszeit neu orientieren und gegebenenfalls ihre Ausbildung unter demokratischen Vorzeichen fortsetzen oder wiederholen.

Heute stellen solche Prüfungskarten wichtige historische Quellen dar, die Einblick in die Ausbildungspraxis und das Bildungssystem des Dritten Reiches geben. Sie dokumentieren individuelle Lebensläufe junger Menschen, die in einer Diktatur aufwuchsen und deren berufliche Entwicklung durch Ideologie und Krieg geprägt wurde.