Dieser außergewöhnliche Porzellan-Gedenkteller dokumentiert einen der bedeutendsten Meilensteine der frühen Luftfahrtgeschichte: den ersten erfolgreichen Ost-West-Transatlantikflug vom 12. bis 13. April 1928. An Bord der Junkers W 33 “Bremen” wagten der deutsche Pilot Hermann Köhl, der irische Flieger James Fitzmaurice und Baron Ehrenfried Günther Freiherr von Hünefeld das, was zuvor als nahezu unmöglich galt: die Atlantiküberquerung gegen die vorherrschenden Westwinde.
Die historische Bedeutung dieser Leistung kann kaum überschätzt werden. Während Atlantikflüge von Amerika nach Europa von den günstigen Windverhältnissen profitierten, stellte die Ost-West-Route eine weitaus größere Herausforderung dar. Am 12. April 1928 um 05:38 Uhr hob die auf fünf Tonnen beladene Bremen mit 520 Gallonen Treibstoff vom irischen Baldonnel Aerodrome ab, Ziel: New York. Nach 36,5 Stunden erreichte die Besatzung sicher Greenly Island, eine kleine kanadische Insel. Der Empfang in New York am 30. April war triumphierend – die Flieger wurden mit einer Tickertape-Parade geehrt. Am 2. Mai 1928 ermächtigte der 70. Kongress der Vereinigten Staaten Präsident Calvin Coolidge, den Bremen-Fliegern das Distinguished Flying Cross zu verleihen. Zurück in Irland erhielten sie am 30. Juni 1928 die Ehrenbürgerschaft der Stadt Dublin.
Dieser Gedenkteller wurde um 1928 von der Rheinischen Porzellanfabrik Mannheim G.m.b.H. hergestellt, einer Manufaktur, die von 1887 bis 1933 existierte und 1899 von Hugo Sterner als GmbH gegründet worden war. Die Fabrik produzierte vorwiegend Haushaltsporzellan, fertigte jedoch auch eine kleine Anzahl dekorativer und Werbeartikel an. Dieser Teller wurde im Auftrag der Junkers-Werke Dessau als exklusives Präsentationsgeschenk geschaffen.
Die kunstvolle Gestaltung spiegelt die technische und menschliche Dimension dieser Pionierleistung wider. Der weiß glasierte Porzellanteller mit einem Durchmesser von 30,5 cm trägt eine aufwendige handbemalte Dekoration mit reichem Golddekor und umlaufendem Goldrand. Im Zentrum ist die D-1167 während ihrer Atlantiküberquerung dargestellt, flankiert von goldenen Landkarten Nordamerikas und Europas, auf denen die Flughäfen New York und Dessau markiert sind. Im oberen Bereich zeigen drei Portraits die mutigen Flieger mit dem Datum 13. April 1928. Unten prangt das große Firmenemblem der Junkers-Werke in Silber, seitlich von goldenen Lorbeerkränzen umgeben. Die Randschrift in Gold lautet: “Europa-Amerika - Einmotoriges Ganzmetallflugzeug 'Bremen' 350 P[S]. Junckers-Werke Dessau”.
Die Rückseite trägt die Herstellerbezeichnung sowie eine handschriftliche Inschrift: “Erster Flug über den Nord-Atlantik von Ost nach West der deutschen Flieger, Hauptmann Köhl, Freiherr v. Hünefeld und dem irischen Major Fitzmaurice 13. April 1928, Flugzeug 356 1/2 Stunden - Entwurf + handgemalt Fritz Lammertz Mannheim 1928”.
Dieser Teller gehört nicht zu den Massenproduktionen kommerzieller Souvenirs, sondern zu einer äußerst limitierten Serie von Präsentationsgeschenken. Die Junkers-Werke ließen diese Teller fertigen, um ausgewählte Persönlichkeiten zu ehren, die mit dem historischen Flug in Verbindung standen. Wahrscheinliche Empfänger waren die drei Flieger selbst, Führungskräfte von Junkers, Regierungsvertreter oder bedeutende Förderer und Unterstützer des Fluges. Die genaue Produktionszahl dieser Gedenkteller ist nicht dokumentiert, und die Seltenheit des Objekts unterstreicht seine Bedeutung als historisches Zeugnis.
Die Bremen selbst erlebte nach ihrem Triumph eine wechselvolle Geschichte. Sie wurde nach Bremen, dann nach Dessau transportiert und 1928 auf der Internationalen Luftfahrtausstellung (ILA) in Berlin ausgestellt. Baron von Hünefeld bot die Bremen dem Deutschen Museum in München als Geschenk an, das jedoch ablehnte, da die Maschine zwar historische Bedeutung habe, aber keine “technisch wichtige Entwicklungsstufe” darstelle. Hünefeld vermachte das Flugzeug daraufhin dem New York City Museum. Heute gehört die Bremen dem Henry Ford Museum in Dearborn, Michigan, und ist gegenwärtig in einem Hangar des Bremen Airport Museums ausgestellt.