III. Reich - Siegermedaille - " Turngemeinde Nürnberg Langemarck-Gedächtnis-Schiessen 1914-1940 Sieger "

34 mm, Feinzink, Hersteller : B.H.Mayer Pforzheim, Zustand 2.
370581
90,00

III. Reich - Siegermedaille - " Turngemeinde Nürnberg Langemarck-Gedächtnis-Schiessen 1914-1940 Sieger "

Die vorliegende Siegermedaille der Turngemeinde Nürnberg zum Langemarck-Gedächtnis-Schießen 1914-1940 stellt ein bemerkenswertes Zeugnis der deutschen Turn- und Schützenkultur während der Zeit des Dritten Reiches dar. Diese aus Feinzink gefertigte Medaille mit einem Durchmesser von 34 mm wurde von der renommierten Firma B.H. Mayer aus Pforzheim hergestellt, einem der führenden Hersteller von Auszeichnungen und Medaillen in Deutschland.

Der Name Langemarck bezieht sich auf die Schlacht bei Langemarck in Flandern im November 1914, während des Ersten Weltkriegs. Dieser Ort wurde in der deutschen Geschichtsschreibung und Propaganda zum Symbol für den heldenhaften Opfermut junger deutscher Studenten und Freiwilliger, die angeblich singend in den Tod gegangen sein sollen. Obwohl die historische Realität der “Langemarck-Legende” von der Forschung kritisch hinterfragt wird, wurde dieser Mythos besonders in der Zeit des Nationalsozialismus intensiv gepflegt und instrumentalisiert.

Die Turngemeinde Nürnberg gehörte zur deutschen Turnbewegung, die im 19. Jahrhundert von Friedrich Ludwig Jahn begründet wurde. Diese Bewegung verband körperliche Ertüchtigung mit nationalen und später nationalsozialistischen Idealen. Während des Dritten Reiches wurden Turnvereine und Schützengesellschaften zunehmend in die nationalsozialistische Organisationsstruktur eingebunden und für die vormilitärische Ausbildung der Bevölkerung genutzt.

Das Jahr 1940, in dem dieses Gedächtnisschießen stattfand, markiert das zweite Jahr des Zweiten Weltkriegs. Deutschland hatte zu diesem Zeitpunkt bereits Polen erobert und befand sich im Westfeldzug gegen Frankreich, der Niederlande und Belgien – ironischerweise auch gegen Flandern, wo Langemarck liegt. Die Ausrichtung solcher Gedenkveranstaltungen diente der Mobilisierung der Heimatfront und der Aufrechterhaltung der Kampfmoral.

Die Herstellerfirma B.H. Mayer's Kunstprägeanstalt in Pforzheim war seit ihrer Gründung im Jahr 1871 eine der bedeutendsten Medaillenprägeanstalten Deutschlands. Das Unternehmen produzierte sowohl zivile als auch militärische Auszeichnungen und arbeitete eng mit staatlichen Stellen zusammen. Die Verwendung von Feinzink als Material war während der Kriegsjahre üblich, da wertvollere Metalle wie Bronze oder Silber für die Rüstungsindustrie benötigt wurden.

Schießsportveranstaltungen hatten in Deutschland eine lange Tradition und waren eng mit der Wehrhaftmachung der Bevölkerung verbunden. Die Nationalsozialisten förderten den Schießsport systematisch als Teil der Wehrertüchtigung. Solche Wettkämpfe dienten nicht nur der sportlichen Betätigung, sondern auch der praktischen Vorbereitung auf den Kriegsdienst. Siegesmedaillen wie die vorliegende wurden als Anreiz und Anerkennung für besondere Leistungen verliehen.

Die Stadt Nürnberg hatte in der NS-Zeit eine besondere Bedeutung als “Stadt der Reichsparteitage”. Hier fanden die monumentalen Parteitage der NSDAP statt, und die Stadt wurde zum Symbol nationalsozialistischer Macht und Inszenierung. Sportliche und vormilitärische Veranstaltungen in Nürnberg hatten daher oft einen besonderen propagandistischen Charakter.

Die Gestaltung solcher Medaillen folgte typischerweise den ästhetischen Vorstellungen der Zeit, die von klaren Formen, symbolträchtigen Darstellungen und eindeutiger Beschriftung geprägt waren. Als Siegermedaille dokumentiert dieses Stück nicht nur sportliche Leistung, sondern auch die Durchdringung des zivilen Lebens durch militärische und nationalsozialistische Ideologie.

Nach 1945 wurden viele dieser Objekte vernichtet oder versteckt. Heute sind sie wichtige historische Quellen für die Erforschung der Alltagskultur und der Verknüpfung von Sport, Militär und Politik im Dritten Reich. Sie dokumentieren, wie selbst scheinbar unpolitische Bereiche wie der Vereinssport ideologisch vereinnahmt und für die Kriegsvorbereitung instrumentalisiert wurden.