Preußen Kavallerie Offizierssäbel .

Vernickelte Klinge  mit Hersteller "WKC", diese geschärft und graviert "Vice-Wachtmeister Groth. 1914/15", vergoldetes Messinggefäß mit Löwenkopf, dieser mit roten Glasaugen, der Parierbügel flach und mit Eichenlaubdekor, schwarzer Kautschukgriff mit intakter Drahtwicklung, auf dem Parierlappen gekreuzte Säbel und Lanzen, auf der anderen Seite ein Schild mit Namens-Kürzel "L G", nachlackierte Stahlscheide mit einem Tragering, kleine Druckstellen, getragene Waffe mit leichten Altersspuren, gut erhaltenes Stück. Zustand 2

Klingenlänge etwa 800 mm
Gesamtlänge etwa 960 mm
478680
1.200,00

Preußen Kavallerie Offizierssäbel .

Der preußische Kavallerie-Offiziersäbel aus der Zeit des Ersten Weltkriegs repräsentiert eine wichtige Epoche in der deutschen Militärgeschichte, als traditionelle Nahkampfwaffen noch eine symbolische und zeremonielle Bedeutung behielten, obwohl die moderne Kriegsführung bereits von Schusswaffen dominiert wurde.

Die Waffenfabrik WKC (Weyersberg, Kirschbaum & Co.) in Solingen war einer der bedeutendsten Hersteller militärischer Blankwaffen im Deutschen Kaiserreich. Das Unternehmen entstand 1883 aus der Fusion mehrerer traditionsreicher Solinger Klingenschmieden und belieferte sowohl die preußische Armee als auch andere deutsche Kontingente sowie ausländische Streitkräfte. Die WKC-Produkte zeichneten sich durch hohe handwerkliche Qualität und Zuverlässigkeit aus.

Der hier beschriebene Säbel trägt die Gravur “Vice-Wachtmeister Groth. 1914/15”, was auf einen Unteroffizier der Kavallerie in den ersten Kriegsjahren hinweist. Der Vice-Wachtmeister war ein Dienstgrad in der deutschen Kavallerie, der zwischen Wachtmeister und Offizier angesiedelt war und häufig mit besonderen Aufgaben in der Truppenführung betraut wurde. Die Jahreszahlen 1914/15 markieren die Anfangsphase des Ersten Weltkriegs, als die deutsche Kavallerie noch in traditioneller Weise eingesetzt wurde, bevor der Stellungskrieg diese Waffengattung weitgehend obsolet machte.

Das Messinggefäß mit vergoldeter Oberfläche folgt dem charakteristischen Design preußischer Kavalleriesäbel des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Der Löwenkopf am Knauf mit roten Glasaugen war ein typisches Merkmal dieser Waffen und symbolisierte Mut und Stärke. Der flache Parierbügel mit Eichenlaubdekor verweist auf preußische Militärtraditionen, wobei das Eichenlaub als Symbol für Standhaftigkeit und Treue galt.

Die gekreuzten Säbel und Lanzen auf dem Parierlappen sind charakteristische Insignien der Kavallerie und weisen auf die Zugehörigkeit zu dieser Waffengattung hin. Das Schild mit dem Namenskürzel “L G” könnte auf ein spezifisches Regiment hindeuten, möglicherweise ein Leibgarde- oder Linienregiment, obwohl ohne weitere Kontextinformationen eine genaue Zuordnung schwierig ist.

Die vernickelte Klinge mit einer Länge von etwa 800 mm entspricht den Standardmaßen preußischer Kavalleriesäbel der Periode. Die Vernickelung diente dem Korrosionsschutz und verlieh der Waffe ein charakteristisches silbriges Aussehen. Die Tatsache, dass die Klinge geschärft ist, deutet darauf hin, dass dieser Säbel für den tatsächlichen Gebrauch bestimmt war und nicht nur zeremoniellen Zwecken diente.

Der schwarze Kautschukgriff mit Drahtwicklung war typisch für deutsche Militärsäbel dieser Ära. Der Kautschuk bot einen praktischen, rutschfesten Griff, während die Drahtwicklung zusätzlichen Halt gewährte und das charakteristische Erscheinungsbild dieser Waffen prägte.

Die Stahlscheide mit einem Tragering ermöglichte das Tragen des Säbels am Koppel oder an speziellen Bandolieren. Die nachträgliche Lackierung könnte auf Restaurierungsarbeiten oder auf den Versuch hinweisen, die Waffe vor weiterer Korrosion zu schützen.

In der deutschen Kavallerie des Ersten Weltkriegs spielten Säbel eine zunehmend untergeordnete Rolle. Während zu Kriegsbeginn noch traditionelle Kavallerieattacken durchgeführt wurden, führten Maschinengewehre, Stacheldraht und Artillerie schnell dazu, dass berittene Truppen vom Schlachtfeld verschwanden oder zu abgesessenen Kämpfern wurden. Dennoch blieben Säbel wichtige Statussymbole und wurden für Wach- und Ordonnanzfunktionen weiterhin getragen.

Die Personalisierung durch Gravur war eine verbreitete Praxis, die es ermöglichte, den Träger zu identifizieren und die emotionale Bindung zur Waffe zu verstärken. Solche gravierten Säbel wurden häufig als Auszeichnung verliehen oder bei besonderen Anlässen erworben.

Heute sind preußische Kavalleriesäbel aus dem Ersten Weltkrieg begehrte Sammlerobjekte, die wichtige Zeugnisse einer Übergangszeit in der Militärgeschichte darstellen – einer Periode, in der jahrhundertealte Traditionen auf moderne Kriegsführung trafen.