Königreich Bayern/ Sachsen/ Württemberg Königsabzeichen für die Infanterie 1904

Vergoldetes Ärmelabzeichen mit gekreuzten Gewehren, Eichenlaubkranz, Königskrone und Verleihungsjahr «1904» auf dunkelblauer Tuchunterlage, komplett mit der Rückenplatte. Zustand 2.

Die Auszeichnung wurde in diesem Jahr an die:
5. Kompanie des Kgl. Sä. 2. Gren.-Rgt. Kai. Wilh., Kö. v. Pr. Nr. 101
4. Kompanie des Kgl. Sächs. 8. Inf.-Rgt. Prinz Johann Georg Nr. 107
8. Kompanie des Inf.-Rgt. Kaiser Wilhelm, König v. Pr. (2. Württ.) Nr. 120
10. Kompanie des Kgl. Bayer. 8. Inf.-Rgt. Großherzog Friedrich II. v. Baden
1. Kompanie des Kgl. Bayer. 16. Inf.-Rgt. Grzg. Ferd. v. Toskana
3. Kompanie des Kgl. Bayer. 21. Inf.-Rgt. Grzg. Fr. Fz. IV. v. Meckl.-Schw.
verliehen.




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375,00

Königreich Bayern/ Sachsen/ Württemberg Königsabzeichen für die Infanterie 1904

Das Königsabzeichen für die Infanterie repräsentiert eine besondere Kategorie militärischer Auszeichnungen im Deutschen Kaiserreich, die zur Anerkennung herausragender Leistungen einzelner Kompanien bei königlichen Schießwettbewerben verliehen wurden. Das hier beschriebene Exemplar aus dem Jahr 1904 dokumentiert eine bedeutende Tradition der militärischen Schießkunst, die in den deutschen Armeen des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts einen hohen Stellenwert besaß.

Die Gestaltung des Abzeichens folgt einem standardisierten Muster, das symbolisch die militärische Exzellenz und königliche Autorität vereint. Die gekreuzten Gewehre als zentrales Motiv verweisen unmittelbar auf die infanteristische Waffengattung und die Schießfertigkeit. Der Eichenlaubkranz symbolisiert Stärke, Beständigkeit und Ehre - Tugenden, die in der preußisch-deutschen Militärtradition besonders geschätzt wurden. Die Königskrone als bekrönendes Element unterstreicht den königlichen Charakter dieser Auszeichnung und die direkte Verbindung zur Monarchie.

Die Verleihung des Jahres 1904 erfolgte an sechs verschiedene Kompanien aus drei deutschen Königreichen: Bayern, Sachsen und Württemberg. Diese föderale Struktur spiegelt die Besonderheit des Deutschen Kaiserreichs wider, in dem die einzelnen Bundesstaaten ihre eigenen Armeekorps unterhielten, die jedoch unter dem obersten Befehl des deutschen Kaisers standen. Die ausgezeichneten Einheiten - darunter drei bayerische, zwei sächsische und eine württembergische Kompanie - demonstrieren die reichsweite Bedeutung dieser militärischen Wettbewerbe.

Die königlichen Schießwettbewerbe waren fest im jährlichen Ausbildungskalender der deutschen Armeen verankert. Sie dienten nicht nur der Leistungsmessung, sondern auch der Motivation der Truppen und der Förderung des Korpsgeistes. Die Teilnahme erfolgte in der Regel auf Regiments- oder Divisionsebene, wobei die besten Kompanien zur königlichen Konkurrenz zugelassen wurden. Die Durchführung dieser Wettbewerbe unterlag strengen Regeln und wurde von speziell ernannten Kommissionen überwacht.

Das Abzeichen selbst wurde als Ärmelabzeichen getragen, was seine Sichtbarkeit und damit die Ehrung der ausgezeichneten Kompanie im militärischen Alltag gewährleistete. Die Vergoldung des Metallteils und die Montage auf dunkelblauem Tuch entsprachen den Vorschriften für Ehrenabzeichen dieser Kategorie. Die dunkelblaue Farbe war in der preußischen und deutschen Militärtradition fest verankert und findet sich in zahlreichen Uniformteilen und Auszeichnungen wieder. Die komplette Erhaltung mit Rückenplatte ist für Sammler und Historiker von besonderer Bedeutung, da sie die authentische Trageweise dokumentiert.

Die Regiment-Bezeichnungen der ausgezeichneten Einheiten offenbaren ein weiteres charakteristisches Merkmal der kaiserlichen Armee: die Benennung nach Herrschern, Prinzen und hochrangigen Persönlichkeiten. Diese Praxis diente der Ehrung der Namenspatrone und sollte zugleich die Verbundenheit zwischen Monarchie und Armee stärken. So trugen beispielsweise das 2. Grenadier-Regiment Kaiser Wilhelm, König von Preußen Nr. 101 (Sachsen) und das Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelm, König von Preußen (2. Württembergisches) Nr. 120 den Namen des deutschen Kaisers.

Die bayerischen Regimenter ehrten mit ihren Bezeichnungen auswärtige Fürsten wie Großherzog Friedrich II. von Baden oder Großherzog Ferdinand von Toskana, was die dynastischen Verflechtungen der europäischen Herrscherhäuser widerspiegelt. Diese Namensgebungen waren nicht nur symbolischer Natur, sondern begründeten oft eine besondere Beziehung zwischen dem Regimentschef und seiner Einheit.

Im Kontext der Militärgeschichte dokumentiert dieses Königsabzeichen die hohe Bedeutung der Schießausbildung in einer Epoche, in der das Infanteriefeuer noch die entscheidende Kampfkraft darstellte. Die systematische Förderung der Schießfertigkeit durch Wettbewerbe und Auszeichnungen war Teil eines umfassenden Ausbildungssystems, das die deutschen Armeen zu den leistungsfähigsten ihrer Zeit machte. Die Erfahrungen aus diesen Friedenswettbewerben sollten sich nur ein Jahrzehnt später im Ersten Weltkrieg bewähren müssen, wo die Realität des modernen Krieges jedoch viele traditionelle Vorstellungen in Frage stellte.

Heute sind solche Königsabzeichen wichtige Quellen für die militärhistorische Forschung und geschätzte Sammlerobjekte. Sie dokumentieren nicht nur militärische Leistung, sondern auch Handwerkskunst, Heraldik und die soziale Bedeutung des Militärs in der wilhelminischen Gesellschaft. Der angegebene Zustand 2 bezeichnet nach gängiger Sammlernomenklatur einen sehr guten Erhaltungszustand mit nur geringen Gebrauchsspuren, was bei einem über 120 Jahre alten Objekt bemerkenswert ist.

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